Cision Studie: Wozu nutzen deutsche Journalisten soziale Medien?

Welche Einflussfaktoren bestimmen den Gebrauch sozialer Medien im Arbeitsalltag deutscher Journalisten?

Der Deutschland-Report der Cision Social Journalism-Studie 2013/14 ist nun als Download verfügbar! Nach den Ergebnissen für Schweden, die USA und Großbritannien präsentieren wir Ihnen heute die Ergebnisse für Deutschland. Im ersten Teil unserer Blogpost-Reihe zeigen wir auf, für welche Aufgaben deutsche Journalisten soziale Medien beruflich einsetzen. Den vollständigen Report für Deutschland können Sie hier herunterladen.

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Nicht nur innerhalb der Unternehmen steigt der Gebrauch sozialer Medien in Deutschland immer weiter an. Auch Journalisten nutzen vermehrt Plattformen wie Facebook, Twitter und Blogs im Beruf. Doch nicht alle Aufgabenbereiche sind gleich mit dem sozialen Netz verknüpft. Deutsche Journalisten nutzen soziale Medien für eine Vielzahl von Aufgaben, und das mit immer größerem strategischen Geschick – was sie genau in den sozialen Medien tun und wie oft dies der Fall ist, hat die Cision Social Journalism-Studie herausgefunden.

Deutsche Journalisten nutzen soziale Medien am meisten zur Recherche und Veröffentlichung

Nicht nur aus traditionellen Quellen gewinnen Journalisten heute Informationen für ihre Storys. Auch soziale Medien sind ein wichtiges Tool zur Recherche. Wenn deutsche Journalisten zu Social Media greifen, tun sie dies meistens, um Informationen für ihre Arbeit zu sammeln – ganze 79% deutscher Journalisten nutzen soziale Medien zur Recherche. Ist die Story dann geschrieben, veröffentlichen und verbreiten 72% aller deutschen Journalisten diese auch über soziale Medien. Aus dem Berufsleben vieler der Befragten sind soziale Medien gar nicht mehr wegzudenken. Ausnahmslos gaben alle Rundfunkjournalisten an, das sie ihre Storys mithilfe von Social Media produzieren. Nur knapp darunter sind die Online-Journalisten, von denen 97% zu sozialen Medien greift. Aber auch in anderen Mediengattungen, zum Beispiel Zeitschriften (82%) und Zeitungen (74%) bezieht die große Mehrheit der Journalisten Social Media in Recherche und Publikation mit ein.

Wozu nuzten deutsche Journalisten soziale Medien

Soziale Medien begleiten den gesamten Arbeitsprozess von der Erstellung einer Story bis zur Medienbeobachtung

Auch andere Bereiche der journalistischen Arbeit finden Anwendung in den sozialen Medien. Journalisten nutzen Social Media zunehmend zur Pflege und zum Ausbau ihres professionellen Netzwerkes. Noch auffälliger ist der enorme Zuwachs an Journalisten, die soziale Medien zur Medienbeobachtung verwenden. So dienen Social Media für 66% der Befragten auch dazu, besser die Ergebnisse der eigenen Arbeit und die Aktivität Anderer aus der Branche nachzuvollziehen. Damit ist der gesamte Arbeitsprozess abgedeckt: Von der Recherche über die Verbreitung bis zur Analyse einer Story sind soziale Medien bei der Mehrzahl der deutschen Journalisten in jedem Arbeitsschritt vertreten. Offensichtlich wird also das vielfältige Potential von Social Media mehr und mehr ausgeschöpft – auch wenn noch viel Raum nach oben bleibt.

Journalisten verwenden immer mehr unterschiedliche Social Media-Tools

Nicht nur verschiedene Aufgaben, auch viele unterschiedliche Arten sozialer Medien kommen im journalistischen Arbeitsalltag zum Einsatz. Den Trend über die letzten drei Jahre zu beobachten ist hier besonders interessant, denn während 2011 noch deutlich soziale Netzwerke und Content Communities dominierten, verwenden Journalisten in Deutschland jetzt eine immer größere Spannbreite an Tools. Es kommen gleichermaßen Mikroblogs wie Twitter oder professionelle Netzwerke wie XING und LinkedIn zum Einsatz. Blogs und Video-Seiten wie YouTube werden mittlerweile fast genauso häufig beruflich genutzt wie Facebook und andere soziale Netzwerke. Auch hier wird also das Potential ausgeschöpft: Deutsche Journalisten lernen mehr Arten von sozialen Netzwerken kennen und integrieren diese strategisch in ihren Beruf.

Es wird öfter gelesen als gepostet

Mehr als ein Drittel aller deutschen Journalisten beobachtet täglich die Social Media-Aktivitäten Anderer. Besonders interessiert ist man an Diskussionen über die eigenen Artikel und Beiträge – 37% aller deutschen Journalisten informieren sich täglich im sozialen Netz darüber, wie auf ihre Inhalte reagiert wird. Ein Viertel aller Journalisten (25%) postet auch selbst täglich Kommentare zu anderen Artikeln auf Facebook, Twitter oder ähnlichen Plattformen.

Umfangreichere Inhalte wie zum Beispiel Blogs, Foren oder Diskussionsgruppen werden eher selten gelesen. 27% aller deutschen Journalisten lesen arbeitsrelevante Blogs einmal pro Woche, 29% lesen wöchentlich in Online-Foren. Die Aktivitäten in den sozialen Medien werden also gestaffelt: Während die Beobachtung von Leuten, denen man in den sozialen Netzwerken folgt, zum Alltag gehört, nehmen sich Journalisten für andere Gegenstände seltener Zeit. Dieser Wochenrhythmus entspricht schließlich auch der Regelmäßigkeit, mit der neue Inhalte in den meisten Blogs und Foren erscheinen.

Ebenso aussagekräftig wie das, was Journalisten in den sozialen Medien tun, ist das, was sie nicht tun. So werden die Aufgaben, für die am meisten Eigeninitiative benötigt wird, von den meisten Journalisten eher vernachlässigt. Ganze 64% gaben an, dass sie keinen arbeitsrelevanten Blog führen. Auch tragen 58% nie zu Content Communitys oder Crowdsourcing-Seiten bei oder veröffentlichen Links zu den Artikeln anderer Journalisten. Nur 44% aller deutschen Journalisten posten Inhalte auf Mikroblogs wie Twitter, während 56% passiv bleiben. Alles in allem beobachten und kommentieren deutsche Journalisten also häufig, was Andere im sozialen Netz tun, jedoch erstellen sie wenige eigene Beiträge in den sozialen Medien.

Journalisten werden im Umgang mit sozialen Medien reifer

Alles in allem haben deutsche Journalisten also viele ihrer Arbeitsschritte mit Social Media-Aktivitäten verknüpft. Von der Erstellung einer Story über ihre Verbreitung bis hin zur Beobachtung von Dialogen darüber haben die sozialen Medien ihren Weg in alle Arbeitsschritte gefunden. Jedoch sind Journalisten in Deutschland beim Schreiben oder Posten in den sozialen Medien eher passiv. Es wird viel beobachtet und kommentiert, während wenig eigene Blogposts geschrieben werden und nicht viele Inhalte von Anderen kuratiert und präsentiert werden. Der Trend ist allerdings klar: Langsam aber sicher finden soziale Medien im journalistischen Arbeitsalltag in Deutschland immer mehr Akzeptanz. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Aktivität noch steigert und deutsche Journalisten sich mehr Initiative im sozialen Netz zutrauen werden oder ob sie sich eher in einer beobachtenden Rolle etablieren werden.

Social Journalism-Studie 2013-14_Deutschland-ReportSie möchten noch mehr zum Gebrauch sozialer Medien durch deutsche Journalisten erfahren? Den vollständigen Deutschland-Report der Cision Social Journalism-Studie können Sie hier herunterladen.