Was PR-Profis über Facebooks Tool “Signal” wissen sollten

Was PR-Profis über Facebooks Tool "Signal" wissen sollten

Facebook will Journalisten helfen, Signale im allgemeinen Lärm zu erkennen… Und nun hat es ein kostenloses Recherche-Tool entwickelt, um genau das zu tun. – Julia Greenberg, Wired

Für Journalisten weltweit war Twitter bisher das bevorzugte Tool, um wichtige Nachrichten zu verfolgen und Updates in Echtzeit zu verbreiten. Das könnte sich bald ändern… – Shubhomita Bose, Small Business Trends

Vor einigen Wochen lancierte Facebook ein Medientool für Journalisten namens “Signal”. Obwohl es einige Erwähnung in der Presse fand, haben längst nicht alle Kommunikationsprofis bislang davon gehört.

Man könnte sagen, dass Facebook mit Signal Funktionen vorstellen will, die es zum besseren Twitter machen. Ein besseres Verständnis des Tools und seiner Funktionen kann bei der Kontaktaufnahme mit Journalisten, die Signal benutzen, durchaus hilfreich sein.

Heute stellen wir die Grundfunktionen von Signal für Journalisten sowie einige Wege vor, wie Kommunikationsprofis dieses Wissen nutzen können, um effektiver zu arbeiten.

Besser twittern als Twitter?

Eine Besonderheit von Twitter sind die durch das allgemeine Nutzerverhalten festgelegten “Trends”. Die Funktion basiert auf dem, was auf Twitter gesagt wird, und so kann man jederzeit die Twitter-App öffnen und einen relativ guten Eindruck davon bekommen, was in der Welt gerade vor sich geht. Für Journalisten ist das ein großer Vorteil von Twitter.

Signal will Journalisten Trend-Themen aus Facebook und Instagram präsentieren und einige nützliche Funktionen hinzufügen, mit deren Hilfe sich Social Content einfach in Artikel einbetten lassen.

Öffnet ein Journalist zum Beispiel sein Dashboard (Signal ist zur Zeit nur für den Desktop erhältlich), sieht er Folgendes:

Was PR-Profis über Facebooks Tool "Signal" wissen sollten

Ist ein interessantes Thema gefunden, kann man mit einem Klick darauf relevante Facebook-Posts zum Thema einsehen, zum Beispiel so:
Was PR-Profis über Facebooks Tool "Signal" wissen sollten

Alternativ kann man zu einem relevanten Instagram-Post über das Thema navigieren:
Was PR-Profis über Facebooks Tool "Signal" wissen sollten

Zwar ist die Einbettungsfunktion nicht ganz so schnell und einfach wie das Einbetten von Tweets, sie ist aber dennoch nutzerfreundlich und das einfache Durchklicken auf mehrere verschiedene Arten von relevantem visuellen und Social Content machen Signal zu einer nützlichen Plattform, die sich zu einem Standardtool für Journalisten entwickeln könnte.

Facebooks Signal bietet verschiedene Suchfunktionen, lässt das Speichern von Suchen zu und erlaubt das Kuratieren von Inhalten. All das ist ein Vorteil gegenüber den Trends oder Suchen auf Twitter. Dazu sollte man erwähnen, dass Twitter über ein ähnliches Tool für Journalisten namens Curator verfügt, das allerdings weniger robust zu sein scheint.

Signal hilft Journalisten nicht nur dabei, soziale Medien in ihre Berichterstattung zu integrieren, sondern einige seiner Funktionen können auch selbst zur Story werden. So brachte zum Beispiel Brady Dale im Observer einen Beitrag über die wachsende Beliebtheit von Carly Fiorina nach einer Präsidentschaftsdebatte.

Zu guter Letzt ist auch wichtig: Signal zeigt nicht die Trends an, die einzelne Nutzer auf Facebook sehen (diese wären oft nicht so relevant wie Twitter-Trends). Das Tool wird aus drei Richtungen gespeist: Zum einen von Facebooks Media Solutions, zum anderen von der Nachrichtenagentur Storyful und zuletzt von der Trendtracking-Agentur Crowdtangle. Die Zusammenarbeit dieser drei Organe macht Signal zu einem starken Tool (zumal Crowdtangle mehrere Social Media-Plattformen für die Ermittlung seiner Trends nutzt, darunter auch Twitter).

Was bedeutet das für die PR?

Was PR-Profis über Facebooks Tool "Signal" wissen sollten

Signal scheint also eine gute Ressource für Journalisten zu sein, aber was ist seine Bedeutung für die PR-Industrie?

Einige Autoren haben angedeutet, dass Signal Unternehmen dazu bewegen könnte, bei der Planung und Publizierung von Content besonders strategisch vorzugehen. Das mag ein guter Rat für solche Marken sein, die regelmäßig in den Twitter-Trends erscheinen (also sehr große Marken mit sehr beliebtem Content), für alle Anderen aber kann Signal zumindest ein gutes Tool sein, um mit bestimmten Journalisten besser in Kontakt zu treten.

Drei Dinge sollten PR-Profis tun, um Signal zu ihrem Vorteil zu nutzen:

  • Journalisten identifizieren, die Signal nutzen
  • Selbst auf Signal zugreifen oder zumindest seine Funktionen verstehen
  • Möglichkeiten finden, Signals Merkmale zum Vorteil von Journalisten zu nutzen

Schauen wir uns jeden dieser Schritte genauer an.

Woran erkenne ich, ob ein Journalist Signal nutzt?

Journalisten, die Signal nutzen, sind oft schon an einigen Merkmalen ihres Contents erkennbar:

Nutzt ein Journalist Signal, wird er wahrscheinlich außergewöhnlich viele Facebook- und Instagram-Posts in seinen digitalen Content einbetten (zumindest im Verhältnis zu anderem Content auf der selben Webseite). Einfaches Einbetten ist eine der wichtigsten Funktionen von Signal und wird sicherlich von Journalisten, die das Tool verwenden, regelmäßig genutzt.

Vielleicht nutzen sie auch ein anderes Facebook-Tool: Mentions. Mentions war zuvor nur für Promis verfügbar, mittlerweile können auch Journalisten mit verifizierten Accounts Live-Streams auf Facebook teilen und explizit an Follower senden (das so entstandene Distributionsmodell ähnelt dem von Twitter). Journalisten, die Signal nutzen, kennen sich wahrscheinlich auch besser mit anderen Facebook-Tools aus. Angesichts der Tatsache, dass beide Tools zeitlich eng beieinander lanciert wurden, möchte Facebook wohl Mentions und Signal als komplementäre Angebote bewerben.

Madolyn Smith von Data-Drive Journalism merkt an, dass Journalisten, die Signal benutzen, unter Umständen nicht viel über Programmierung wissen, da technisch versiertere Journalisten Trends und wichtige Nachrichten andernorts nachverfolgen.

Wie bekomme ich Signal?

Zugriff auf Signal zu erhalten ist recht einfach. Journalisten fragen einen Zugang über diesen Link an, werden überprüft und erhalten (im Idealfall) Zugriff auf das Tool. Viele Autoren von Content hätten bestimmt gute Argumente, ebenfalls Signal nutzen zu dürfen, es ist aber noch nicht ganz klar, nach welchen Kriterien genau die Erlaubnis, Signal zu nutzen, vergeben wird.

Wenn Sie nicht auf Signal zugreifen können, verzagen Sie nicht. Es ist unwahrscheinlich, dass wichtige Trends nur auf Facebook besprochen werden. Außerdem nutzt die Crowdtangle-API viele verschiedene soziale Medien, um Trends zu identifizieren. Auch ohne Signal finden Sie ähnliche Trends also sicher woanders, wenn auch vielleicht mit leichter Verspätung – zum Beispiel auf Twitter.

Wie können PR-Profis Signal nutzen?Was PR-Profis über Facebooks Tool "Signal" wissen sollten

Wenn Sie das Thema kennen, über das ein Journalist publiziert, und wie er arbeitet, bauen Sie eine gute Beziehung zu ihm auf und werden für ihn zur verlässlichen Quelle. Exklusive Erkenntnisse und Daten zu einem Trend-Thema auf Signal oder auch relevante Interviews anzubieten sind nur einige gute Möglichkeiten dazu.

Was Sie zu Signal in jedem Fall beachten sollten ist, dass sein größter Vorteil für Journalisten in der Aktualität der angezeigten Trends liegt. Als PR-Profi müssen Sie daher schnell handeln und Taktiken entwickeln, die eine schnelle Reaktion auf eine Story ermöglichen. Eine gut durchdachte Pressemitteilung wird wahrscheinlich nicht schnell genug sein, um für Storys, die auf Signal aktuell sind, relevant zu bleiben.

Fazit

Facebook versucht, seine Größe und seine Partnerschaften zu nutzen, um Einblicke in Social News zu liefern, die in dieser Form sonst mit Twitter assoziiert werden. Es bleibt abzuwarten, ob Signal bei Journalisten großen Anklang finden wird, in jedem Fall ist es aber eine fundierte, nutzerfreundliche Plattform, die zur Recherche potentiell sehr nützlich sein kann.

Für PR-Profis ist es wichtig zu verstehen, was Signal ist, wie es Journalisten helfen kann und wie die Trend-Themen und Aktualität von Signal genutzt werden können, um sich als gute Quelle für Journalisten zu etablieren.

Tweets einzubetten ist so einfach, dass einige News-Storys mittlerweile nur aus wenigen Sätzen bestehen, die mit Tweets von berühmten Nutzern oder Meinungsmachern kombiniert werden. Facebook will offensichtlich mit seinem neuen Tool Journalisten dazu motivieren, Facebook auf die gleiche Art zu nutzen, was wiederum für mehr Engagement sorgen dürfte. – Mathew Ingram, Fortune