Kuratieren oder krepieren? Warum es ohne “Content Curation” nicht geht

In Deutschland gehen ganze 53% der stationären Internetnutzer (das entspricht 40% der Gesamtbevölkerung) auch mobil ins Netz – so eine Studie zur mobilen Internetnutzung von Initiative D21 und Huawei Technologies. Es ist zudem wahrscheinlich, dass genau diese Gruppe an Internetnutzern zusätzlich Tweets oder Facebook-Posts liest und das Angebot von Nachrichtenaggregatoren wie der neu lancierten Huffington Post, von BuzzFeed oder Mashable durchstöbern, meint Andrew Beaujon, Senior Online Reporter beim Poynter Institute. Diese zunehmend fragmentierte Art und Weise des Nachrichtenkonsums gilt nicht nur für Deutschland. In den USA liest nun nahezu ein Drittel aller PC- und Laptop-Nutzer Nachrichten auch auf dem Handy, wie eine Studie des Pew Research Center aus dem Jahr 2012 belegt.

„Jeder, der ein Facebook-, Twitter- oder Pinterest-Konto hat, betreibt Content Curation“, sagte Beaujon. „Vor einigen Jahren durchkämmten professionelle Aggregatoren noch das Internet nach interessanten Inhalten, auf die sie ihre Zielgruppen aufmerksam machen konnten. Heute sind die größten Wettbewerber dieser Webseiten die eigenen Leser.“

Ein Nachrichtenaggregator wird üblicherweise definiert als eine Webseite, ein Blog oder eine Social Media-Plattform, die Information von anderen Online-Quellen zusammenträgt, aufbereitet und an einem einzigen Ort veröffentlicht. Das Thema Nachrichtenaggregation – oder Content Curation – kann komplex sein. Die Befürworter preisen seine Nützlichkeit beim Teilen relevanter Informationen und dem gleichzeitigen Erzeugen von Traffic für die ursprüngliche Webseite an. Manche sind jedoch der Ansicht, dass Content Curation nur dem Aggregator zum Vorteil gereicht. Nach Beaujons Meinung geht es unterm Strich um Einnahmen – und die Aggregation von Nachrichten bringt durchaus Werbeprofit ein. „Man teilt gern Inhalte, die einen in günstigem Licht darstellen“, sagte er. „Für Manche hat das ganz persönliche Vorteile – wenn man etwas Tolles auf Facebook postet, bevor es ein Anderer tut, steigt damit die eigene Stellung unter den Freunden. Professionelle Aggregatoren arbeiten genauso, nur dass sie oftmals Werbeanzeigen verkaufen und dass Leser sich darauf verlassen, dass einzigartiges Material gefunden wird.“

Aber auch Marken sind dabei: Content Marketing ist derzeit das aktuelle Thema und ein wichtiger Bestandteil davon ist es, Inhalte in einer Online-Umgebung zu sammeln, zu teilen und zu kommentieren. NewsCred hat sein Geschäft auf der Content Curation von Nachrichten aufgebaut, um sowohl den Herausgebern als auch Marketern einen Vorteil zu verschaffen. Das Unternehmen wandte sich mit seinen Inhalten anfangs an Einzelkonsumenten und hat sich seitdem in den B2B-Markt hinein entwickelt. „Die Gründer stellten fest, dass Inhalte zu lizenzieren – und damit Zugriff auf qualitativ hochwertigen Journalismus zu erhalten – noch schwieriger war, als diese nur zusammenzutragen und aufzubereiten“, sagte Alicianne Rand, Director of Marketing bei NewsCred. „Deshalb wollten sie sich mit dem Aspekt der Lizenzierung von Inhalten auseinandersetzen.“

Sind die von NewsCred kuratierten Inhalte erst einmal lizenziert, können andere Marken dann als Thought Leader hervortreten, indem sie relevante Artikel mit ihrer Zielgruppe teilen. Laut Rand wollen Konsumenten letzten Endes gern auf einfache Weise auf hochqualitative journalistische Inhalte zugreifen können, die sich an ihren spezifischen Interessen orientieren. Daher hat NewsCred sich zum Ziel gesetzt, eine Plattform zu schaffen, über die Leser auf die gewünschten Informationen an einem Ort zugreifen können und auf der Journalisten dennoch Anerkennung für ihre Artikel erhalten. „Ich glaube, dass Publisher heutzutage schnell handeln und innovativ sein müssen, wenn es darum geht, neue Einkommensquellen auszuschöpfen“, fügte Rand hinzu. „Inhalte zu lizenzieren ist nur eine weitere Möglichkeit, ihr Einkommen zu steigern. Im Grunde genommen verlängern wir die Lebensdauer von Artikeln, leiten neue Einnahmen zurück zu dem jeweiligen Herausgeber und eröffnen einen neuen Markt. Wir vertreiben die Inhalte an Markenorganisationen, was einen neuen Markt darstellt, den es vorher nicht gab.“

Angesichts der Tatsache, dass die sozialen Medien die Grenzen zwischen Unternehmen, Journalisten und Lesern verwischen, bleibt abzuwarten, was die Zukunft für Content Curation und Nachrichtenaggregatoren bereithält. Jedoch ist das Modell an sich nicht neu und wird sich wahrscheinlich noch ändern, meint Beaujon. „Früher wollten Zeitungen die Storys ihrer Wettbewerber ‘überbieten‘ – und das ist heute noch so“, sagte er. „Dennoch sinkt der Wert von Aggregation, da immer mehr Organisationen sich damit beschäftigen und immer mehr Leser Inhalte auf selbsterstellten Plattformen teilen, ob in sozialen Medien oder auf Reddit oder sonstwo.“

Im Moment, so Rand, sei die Nachfrage nach mobil lesbaren, qualitativ hochwertigen News jedoch höher denn je. Sie ist der Meinung, dass das Modell von NewsCred sowohl für Unternehmen als auch für Konsumenten von Vorteil ist. „Weil wir Inhalte lizenzieren und jeden Publisher für die Artikel bezahlen, die unsere Klienten nutzen, machen die Herausgeber bedeutende Einnahmen“, sagte sie. „Und daraus werden dann jedes Jahr Millionen und Abermillionen an Lizenzgebühren.“

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