Cision meets…David Löh, Redakteur für die deutsche Fachzeitschrift PLASTVERARBEITER

Cision meets...David Löh, Redakteur für die deutsche Fachzeitschrift PLASTVERARBEITER

Cision meets…
Cision trifft sich mit führenden Journalisten, die über ihre alltäglichen Arbeitserfahrungen mit PR-Profis sprechen. Heute unterhalten wir uns mit David Löh von PLASTVERARBEITER.

Wie sind Sie zu Ihrer Position als Redakteur für den PLASTVERARBEITER gekommen? Haben Sie Erfahrungen in der Plastverarbeitungbranche?

Wie viele meiner Kollegen bin auch ich auf Umwegen Fachjournalist geworden: Neben meinem sozial-­ und geisteswissenschaftlichen Studium habe ich mich immer für Technikthemen interessiert. Darum habe ich mich dann auch für ein Volontariat bei der Fachzeitschrift IEE beworben. Das Themengebiet dieser Schwesterzeitschrift des PLASTVERARBEITERs ist die Fabrikautomatisierung. Viel Elektronik und Computer also. Ende 2012 wechselte deren Chefredakteur dann zum PLASTVERARBEITER. Anfang 2014 ging ich hinterher.

Wer ist Ihre Zielgruppe? Welche Informationen suchen Ihre Leser in der Zeitschrift?

Auf unsere Zielgruppe weist der Titel hin: Plastverarbeiter, die Hersteller von Kunststoffteilen also. Ein Großteil der Leser macht einen mehr oder weniger großen Anteil seines Geschäfts mit den Automobilherstellern. Teilweise beliefern sie die OEMs direkt, teilweise die TIER1 oder 2. Ein anderer großer Teil unserer Leser stellt medizin(techn)ische Geräte/Teile her. Ebenfalls einen erheblichen Anteil machen Verpackungshersteller aus. Dazu kommen Hersteller von allem, was Sie sich vorstellen können: Gartenmöbel, Handyschalen, Türgriffe, Fensterrahmen, optische Linsen. Fakt ist: Ohne die Produkte dieser Hersteller wären unsere Wohnungen leer. Unsere Leser suchen vor allem Informationen darüber, wie sie ihre Produktion effizienter gestalten können, also wie sie bei gleichem Aufwand den Output erhöhen. Aber auch Flexibilität spielt eine wachsende Rolle: Bei immer individuelleren Bauteilen sinken die Stückzahlen jedes Modells. Schnelles Umrüsten der Maschinen, flexibel einsetzbare Geräte usw. stehen hier im Mittelpunkt. Das Konzentrieren auf das Wichtigste ist daher essentiell. Unsere Produktberichte (Meldungen über Produktneuheiten auf einer 1/8 bis 1⁄2 Seite) werden daher viel gelesen. Bei den Fachartikeln achten wir darauf, dass sie drei Fragen beantworten: Wo ist eigentlich das Problem? Wie lässt es sich lösen? Und welchen Nutzen hat diese Lösung am Ende für den Anwender, also den Kunststoffverarbeiter, wirklich?

Wie sieht eine typische Woche in der Redaktion des PLASTVERARBEITERs aus?

Das Schöne ist, dass es keine typische Woche gibt und wenig Alltagstrott entsteht. Da der PLASTVERARBEITER ein Monatsheft ist, leben wir außerdem eher einen Vierwochenrhythmus. Mitte des Monats ist Abgabe der Druckdaten der Ausgabe, die am Ende des Monats erscheint. Bei dicken Ausgaben sind wir manchmal tagelang nur mit dem Freigeben von Artikeln beschäftigt – bei den Fakuma/K-­Ausgaben im Herbst beispielsweise. Nach dem Abgeben der Druckdaten haben wir etwa eine Woche Zeit für Dinge, die aufgrund der stressigeren Tage liegengeblieben sind. Also restliche E-Mails bearbeiten, Artikel für die kommenden Ausgaben akquirieren und so weiter. Dazwischen sind unter anderem Pressekonferenzen, Reportagereisen, Messebesuche und dann geht die Arbeit an der nächsten Ausgabe in die heiße Phase über…. Eine Konstante gibt es aber doch: Nach der Abgabe einer jeden Ausgabe findet eine längere Redaktionssitzung statt, in der wir die nächste Ausgabe grob durchsprechen. Auch wer auf welche Termine geht klären wir bei dieser Gelegenheit.

Fakuma, die Internationale Fachmesse für Kunststoffverarbeitung, hat neulich stattgefunden. Wie wichtig sind solche Veranstaltungen und welche Einblicke liefern sie?

Unermesslich wichtig. In vielfacher Hinsicht. Die Fakuma ist abgesehen von der K in Düsseldorf (die findet nur alle drei Jahre statt und ist die größte Kunststoffmesse der Welt) die wichtigste Messe der Branche. Darum konzentrieren sich die Hersteller der Kunststofftechnik und die Anwender auf diesen Termin. Das heißt: In dieser Zeit erscheinen überproportional viele Neuheiten, das Leserinteresse an unseren Inhalten steigt, das Anzeigenaufkommen ebenso. Darum sind unsere Hefte sehr dick, wofür alle Abteilungen des PLASTVERARBEITERs auf Hochtouren arbeiten. Und für die Redaktion ist die Fakuma die beste Gelegenheit im Jahr, den persönlichen Kontakt mit den Unternehmen zu pflegen. Aus Sicht der Redaktion ist das der wichtigste Aspekt der Messe – dicht gefolgt von dem Spaß daran, die Maschinen und Geräte, die wir das ganze Jahr über fast nur auf Bildern und in Texten sehen, endlich auch live und oft auch in Aktion zu erleben.

Hat der Aufstieg von Social Media und Online­-Inhalten Ihrer Meinung nach Auswirkungen auf Fachmagazine wie den PLASTVERARBEITER gehabt?

Da muss man unterscheiden: Was die sozialen Medien angeht, lautet die Antwort Nein. Wir twittern zwar von Veranstaltungen und die Anzahl der Follower steigt stetig, aber das Niveau ist so niedrig, dass es unsere eigentliche Arbeit derzeit kaum berührt. Auch der direkte Kontakt der Leser zur Redaktion findet auf diesem Weg kaum statt – Fachzeitschriftenleser schreiben ohnehin kaum Leserbriefe. Darum ist twittern zwar ein netter Service für die twitter­affinen Leser und mir macht es auch Spaß, mehr aber auch nicht. Dennoch muss man dranbleiben und die Sache beobachten. Vor zehn Jahren hat auch noch niemand eine Tageszeitung per Smartphone-App gelesen. Online sieht das schon anders aus: Das Internet fegt wie ein Orkan durch die Medienlandschaft. Und das Auge des Sturms ist noch längst nicht in Sicht. Der Internetauftritt bedeutet für uns, dass wir immer in zwei Welten denken müssen: Die Leser erwarten natürlich, dieselben Inhalte online zu finden, wie sie sie auch vom Heft gewohnt sind. Andererseits sind die Lesegewohnheiten in Print völlig anders als online. Bei Letzterem kommen SEO und die Schnelligkeit, Inhalte bereitzustellen, als wichtige Aspekte hinzu. Das erfordert ganz andere Arbeitsprozesse als ich es vorhin im Zusammenhang unserer Heftproduktion beschrieben habe. Ein Monatsrhythmus ist mit dem Internet inkompatibel. Andererseits haben wir als Monatstitel das Problem, unseren Lesern der Printausgabe natürlich aktuelle Informationen liefern zu müssen. Darauf haben die Abonnenten schließlich Anspruch. Um diese Informationen exklusiv zu halten, müssten wir die Informationen aber zurückhalten, damit sie im Extremfall nicht seit vier Wochen im Internet verfügbar sind, bevor unsere Printleser sie überhaupt zu Gesicht bekommen können. Eine Doppelstrategie, wie sie viele Tageszeitungen fahren, die ihre Artikel nachmittags frei zugänglich machen, würde bei uns darum nicht funktionieren.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Industrie?

Darüber wird ja immer gern gesprochen. Dann fallen Begriffe wie Industrie 4.0, Flexibilität, (Energie-­)Effizienz und natürlich steigende Kosten (für alles: Rohstoffe, Energie, Personal, …). Alle enthalten wichtige Aspekte. Wenn man erstens den Hype um den Begriff Industrie 4.0 außen vor lässt und zweitens akzeptiert, dass jedem Unternehmen die Kosten per Definition zu hoch sind, bleiben Flexibilität und Effizienz.

Wie können PRs Ihnen mit Inhalten helfen?

Weniger Werbung, mehr Inhalt ist hier das Motto. Auch um den Redaktionen einen direkten Draht zum Unternehmen zu organisieren, können PR-Agenturen nützlich sein. Als Vermittler sozusagen. Vielleicht auch als erster Filter, der Unnützes bzw. nicht Zielführendes von vornherein ausklammert. Das machen viele sehr gut. Andere bilden eher eine zusätzliche Engstelle, oder sie verwechseln klassische Werbung und PR.

Haben Sie Ratschläge für PRs, die Kontakt mit Journalisten aufnehmen möchten?

Nur einen, und der ist für PR­-Fachleute ebenso eine Binse wie für jeden Volontär: Sich klarmachen, welche Informationen eigentlich übermittelt werden sollen und an wen. Darauf folgt, sich zu überlegen, in welcher Situation sich der Empfänger befindet: Wartet er sehnsüchtig auf diese eine E-Mail von mir oder bekommt er jeden Tag unzählige ähnliche E­-Mails? Ansonsten freue ich mich grundsätzlich über jeden freundlichen Anruf. Davon ausgeschlossen sind Anrufe vor großen Messen, bei der ein (in der Regel sehr, sehr junger) Vertreter einer Agentur, deren Namen ich noch nie gehört habe, mir auf der Messe ein Interview zu keinem bestimmten Thema mit dem Chef eines Unternehmens vermitteln will, dessen Produkte für meine Zielgruppe nicht interessant sind. Solche Telefonate sind für beide Seiten Zeitverschwendung.

Was gefällt Ihnen am meisten an Ihrem Job?

Wie viele Punkte darf ich aufzählen? Ohne mich auf eine Rangfolge festzulegen, würde ich sagen: Die Abwechslung ist mir sehr wichtig. Das bezieht sich darauf, dass ich nicht nur im Büro sitze, sondern auf verschiedene Veranstaltungen gehe, mir die Technik vor Ort ansehe und mit den Fachleuten der Branche in persönlichen Kontakt trete. Auch die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Stellen innerhalb des PLASTVERARBEITER/Hüthig-­Teams macht mir Spaß. Diese Abwechslung ist auch inhaltlich zu sehen: Denn die technologische Bandbreite ist riesig: Spritzgießmaschinen sind sehr komplex und damit superspannend. Allein daran könnte man sich ewig abarbeiten. Dann haben wir Kunststoffe, Werkzeuge, CAD-­Systeme, Handlingroboter, Kameras zur Qualitätssicherung, ebenso Granulattrockner und so weiter. Irgendwo gibt es immer was Neues. Und dabei habe ich jetzt rein von den Geräten gesprochen. Wenn man sich in diese Technik ein wenig eingearbeitet hat, die Funktionsweise einigermaßen verstanden hat, ist es sehr spannend, ein fertiges Produkt zu sehen. Das ist auch etwas, das ich an der Kunststoffbranche sehr schätze: Man sieht ein Ergebnis des Zusammenspiels aller beteiligten Komponenten. So wird eine vermeintlich banale Türinnenverkleidung eines Autos zu einem faszinierenden Industrieprodukt.

David Löh hat mit Anna­Sophie Cottis von Cision gesprochen. Wir bedanken uns herzlich für das spannende Gespräch!

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