Im November 2013 wies Snapchat ein Kaufangebot von Facebook in Höhe von 3 Milliarden Dollar zurück und verwirrte Kritiker damit zutiefst. Die in Deutschland bis heute noch relativ unpopuläre App hat in den USA angeblich bereits 26 Millionen Nutzer. Glaubt man einem Artikel von John Herrman auf Buzzfeed, bestehen jedoch einige Zweifel an der Genauigkeit dieser Zahl – dennoch ist es möglich, dass Snapchat in Zukunft weit mehr wert sein wird als 3 Milliarden Dollar. Snapchat wurde in Apples Liste der Top Apps 2013 noch höher bewertet als Instagram und hat attraktive neue Möglichkeiten in der Interaktion für Nutzer und Marken innerhalb der Snapchat-Community geschaffen.

Die App wurde von den beiden ehemaligen Stanford-Studenten Evan Spiegel (damals 23) und Bobby Murphy (damals 25) in einem Kurs an der Universität entworfen, als Spiegel dort Produktdesign studierte. Im Januar 2014 wird außerdem die ehemalige Director of Business Operations von Instagram, Emily White, der Firma als Chief Operations Officer beitreten.

Anders als Instagram ermöglicht es Snapchat seinen Nutzern, Fotos zu versenden, die nur einige Sekunden lang sichtbar sind und dann vom Empfängergerät und von den Snapchat-Servern gelöscht werden. Zusätzlich können die Nutzer dem Foto oder Video Text und Zeichnungen hinzufügen, wodurch mehr Effekte und humorvolle Bildunterschriften möglich sind. Wirklich sicher ist diese Versandart jedoch nicht, da Screenshots der sogenannten „Snaps“ („Schnappschüsse“) mit einem schnellen Fingergriff gespeichert werden können.

Eine weitere Funktion kam im Oktober 2013 hinzu. Sie heißt Snapchat Stories und ähnelt den Snaps, jedoch bleiben die Bilder oder Videos längere Zeit erhalten und können über einen Zeitraum von 24 Stunden hinweg beliebig oft eingesehen werden.

Es gibt keine verlässlichen Nutzerzahlen für Deutschland. Nach einer Studie des amerikanischen Forschungsinstituts Pew Research Center, die Ende Oktober 2013 veröffentlicht wurde, nutzen aber 9% aller US-amerikanischen Handybesitzer Snapchat und 18% Instagram. Da 92% der US-Bevölkerung ein Handy hat, entspricht dies ca. 26 Millionen Snapchat- und 52 Millionen Instagram-Nutzern.

Auch Marken und Unternehmen gewinnen bei den Snapchat-Nutzern – meist Early Adopters und Millenials – an Zugkraft, indem sie sich kostenlose oder preisgünstige Werbung auf der Plattform zunutze machen. Wenn die Marken auf dieser App Nutzern folgen und sich dadurch ein Netzwerk schaffen, können Fans ihnen wiederum folgen.

Die Marken, die auf Snapchat am erfolgreichsten sind, sind weniger solche, die die App als Werbefläche nutzen, sondern eher diejenigen, die damit kreativ und humorvoll umgehen und somit innerhalb von Sekunden das Interesse der Nutzer wecken können. Taco Bell, der japanische Automobilhersteller Acura, die Joghurteis-Kette 16 Handles, das Bekleidungsunternehmen Karmaloop, die Zeitschrift Seventeen und selbst das Football-Team der New Orleans Saints gehören zu den Organisationen, deren Snapchat- und Snapchat Stories-Kampagnen erfolgreich waren.

Melody Kramer, Digital Strategist bei NPR (National Public Radio – eine Kooperation nichtkommerzieller Hörfunksender in den USA), erzielte ebenfalls mit Snapchat Erfolge. Unter dem Accountnamen @nprnews nutzt Kramer Snapchat dazu, ihren Fans täglich ein bemerkenswertes Faktum zu schicken. „Es ist wirklich faszinierend, darüber nachzudenken, wie wir auf verschiedenen Plattformen Nachrichten vermitteln können“, sagte sie. „Plattformen mit technologischen Einschränkungen zwingen uns einfach dazu, in der Nachrichtenübermittlung kreativer zu werden.“

Da Snapchat-Schnappschüsse kurzlebig sind, eignet sich die App kaum für journalistische Zwecke; dennoch schätzt Kramer die App als nützliche Methode, um mit ihren Fans in Verbindung zu treten, Dialoge aufzubauen und denkwürdige Momente zu schaffen.

„Wir haben damit eine Menge Spaß. Wenn es keinen Spaß mehr macht, können wir aufhören. Das ist gerade das Schöne an diesen Plattformen – wir probieren Neues aus, beobachten, ob es unserer Zielgruppe gefällt, verändern einige Dinge und haben Freude daran“, sagte sie. „Damit kann man ja nichts falsch machen.“

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Kontaktinfo:

Hier finden Sie die Webseite von NPR und hier einige der sozialen Netzwerke auf denen diese nichtkommerzielle Kooperation von Hörfunksendern zu finden ist: TwitterFacebook und Instagram.

Den Snapchat-Account von NPR finden Sie mit diesem Namen: @nprnews

Melody Kramer ist Digital Strategist bei NPR.

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