“Aufgrund der Professionalisierung der Bloggerszene werden Blogger mehr wertgeschätzt” – Interview mit dem Väterblog Zwillingswelten

"Aufgrund der Professionalisierung der Bloggerszene werden Blogger mehr wertgeschätzt" - Interview mit dem Väterblog Zwillingswelten

In den letzten Jahren ist die Bloggerszene um Mütter stetig gewachsen. Wir sprachen bereits mit Frau Mutter, Mama arbeitet und Hauptstadtmutti. Auch Väter greifen zur Tastatur und geben ihre Erfahrungen weiter. Einer dieser Väter-Blogger ist Sven Trautwein mit seinem Blog Zwillingswelten, das in unserem Väterblog-Ranking nach Facebook-Likes den 6. Platz belegte. Zum Start der neuen Interviewserie „Väter-Blogger“ sprachen wir mit Trautwein über gelungene Kooperationen, Trends in der Blogger-Szene und seine Nutzung von sozialen Medien.

Was macht Ihr Blog besonders?

"Aufgrund der Professionalisierung der Bloggerszene werden Blogger mehr wertgeschätzt" - Interview mit dem Väterblog ZwillingsweltenMein Blog entstand 2008, als ich Vater von Zwillingen wurde, daher auch der Name Zwillingswelten. Zunächst war das Blog nur als Informationsquelle für unsere Verwandten gedacht, da sie zu weit weg wohnten. Doch im Laufe der Zeit kamen immer mehr Eltern mit Fragen an und das Blog entwickelte sich zu einer Anlaufstelle. Auf meinem Blog berichte ich über den Alltag mit Zwillingen. Aktuell schreibe ich viel zum Thema Grundschule und gebe meine persönlichen Erfahrungen weiter. Meinen Blog bezeichne ich auch gerne als Gemischtwarenladen.

Welche Neuerungen haben Sie kürzlich in Ihrem Blog eingeführt?

Zum einen wurde die Webseite optisch aufgefrischt. Zum anderen habe ich eine interne Umfrage gestartet. Ich möchte gerne herausfinden, welche Themen und Inhalte für meine Zielgruppe besonders relevant sind. Auf die Ergebnisse bin ich schon sehr gespannt. Ansonsten erscheinen, wie bereits erwähnt, viele Artikel zum Thema Grundschule, da meine Kinder jetzt in dem Alter sind.

Wie messen Sie den Erfolg Ihres Blogs?

Grundsätzlich orientiere ich mich dabei an mehreren Faktoren. Dabei nutze ich unterschiedliche Tools wie Google Analystics, um bestimmte Werte wie Besucherzahlen herauszufinden. Seit geraumer Zeit spielen auch die sozialen Aktivitäten auf Facebook und Twitter verstärkt eine Rolle in meiner Analyse. Außerdem versuche ich in relevanten Netzwerken Dialoge mit anderen Usern zu starten.

Wie nutzen Sie soziale Medien?

Die Nutzung von sozialen Medien ist ein ganz entscheidender Faktor. An erster Stelle steht bei mir Instagram. Mit Hilfe des Online-Dienstes lassen sich wunderbar Bildergeschichten transportieren und hier steckt meiner Meinung nach noch viel Potential. Ansonsten verwende ich noch Twitter und Facebook. Google+ hatte ich auch getestet, aber keinen so großen Rücklauf wie bei den anderen Netzwerken erhalten.

Haben Sie ein Lieblingsblog?

Ich schaue und lese gerne querbeet durch die Blog-Landschaft. Zu meinen persönlichen Favoriten gehören das Blog Familienbetrieb mit seinen humorvollen Geschichten. Ansonsten lese ich gerne die Artikel bei Herzdamengeschichten und Das Nuf. Hin und wieder schaue ich bei Blogs von Zwillingseltern vorbei.

Auf welches Erfolgserlebnis mit Ihrem Blog sind Sie besonders stolz?

Das war im vergangenen Jahr. Ich durfte auf der re:publica 2014 ein Panel halten. Thema war: Väter-Blogs als Nische.

Nutzen Sie Ihr Blog für Kooperationen?

"Aufgrund der Professionalisierung der Bloggerszene werden Blogger mehr wertgeschätzt" - Interview mit dem Väterblog ZwillingsweltenIch biete verschiedene Arten von Kooperationen an. Dazu zählen sowohl Gewinnspiele als auch Advertorials in Verbindung mit Videos. Wie lang eine Kooperation letztendlich dauert, hängt immer vom zu testenden Produkt ab. Mir ist allerdings wichtig, dass alle Beiträge gekennzeichnet sind und den Google-Richtlinien entsprechen.

Zunächst war das Bloggen rein privater Natur und sollte in erster Linie als Informationsquelle für unsere Verwandten dienen. 2010 kamen dann die ersten Anfragen zu möglichen Kooperationen, die allerdings auch sehr gemischt waren. Ich habe dann für mich entschieden, dass ich solche Anfragen nur annehme, wenn diese auch zu 100% zu meinem Blog passen.

Welche Best-Practice-Tipps haben Sie für PR-Profis, die mit einem Blogger zusammenarbeiten möchten?

Unternehmen oder Agenturen sollten die Person hinter dem Blog anschauen und eine Beziehung zum Blogger aufbauen. Beide Kooperationspartner sollten auf Augenhöhe agieren und respektvoll miteinander umgehen. Ein wichtiger Punkt ist meiner Meinung nach, dass man offen für Gegenvorschläge und andere Ideen sein sollte. Eine korrekte Anrede ist ebenfalls unerlässlich.

Woran scheitern Kooperationen?

Das liegt zum einen daran, dass Unternehmen dem Blogger ein vollkommen falsches Produkt zuschicken bzw. zum Test anbieten. Zum anderen haben beide Seiten oftmals falsche Preisvorstellungen und Blogger werden mit einer geringfügigen Bezahlung abgespeist.

Welche erfolgreichen Kooperationen haben Sie bereits mit Marken durchgeführt?

Eine sehr gute Zusammenarbeit hatte ich mit dem Unternehmen Pampers. Von Beginn an haben sich beide Parteien verstanden und die Kommunikation hat einfach gepasst. Am Ende ist daraus eine sehr interessante Geschichte entstanden. Weiter sehr gute Erfahrungen hatte ich mit Philips und Lego. Hier hat man gemerkt, dass man sich mit dem Produkt und dem dazugehörigen Blog beschäftigt hat.

Gibt es Ihrer Meinung nach noch ehrliche Produktbewertungen?

Gegenfrage: Gab es die jemals? Meiner Meinung nach ist kein Produkt zu 100% positiv bewertbar. Deswegen sollten Produktbewertungen immer kritische Punkte beinhalten. Allerdings muss man aufpassen, einen Artikel nicht zu kritisch zu bewerten. Auf der anderen Seite ist ein Blog unglaubwürdig und nicht authentisch, wenn es ausschließlich positive Bewertungen macht. Für mich ist entscheidend, dass der getestete Artikel immer zum Blog und zur Altersgruppe passt.

Gibt es einen Konflikt zwischen traditionellen und neuen Medien wie Blogs und wie sehen Sie diese Entwicklung?

Für mich ist der Konflikt nachvollziehbar. Blogger sind flexibler und können schneller die Richtung wechseln, was eine Schwierigkeit bei traditionellen Medien ist. Vielleicht müssen sich klassische Medien diesbezüglich neu erfinden. Auffallend ist, dass Blogger noch immer eine geringere Wertschätzung als klassische Journalisten erhalten. Aber bedingt durch die zunehmende Professionalisierung der Bloggerszene ist meiner Meinung nach eine positive Entwicklung zu verzeichnen.

Welche Trends sehen Sie gerade in der Daddybloggerszene?

Ein ganz großes Thema sind zur Zeit die Sommerferien.

Unter Reisebloggern gibt es Reisetreffs und –events (z.B. das Kölner Reiseblogger-Treffen). Gibt es so etwas auch bei Väterbloggern?

Im südländischen Raum gibt es solche Treffs eher nicht. Diese finden meist in den großen Bloggerstädten Berlin, Hamburg und Köln statt.

Vielen Dank an Herrn Trautwein für das interessante Gespräch!

Vernetzen Sie sich mit Sven Trautwein auf Facebook und Twitter.