“Blogger sind kein Sprachrohr der Industrie” – Interview mit NIEDblog.de

"Blogger sind kein Sprachrohr der Industrie" - Interview mit NIEDblog.de

Cision setzt die Reihe an Interviews mit Deutschlands führenden Reisebloggern fort – heute sprechen wir mit Frau Sandra Friedl und Herrn Alex Mirschel vom Romantikreisen und Pärchenurlaub Blog NIEDblog.de.

Seit 2010 arbeiten die ehemalige Flugbegleiterin Frau Friedl und der Diplom-Verwaltungswirt und Dozent Herr Mirschel gemeinsam daran, NIEDblog.de zu einem der populärsten Blogs für Romantikreisen und Pärchenurlaub zu machen. Ab Juni 2013 geht es für das dann frisch verheiratete Paar für 10 Monate rund um den Erdball, auf der Suche nach den schönsten und romantischsten Reisezielen der Welt. Hier im Interview hat sich Alex unseren Fragen gestellt.

NiEDBlog.de

Wie seid Ihr in der Tourismus-Industrie gelandet und wie habt Ihr die Reichweite Eures Blogs aufgebaut?

Der Blogname verrät ja bereits, dass die Ausrichtung auf den Reisebereich nicht von langer Hand geplant war. NIED ist nämlich mein Geburtsort, ein kleiner Stadtteil im Westen Frankfurts und um genau diesen ging es zunächst auch Anfang 2010 auf NIEDblog.de. Lokale Geschehnisse standen im Vordergrund und die Besucherströme waren damit zunächst sehr überschaubar. Als ich eines Tages über einen Aktionsflug des brandneuen A380 berichtete und dort auch noch Zutritt ins Cockpit bekam, hat sich dies schlagartig geändert: Die Besucherzahlen explodierten förmlich. Schnell war klar: Ich bin schon immer gerne und viel gereist, warum also nicht andere an meinen oft skurrilen Erlebnissen teilhaben lassen? Von da an ging alles sehr schnell und gewissermaßen wurde NIEDblog zum Selbstläufer. Einen richtigen Push gab es dann noch mal durch ein großes Reise-Gewinnspiel, bei dem ich mit kreativen Aufgaben die Leserschaft zum Mitmachen aufgefordert habe. Ehe ich mich versah, waren die Besucher- und Fanzahlen auf einem Niveau, mit dem ich vorher nie gerechnet hatte. Quasi über Nacht bin ich zum Reiseblogger geworden und meine Besucher waren nicht mehr länger die eigenen Eltern oder der Nachbar von nebenan. Ganz zaghaft entwickelten sich die ersten Kontaktversuche mit der Industrie; von Blogtrips und Social Media Kampagnen war man 2010 in Deutschland allerdings noch weit entfernt. Ich machte also weiter, nutzte meine privaten Reisen als Quelle neuer Geschichten und mischte die „Leerlaufzeiten“ mit persönlichen Ereignissen aus meinem Leben.

Warum die Spezialisierung auf Romantikreisen?

Ich wollte, dass unsere Besucher wissen, was sie auf NIEDblog.de erwartet. Im Marketing würde man es USP nennen, ein Alleinstellungsmerkmal mit Wiedererkennungswert. Da ich schon immer gemeinsam mit meiner Partnerin Sandra unterwegs war und wir bei Reisen auch grundsätzlich ähnliche Vorstellungen und Ansprüche haben, kam die Idee, unsere eigene Leidenschaft in den Fokus zu stellen: außergewöhnliche, romantische Reise-Erlebnisse für Paare. Das muss nicht nur der schnulzige Sonnenuntergang am Traumstrand sein (kann es aber!), sondern reicht von der luxuriösen Safari-Lodge in Afrika bis zum einfachen Camping-Abenteuer in Neuseeland. Und manchmal liegt das Schöne ja auch ganz nah. Dieses Konzept, das können wir schon heute sagen, ging voll auf: unsere Besucherzahlen sind weiter gestiegen und wir haben zahlreiche positive Rückmeldungen bekommen. Auch die Anfragen für Kooperationen sind nochmals deutlich angestiegen; insgesamt sind wir sehr zufrieden mit diesem Schritt.

Nach welchen Kriterien wählt Ihr die Orte aus, über die Ihr berichtet?

Mit unserem Fokus auf Paar-Reisen und Romantikurlaub fragen wir uns in erster Linie, ob das Reiseziel für uns selbst interessant sein könnte. Denn als Blogger – mit denen sich die Leser ja auch identifizieren – sind die subjektiven Erfahrungen weitaus wichtiger, als dies bei einem Printjournalisten der Fall ist. Uns kommt es darauf an, dass das Reiseziel selbst einen gewissen Wiedererkennungswert hat – eine Seele, die man entdecken und seinen Lesern transportieren kann. Ganz grundsätzlich ist es uns daher wichtig, dass wir Gelegenheit haben, das Zielgebiet eigenständig zu erkunden und die Stimmung „aufzusaugen“. Oftmals ist es aber eine Bauchentscheidung, die von Emotionen und Sehnsüchten gelenkt wird. Der Reiz des Unbekannten spielt dabei eine große Rolle, aber auch „altbekannte“ Destinationen kann man durch einen bestimmten Fokus völlig neu erleben.

Was gefällt Euch am Bloggen über das Thema Tourismus / Reise?

Da kann ich direkt bei der letzten Antwort anknüpfen, denn ebenjene Emotionen und Sehnsüchte sind es, die das Bloggen über Reisethemen so aufregend machen. Eigene Erlebnisse zu teilen und damit anderen, oft wildfremden Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, ist ein großartiges Gefühl. Wie viele Leserbriefe schaffen es im Nachgang in die Zeitung, um dem Redakteur wissen zu lassen, ob sein Artikel auch nur im Ansatz jemanden interessiert hat? Das ist bei uns grundlegend anders: Da kann schnell mal eine richtige Diskussion auf Facebook, Twitter oder in den Blog-Kommentaren ausbrechen und häufig bringen sich auch andere Vielreisende mit neuen Ansätzen in die virtuellen Gespräche ein. Daher ist es auch so wichtig, als Blogger auf den sozialen Plattformen aktiv zu sein, um das direkte Feedback auf seine Artikel aufzunehmen. Wenn man dann teils Monate später erfährt „Hey, euer Tipp in Südafrika war wirklich der Wahnsinn“, dann sind das die wirklich schönen Momente als Reiseblogger. Und ganz nebenbei ist es unsere eigene große Leidenschaft, der wir bei unseren Reisen nachgehen: wir entdecken gemeinsam die Welt!

Was haltet Ihr von der ITB in Berlin?

Für mich war es 2013 die ITB Premiere, während Sandra bereits in ihrem früheren Berufsleben in anderer Rolle Messeluft schnuppern durfte. Wir haben gemeinsam einen echten Termin-Marathon erlebt, viele Inspirationen gewonnen und unzählige tolle Menschen kennengelernt. Allein der Austausch mit anderen Bloggern in der Offline-Welt ist Gold wert, aber natürlich ist die ITB auch eine tolle Gelegenheit, mit Destinationen und Unternehmen über zukünftige Reiseprojekte zu sprechen und mögliche Kooperationen auf den Weg zu bringen. Das Fazit kann daher nur lauten: wohl dem, der in Berlin dabei war! Auch wenn uns Freitag Abend Füße und Köpfe gequalmt haben und die Nachbereitung wohl noch einige Wochen beanspruchen wird, war es für uns insgesamt eine absolut erfolgreiche ITB!

Was sind die aktuellen Trends in der Tourismus-Industrie?

„eTravel“ ist sicherlich ein Trend und das geht weit darüber hinaus, eine lieblose Webseite zu betreiben oder eine Facebook-Seite zu betreiben, nur weil es die Konkurrenz ebenfalls tut. Die Aufgabe wird in Zukunft sein, die Menschen digital durch ihr Reiseleben zu begleiten und ihnen die nötigen Informationen zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt bereitstellen zu können. Nicht nur die Inspiration und Entscheidungsfindung für ein Reiseziel findet vermehrt im Web statt, sondern eine zunehmende Zahl der Urlauber möchte auch während der Reise mobil online sein. Wo gibt es morgen einen lokalen Markt in der Nähe? Wie viel kostet das Busticket ins nächste Dorf? Welche Ausflugstouren gibt es genau jetzt in der Umgebung? Hierfür werden die sozialen Medien und mobile Apps wichtiger denn je! Ein wesentliches Trendthema dabei sind wir Blogger natürlich selbst. Einmal von Seiten der Industrie: Jeder möchte auf den Zug aufspringen und ausloten, welche neuen Möglichkeiten und Chancen sich durch eine Zusammenarbeit ergeben. Andererseits natürlich auch branchenintern, denn fast stündlich sprießen neue „Reiseblogs“ aus dem Boden und buhlen um Aufmerksamkeit. Ich meine das gar nicht negativ, es macht ja gerade den Reiz der Blogosphäre aus, dass jeder daran teilhaben darf. Dennoch wird sich mit der Zeit die Spreu vom Weizen trennen; davon bin ich überzeugt. Diese „emotionale Selektion“ spüren Reiseveranstalter zum Beispiel längst: wer heute nicht individuelle und damit wiedererkennbare Produkte am Markt platziert, ist genauso austauschbar wie seine Reiseangebote selbst. Daher sehe ich den Fokus auf maßgeschneiderte Reise-Erlebnisse ebenfalls als wichtigen, aktuellen Trend in der Tourismus-Industrie.

Welche Tipps habt Ihr für PR-Profis, die mit Euch in Kontakt treten wollen?

Das Wichtigste ist Individualität und Respekt. Das beginnt bei einer persönlichen Ansprache (bitte nicht „Lieber Blogger“) und dem Umstand, sich vor einer Kontaktaufnahme erstmal einige Minuten auch tatsächlich mit unserem Reiseblog auseinander zu setzen. Zudem sollten sich potenzielle Kooperationspartner bewusst machen, dass sich Blogger vor allem durch Authentizität und Glaubwürdigkeit auszeichnen und deshalb nicht als simples Sprachrohr der Industrie dienen können. Wenn diese Grundregeln beachtet werden, stehen wir für einen ehrlichen Dialog gerne bereit. Es sollten bereits frühzeitig Ziele, Wünsche, aber auch Grenzen einer Zusammenarbeit abgesprochen werden. Bei uns kommt es zum Beispiel nicht in Frage, dass wir eine Unterstützung im Artikel einfach verschweigen oder werbliche Bloginhalte nicht als solche kennzeichnen. Im Hinblick auf die o.g. Glaubwürdigkeit ist das ein wichtiges Thema, von dem letztlich alle Beteiligten profitieren. Unter das Themenfeld „Individualität“ fällt für uns noch ein weiterer Aspekt, nämlich die Programmgestaltung bei möglichen Recherche-Reisen. Um spannende, individuelle Geschichten zu liefern, die wirklich zum Blog passen, müssen entsprechende Freiräume und Möglichkeiten offen gelassen werden. Wer meint, Blogger für ein von morgens bis abends durchgeplantes Fertigprodukt begeistern zu können, schießt am Ziel vorbei. Sicherlich werden sich immer einige „Hobby-Blogger“ finden, die mit großer Freude wahllos einen gesponserten Urlaub annehmen, aber mit Professionalität hat das herzlich wenig zu tun. Wir sind daher absolute Befürworter individueller Kooperationen, bei denen wir selbst maßgeblich an der Programmgestaltung mitwirken können oder – im besten Fall – sogar freie Hand haben. Dies sollte auch – oder erst recht – bei Gruppenreisen beachtet werden. Natürlich können mehrere Blogger zur selben Zeit in der selben Region einen beachtlichen „Social Media Buzz“ auslösen, aber für die Qualität des Outputs ist es dann umso wichtiger, die Aktivitäten vor Ort zu splitten und individuell abzusprechen!

Verrätst Du uns noch ein paar Details Eurer anstehenden Weltreise?

Sandra und ich werden am 01. Juni 2013 heiraten [Cision sagt: Herzlichen Glückwunsch – 🙂 – !!!] und unmittelbar danach beginnt unser großes Abenteuer. Die zahllosen Impfungen haben wir schon hinter uns und einige Möbel sind bereits verkauft, nun folgen unsere beiden Autos. Mit der Idee, völlig aus dem Alltag auszubrechen, Jobs und Wohnung zu kündigen und jegliche Sicherheiten über Bord zu werfen, sind wir zunächst natürlich nicht nur auf Begeisterungsstürme gestoßen. Mittlerweile freuen sich aber Freunde, Verwandte und Kollegen allesamt mit uns und wir selbst können es kaum erwarten, dass es endlich losgeht. Wir haben die Reise noch nicht bis ins letzte Detail geplant, das wäre auch nicht das, was wir wollen. Grundsätzlich sind 9 bis 12 Monate vorgesehen und wir werden natürlich ausgiebig auf NIEDblog.de berichten. Da es ja auch unsere ganz persönlichen, ausgedehnten Flitterwochen sind, möchten wir die Reise unter das Motto „Die romantischsten Reiseziele der Welt“ stellen und arbeiten parallel an einem Buchprojekt. Wer glaubt, dass seine Destination oder sein Unternehmen da prädestiniert für sei, darf sich gerne bei uns melden – vielleicht können wir das Zielgebiet ja im Rahmen unserer Route einbauen. Soviel kann ich schon mal verraten: Wir starten von Frankreich aus in die Karibik, hüpfen über drei Inseln nach Florida und weiter nach Panama. Selbstverständlich wird aber auch Afrika, Asien, Australien und Co im weiteren Verlauf nicht fehlen!

Wir bedanken uns herzlich bei Frau Friedl & Herrn Mirschel für das Gespräch und wünschen alles Gute für die Weltreise und weiterhin viel Erfolg mit NIEDblog.de!

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