Nicht nur beim berühmt-berüchtigten Smalltalk wird über das Wetter geredet. Es ist nun einmal eine Erfahrung, die wir mit Anderen gemeinsam haben, und daher oft der erste Anknüpfungspunkt an unser Gegenüber.

Dass es sich mit Allen und Jedem über das Wetter reden lässt, ist aber nicht nur in Smalltalk-Situationen gut zu wissen, sondern auch für Unternehmen eine sehr wertvolle Erkenntnis, denn Witterungsbedingungen beeinflussen das Leben von Verbrauchern und somit auch deren Verhalten. Immer mehr Organisationen beobachten Verbraucherverhalten und nutzen die Ergebnisse, um ihre Kampagnen zu optimieren und in der Folge ihren Profit zu erhöhen.

Die US-App AccuWeather – wie auch die in Deutschland sehr populäre WetterOnline-App – ist für kostenlose Wetterberichte und -vorhersagen bekannt. Sie bietet zudem Lösungen für Unternehmen an, über die große Mengen an detaillierten historischen Wetterdaten verfügbar gemacht werden. Wenn diese dann anschließend mit Verkaufsdaten aus der Vergangenheit korreliert werden, können Unternehmen AccuWeather nutzen, um das Verhalten von Verbrauchern abhängig vom Wetter zu untersuchen.

Einige der Ergebnisse sind sicher kaum überraschend – es werden mehr Schneeschaufeln gekauft, wenn viel Schnee fällt – andere wiederum sind nuancierter. Zum Beispiel werden Verkaufszahlen scheinbar durch geographische Bedingungen beeinflusst. „In einigen Städten Kaliforniens wurde der Verkauf eines bestimmten Getränks stark durch die Anzahl der Sonnenstunden beeinflusst, während in anderen Städten die Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausschlaggebender war“, sagte Casey McGeever, Vizepräsident für Unternehmenslösungen bei AccuWeather.

Um bei dem Getränkebeispiel zu bleiben – laut McGeever beeinträchtigt das Wetter den Verkauf sogar innerhalb einer Produktgruppe auf unterschiedliche Weise: „Der Kauf bestimmter Geschmäcker wie Pfirsich und Limonade wird anders vom Wetter beeinflusst als der von Sorten wie Apfel oder Waldbeere, da den Verbrauchern abhängig von Temperatur, Sonnenschein, etc. mal die eine und mal die andere Geschmackssorte attraktiver vorkommt.“

Für Werbemaßnahmen mit kurzer Laufzeit können diese Erkenntnisse zum Schlüssel für maximale Effektivität werden. „Auch wenn Unternehmen demographische Informationen sammeln, um ihre Kunden besser erreichen zu können, versäumen sie oftmals 20% oder mehr ihres Verkaufspotentials, wenn sie nicht gleichzeitig mit Wetterdaten arbeiten“, sagt McGeever.

Marie Svet, CRO (Chief Revenue Officer) bei AccuWeather, räumt ein, dass AccuWeather bisher noch keine Kunden gewinnen konnte, die sich exklusiv mit redaktionellen Inhalten auseinandersetzen. Dennoch, sagt sie, wenden sich bestehende Kunden aus anderen Bereichen zunehmend redaktionellen Formaten zu, um ihre Storys zu verbreiten und ihre Marken zu promoten. „Mit dem Aufstieg von Facebook und Twitter suchen Werbefachmänner nach Möglichkeiten, sich ständig in das Leben eines Users zu integrieren. Deshalb verwenden solche Unternehmen Tools wie Sponsored Storys, Native Advertising und Content Marketing“, erklärt sie. „Durch den Einsatz von Predictive Analytics-Methoden können Marketer Wetterdaten nutzen, um vorherzusagen, wann Verbraucher welche Produkte kaufen werden. Somit können mit entsprechenden Werbebotschaften zum richtigen Zeitpunkt passende Produkte beworben werden.“

AccuWeathers wettergesteuerter Marketingservice verwendet genau solche Analysen, um zum Beispiel den besten Zeitpunkt für den Einsatz von Social Media-Nachrichten, Newslettern und anderen Marketingmaßnahmen vorzuschlagen.

Zwar gibt es bei AccuWeather zur Zeit keine automatisierte E-Mail-Versendung, doch bietet Konkurrent Skymosity automatisierte, wettergesteuerte E-Mail-Kampagnen an, um Kommunikationsmaßnahmen an geographische und witterungsbedingte Daten anzupassen. Skymosity hat außerdem weitere Online-Marketing-Tools angekündigt. So wird zum Beispiel demnächst eine Online-Werbeautomatisierung angeboten, welche die Angebote an GoogleAdwords anpasst und mit dem aktuellen sowie vorausgesagten Wetter abstimmt. Ebenso soll bald Site Targeting-Technologie zum Einsatz kommen, die Webseiteninhalte den Witterungsbedingungen anpassen wird.

PR-Fachleute könnten diese Technologien verwenden, um E-Mail-Versendungen zeitlich so zu planen, dass sie auf Wettervorhersagen abgestimmt sind, oder auch um Pitches nur auf bestimmte Gebiete auszurichten. Content-Publisher könnten so eine einmalig relevante Web-Erfahrung für jeden Leser kreieren, die auf durch Wetteranalysen ermittelten Verbrauchergewohnheiten basieren.

Das Wetter mag nur kurzfristig vorhersehbar sein, aber für diesen Zeitraum hat die Kombination aus Wetteranalysen und Daten zum Verbraucherverhalten hohes Potential für die Unternehmenskommunikation. Auch wenn Unternehmenserfolg natürlich nicht in jeder Hinsicht direkt wetterabhängig ist, können derartige Analysen einen Wettbewerbsvorteil bieten. Tatsächlich hat ein von Cision angeschriebener Einzelhändler es mit Berufung auf unternehmensinterne Geschäftsstrategien abgelehnt, das Thema zu kommentieren.

Wenn sich also mal wieder jemand darüber beklagt, dass zu viel über das Wetter geplaudert wird, schenken Sie ihm keine Aufmerksamkeit. Das Wetter ist nicht nur interessant – unterschwellig steht es sogar im Mittelpunkt unserer täglichen Entscheidungen, und ob wir dies bemerken oder nicht – die Manager von Marken tun es sicher.

About Andrea Luyken

Marketing Specialist DACH - Cision Germany GmbH - folgen Sie mir auf Twitter (@gilgenbacha)