„Ich habe drei Kinder im Alter von 21, 19 und 16 Jahren, die Snapchat für alles nutzen, auch um Textnachrichten zu versenden. SMS und E-Mails sind für sie schon altmodisch. Wir schicken uns mehr als 100 Snaps am Tag zu. So habe ich sie bei mir, auch wenn sie weit weg studieren oder bei ihrem Vater sind.“ – Leah Fein-Roque, Public Relations Manager, SociallyFein

Kürzlich holten unsere Kollegen die Meinungen einer repräsentativen Anzahl an PR- und Marketing-Spezialisten zum Thema Snapchat ein. Die Reaktionen pendelten meist zwischen „Ich benutze es nicht“ und „Ich weiß nicht viel darüber“. Manch einer empfindet Snapchat immer noch als “Sexting”-App, Andere behaupten, es sei überflüssig im Vergleich zu bereits länger etablierten sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Twitter. Einige erwähnten in dem Zusammenhang, dass Facebook die Darstellung von Bildern in Anlehnung an Snapchat verändert habe.

Diese Denkweise über Snapchat ist mittlerweile veraltet. Snapchat hat mehr als 100 Millionen täglich aktive Nutzer, die meisten davon sind Millenials oder aus der Generation Z und nur sehr wenige gehören anderen Altersgruppen an. Mehr noch, die Snapchat-Kultur hat Social Media-Content weit über die oberflächlicheren Veränderungen bei Facebook hinaus wesentlich geprägt. Insgesamt 100 Millionen Nutzer kommunizieren auf einer Plattform, über die viele Kommunikationsprofis noch nicht viel wissen. Dieses Potential gilt es zu nutzen.

Dieser Post soll die Grundlagen von Snapchat neu vorstellen, einige Fakten zur Demographie und Funktionsweise nennen und der Frage nachgehen, wie Marken Snapchat zur Kommunikation verwenden.

Wer nutzt Snapchat?

„Snapchat ist als generationsspezifische Plattform ideal für die Einführung von beliebten oder auch neuen Produkten. Vor allem geeignet ist es für Marketer, die selbst Millenials sind und die schnellebige, medienaffine Generation Z oder andere Millenials ansprechen können.“ – Esta Singer, Principal, s.h.e CONSULTING

Snapchat erreicht meist 18- bis 24-jährige Nutzer. Da die Plattform ohnehin zu Beginn bei Studenten beliebt wurde, ist das nicht weiter verwunderlich. Nichtsdestotrotz ist die Marktdurchdringung in der jungen Generation ausgesprochen hoch und steigt stetig an.

5 Dinge, die Sie über Snapchat wissen sollten

Fein-Roque verdeutlicht im oben genannten Zitat, dass Snapchat längst nicht nur unter Studenten beliebt ist, sondern auch zunehmend Bedeutung für Teenager hat. Laut einer Pew Research-Studie gehört Snapchat zu den drei wichtigsten Social Media-Plattformen für Teenager:

5 Dinge, die Sie über Snapchat wissen sollten

Interessant ist auch die Verteilung der Geschlechter auf Snapchat. Die App wurde oftmals als “Sexting”-App abgetan, woraufhin Viele einen Trend hin zu männlichen Nutzern vermuteten. In Wirklichkeit sind 70% der Snapchat-Nutzer weiblich und 30% männlich.

Wie funktioniert Snapchat?


Snapchat ist weitaus mehr als nur eine Messaging-App mit sich selbst löschenden Fotos. Es lässt sich vielleicht besser als mobiles Ökosystem beschreiben. Die Hauptfunktionen der App sind:

  • Sich selbst löschende Fotos und Videos (die wohl bekannteste Snapchat-Funktion)
  • Schreib- und Zeichenfunktionen auf den Fotos
  • One-to-Many-Video-Montagen (“Stories”)
  • Text- und Videochat
  • Geldüberweisung über “Snapcash” (derzeit nur in den USA verfügbar)
  • Sponsored und Branded Content (“Discovery”)

Snapchat lässt sich also für weitaus mehr als nur für das Versenden von Bildern verwenden. Für Marken und Kommunikationsfachleute bietet sich die Möglichkeit, eine Community aufzubauen, Content zu verbreiten und auf verschiedene Weisen mit Zielgruppen zu interagieren.

Selbst für Nutzer, die nicht selbst Snaps versenden oder Storys posten, bietet die App eine Menge nützlichen und unterhaltsamen Content.

Was ist das Besondere am Content auf Snapchat?

Unternehmen und Marken waren schon lange vor der Einführung von “Discovery” auf Snapchat präsent. Was aber “Discovery” besonders attraktiv macht ist, dass es relativ unkompliziert Einblicke in die Content-Kultur Snapchats ermöglicht. (Außerdem spielt die Funktion voraussichtlich 50 Millionen Dollar in 2015 ein.)

Kurz gesagt geht es bei Snapchat-Content um Exklusivität:

  • Schaut man bei Live-Events zu, erhält man keine fertig geschnittene und produzierte Nachrichtenmeldung, sondern einen quasi unbearbeiteten Rundumblick aus diversen Perspektiven – zum Beispiel Taylor Swift auf dem roten Teppich, backstage über ein Mobiltelefon fotografiert, oder ein Sportevent, das von verschiedenen Orten im Stadion aus festgehalten wird.
  • Auf “Discovery” findet sich Content in Kurzform, der speziell für Snapchat entworfen wurde.
  • Snaps werden häufig mit kurzen Texten oder einfachen Zeichnungen versehen, wodurch die Bilder oft ungeschliffen und manchmal authentischer wirken.

Es ist wichtig, zu verstehen, dass Content auf Snapchat anders ist als auf anderen Plattformen. Die Snapchat-Kultur dreht sich um das Unfertige, eine gewisse Ungeschliffenheit, die in anderen sozialen Netzwerken ungewöhnlich wäre. Sie ist dynamisch und schnelllebig. Die folgende Snapchat-Story von Apple Music verdeutlich dies:

Wie können Unternehmen Snapchat-Content nutzen?

Viele Marken experimentieren noch mit Snapchat. Es gibt keine Möglichkeit, direkt auf eine Website zu verlinken oder aus einem Snapchat-Nutzer einen E-Mail-Abonnenten oder E-Commerce-Kunden zu machen. Snapchat konzentriert sich auf die Nutzererfahrung und Unternehmen müssen sich auf rudimentäre Metriken oder Taktiken wie Gutschein- und Rabatt-Codes verlassen, um den ROI ihrer Snapchat-Präsenz zu messen. Der Snapchat-Gründer Evan Spiegel spielte dieses Jahr in Cannes auf dieses Verhältnis zwischen Nutzerzentrierung und Werbung an: “Ich liebe es, wenn Werbung in den Kontext unserer Story passt.”

Wie sieht die Zukunft von Snapchat aus?

“Die wichtigste Frage für Snapchat ist, wie sich der Kern der Nutzer mit der Zeit verändern wird, welche neuen Funktionen eingeführt werden, wie sich das Wachstum der Nutzerzahlen entwickeln wird und welcher Demographie diese Nutzer angehören.” – Elissa Nauful, President/CEO BallywhoSocial

Spiegel teilte zu Beginn des Jahres mit, dass er Snapchat gerne an die Börse bringen würde. Dadurch stünde Snapchat unter hohem Druck, seine Werbeangebote zu erweitern und seine Reichweite zu erhöhen.

Nauful ahnt im erwähnten Zitat, was auf das soziale Netzwerk zukommt: Snapchat wird sich für Marketer schon in naher Zukunft verändern. Ob es sich in eine ähnliche Richtung entwickelt wie Facebook, bleibt abzuwarten, aber die Veränderung wird Einfluss auf die Nutzererfahrung haben. Werden aber Millenials und Teenager Snapchat treu bleiben, wenn ihre Eltern und Großeltern anfangen, ihnen Snaps zu senden?

Auch wenn nicht ganz eindeutig ist, wie die Zukunft von Snapchat aussieht, ist der aktuelle Erfolg der App nicht zu unterschätzen. Snapchat hat sich unter den sozialen Medien als wichtiger Player etabliert.

Fazit

Marketing- und PR-Profis, die sich nicht mit Snapchat beschäftigen, verpassen eine wichtige Gelegenheit, mit ihrer Botschaft Jugendliche zu erreichen. Snapchat ist ein vielseitiges Tool, das eine ganz eigene Kommunikationsmöglichkeit über mobile Geräte bietet. Die Nutzer der App sind tendentiell jung und weiblich und Snapchat-Content unterscheidet sich qualitativ von Content in anderen sozialen Medien.

Für Kommunikatoren ist Snapchat in jedem Fall von Bedeutung und es ist wichtig, die Plattform zu verstehen, auch wenn man sich schließlich dagegen entscheiden sollte, sie zu nutzen.
“Snapchat bietet für Marken einen großartigen Zugang zu jungen Zielgruppen und es fühlt sich mittlerweile wirklich einzigartig an, wie eine tiefergehende Version von Instagram.” – Anonymer Werbefachmann im Gespräch mit Business Insider

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