“Die wenigsten Unternehmen wissen soziale Medien zu nutzen” – Interview mit Fitness Blogger Heiko Wache

Wir setzen unsere Reihe an Interviews mit führenden deutschen Fitness-Bloggern fort. Nach interessanten Gesprächen mit Claudi gives it a TRI und Laufblog: Lauf Hannes!, sprechen wir heute mit Herrn Wache, Autor der Blogs laufe-marathon.de  und laufen-total.de – einem der Top Blogs in Cisions Top Fitness Blog Ranking vom Mai 2013.

Wir haben uns mit Herrn Wache über einem von ihm initierten Blogger-Marathon unterhalten, warum er denkt, dass das Engagement vieler Unternehmen auf sozialen Medien unzureichend ist und weshalb Laufen für Ihn Freiheit und ein intensives Erleben des eigenen Körpers und der Natur bedeutet.

Warum bloggen Sie? Wie haben Sie Ihre Reichweite aufgebaut?

Meine Blog-Karriere hat 2006 begonnen, damals noch mit einem Musikmagazin. In dieser Zeit konnte ich viele Erfahrungen sammeln, die die technische, grafische und inhaltliche Umsetzung betrifft. Habe schnell gemerkt, was geht und was im Internet nicht funktioniert.

In der Folgezeit gab es immer wieder Ideen für neue Projekte, und es wurde viel probiert und getestet. 2009 war dann die Geburtsstunde des Laufe Marathon-Blogs. Anfangs war nicht wirklich klar, wohin die Reise gehen sollte. Ich denke, es war ein Blog von vielen: Ich hatte viele Ideen, und davon wurden einige umgesetzt auf Laufe Marathon. Gerade am Anfang war es aber schwer, wirklich Leser für den Blog zu begeistern. Ausdauer und Durchhaltevermögen waren notwendig. Und die ganzen inhaltlichen und optischen Experimente waren aus heutiger Sicht nicht immer förderlich für den Blog.

Im Sommer 2010 wurde dann der erste richtige Grundstein für die vielleicht etwas größere Bekanntheit von Laufe Marathon gelegt. Ich rief zum Blogger-Marathon auf. Da ging es darum, dass für einzelne Blogs in Etappen abgestimmt werden konnte, und der Blog mit den meisten Stimmen hat den Marathon über 42 Tage gewonnen. Zu dieser Zeit explodierten regelrecht die Besucherzahlen, und nachhaltig gesehen konnte der Blog in vielen Bereichen von dieser Aktion profitieren. Natürlich möchte ich nicht verschweigen, dass es während des Blogger-Marathons für mich viel zu lernen gab. Aktionen, bei denen es viel zu gewinnen gibt – in dem Fall waren es ein Amazon-Gutschein in Wert von 750 Euro und von 250 Euro – sind vor Betrug nicht sicher. Und so hatte ich leider die technische Seite für die Abstimmung komplett unterschätzt. Insgesamt hatte ich mit ca. 20 teilnehmenden Blogs gerechnet, und es wurden knapp 100.

Seitdem ist mir klar, solche link-aufbauenden Aktionen müssen gut geplant und organisiert sein. Aber es auch gezeigt, dass mit Kreativität und Ideen viel möglich ist.

Dann galt es thematisch interessante Artikel zu schreiben, was mir mal mehr und mal weniger gelang. Ich denke, insgesamt ist es schwierig, den Spagat als Blogger aus persönlichen aber auch fachlichen Artikeln zu schaffen. Denn Stammleser wollen oft persönliche Artikel haben, da begrenzt man sich meines Erachtens aber auf Dauer. Viele Besucher, die über die Suchmaschinen kommen, wollen Probleme gelöst haben. Da gab es viel zu lernen.

Wenn mal ein richtig guter Artikel geschrieben wurde und ich das Glück hatte, von anderen empfohlen zu werden, dann stieg die Zahl der Leser gleich wieder an, und der eine oder andere blieb dran. So ergaben sich mit der Zeit viele Links von anderen Websites und Blogs. Dazu kam meine hohe Präsenz im Bereich Social Media – seien es Twitter, Facebook oder Google+. Damit habe ich viele positive Effekte für Laufe Marathon erzielt. Verschweigen möchte ich aber auch nicht die Zeit, welche man gerade bei Facebook und Co. verschwenden kann. Deshalb ist es wichtig, Social Media-Aktivitäten zu planen und zu organisieren.

Ab 2011 habe ich immer mal wieder mit Laufe Marathon gehadert. Klar war der Blog erfolgreich und hatte einige regelmäßige Leser. Auch hatten PR-Abteilungen Interesse, alles eigentlich gut. Nur ich war einfach nicht mehr zufrieden, weder mit dem Namen noch mit der gesamten Struktur. Vieles wollte ich besser machen und so verlor sich teilweise komplett das Interesse für Laufe Marathon. Unregelmäßig gab es neue Artikel. Eigentlich tödlich für einen Blog, denn es sollten in meinen Augen schon regelmäßig Artikel geschrieben und mit den Lesern und anderen Blogs aus demselben Themenbereich kommuniziert werden.

Schon lange trug ich mich mit der Idee, mit einem neuen Laufblog erneut durchzustarten ohne die vielen Fehler zu wiederholen. Ein Laufblog, der durch seinen Namen nicht immer wieder nur auf den Marathon reduziert wird. So bin ich als Blogger seit Mitte April hauptsächlich auf meinem neuen Laufblog laufen-total.de unterwegs. Ein Blog, der genau meinen Vorstellungen entspricht und auf dem täglich neue Artikel über das Laufen erscheinen.

Laufe Marathon wird es als eigentlichen Blog nicht mehr geben. Alte brauchbare Artikel bleiben erhalten, viele in meinen Augen nicht mehr notwendige Artikel habe ich gelöscht. Über die Zeit möchte ich aus Laufe Marathon eine reine Marathon-Plattform machen, die mit einem eigentlich Blog nicht mehr viel zu tun hat.

Da in den letzten Monaten über Laufe Marathon nicht viel geschehen ist, bin ich umso mehr erstaunt, wie scheinbar der Blog immer noch positiv angesagt ist, und einige Wertungen und Platzierungen kann ich mir selbst oft nicht erklären. 

Laufe Total Blog

Was zeichnet Ihren Blog laufen-total.de aus?

Besonders ist der Blog wegen seiner Mischung aus persönlichen und fachlichen Beiträgen. Ich möchte ambitionierte Läufer genauso ansprechen wie Laufeinsteiger. Dazu habe ich den Anspruch, soweit es möglich ist, jeden Tag einen Artikel zu veröffentlichen, um Läufern täglich neuen Inhalt über ihr liebstes Hobby zu bieten. Mir ist wichtig, den Menschen einen Mehrwert zu geben. Deshalb habe ich auch die Rubrik – Fragen und Antworten zum Laufen – eingeführt.

Ich möchte mit laufen-total.de viele Facetten des Laufsports ansprechen. Dazu gehören Trainingstipps für Laufeinsteiger, aber auch Laufberichte von unterschiedlichen Laufevents bis hin zur Motivation. Einen interessanten Bereich stellen darüber hinaus die Testberichte und Erfahrungsberichte zu Laufbekleidung, Laufschuhen usw. dar. Hier stört mich schon lange, dass durch gewisse Affiliate-Seiten und Laufportale, Testberichte angepriesen werden, die keine sind. Ich habe absolut nichts gegen Affiliates, aber bitte dann auch Artikel mit Mehrwert und wirkliche Testberichte.

Welche Tipps haben Sie für andere Sportler, die an einem (Halb-)Marathon oder einem Triathlon teilnehmen wollen?

Die Frage ist schwierig zu beantworten, weil die Thematik viel zu komplex ist. Einsteiger sollten ohne jeglichen Leistungsdruck an den ersten Wettkampf gehen. Spaß haben und die jeweiligen Eindrücke wirken lassen, ist in meinen Augen am Anfang ganz wichtig. Der Rest ergibt sich mit der Zeit. Lieber etwas ruhiger beginnen, und wenn später noch Kraft vorhanden ist, dann kann es immer noch zur Sache gehen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die meisten Menschen ihren Wettkampf immer zu schnell beginnen.

Deshalb gebe ich gerade Laufeinsteigern, die ich selbst trainiere, immer den Tipp auf den Weg am Anfang so langsam wie nur möglich zu starten. Denn dadurch haben sie die Freude, innerhalb kürzester Zeit andere Sportler zu überholen, die am Anfang einfach zu schnell waren.

Trainieren Sie gerade für ein grosses Event?

Nach vielen Jahren des eher geruhsamen und leistungsdruckfreien Laufens habe ich mich entschieden, die Sache noch mal etwas engagierter anzugehen. Habe einfach Bock darauf, mal wieder etwas mehr Gas zu geben und mich mit anderen zu messen. Deshalb steht im Oktober ein Marathon an, den ich auf eine für mich gute Zeit laufen möchte.

Langfristig gesehen liegt mein gesamter Fokus auf dem Jahr 2015. Dann werde ich bei einem 14-tägigen Etappenlauf über mehrere hundert Kilometer an den Start gehen.

Was sind Ihre persönlichen Power-Songs?

Ich laufe nicht mit Musik im Ohr. Ich mag die Musik der Natur während des Sports, mehr aber auch nicht. Ich finde, dass Menschen, die mit Musik im Ohr laufen, sich was entgehen lassen, die Ruhe und Entspannung der Natur.

Als derbes Kontrastprogramm mag ich es ansonsten ziemlich deftig, schnell und aggressiv, wenn es um Musik geht. Hier höre ich viel Death Metal, Grindcore, Punkrock – alles was nicht gerade als Mainstream zu bezeichnen ist.

Welche anderen Blogs lesen Sie?

Ich lese sehr viele andere Blogs, habe mich da über die Jahre nicht wirklich festgelegt. Da mein Interesse ein großes Spektum betrifft, ist auch die Vielfalt der Blogs sehr groß. Dazu gehören bekannte und unbekannte Laufblogs. Gute Fitnessblogs sind auch darunter, wobei es da in meinen Augen nicht so viele wirklich Gute gibt. Damit meine ich Blogs, die die allgemeine Thematiken im Fitnessbereich ansprechen. Ich finde, viele glänzen dort durch massig Werbeeinblendungen. Mit Nahrungsergänzungsmitteln scheint sich gut Werbung machen zu lassen und Geld zu verdienen. Ich denke, die Nische für richtig gute Fitnessblogs ist im deutschsprachigen Raum noch offen.

Ansonsten bin ich regelmäßig auf Blogs aus der Online-Marketing Branche unterwegs. Mit Interesse verfolge ich die Entwicklung in der Suchmaschinenoptimierung und bin immer wieder erstaunt, wie abhängig sich viele von einer Suchmaschine machen. Ich finde, viele Sachen werden teilweise komplizierter gesehen, als sie wirklich sind. Aber dies ist meine eigene Auffassung.

lauftreffWelche Rolle spielen soziale Medien für die Sport- & Fitness-Industrie?

Blogs, Facebook, Twitter und Co. spielen für die Sport-/Fitness-Industrie eine große Rolle. Dennoch habe ich den Eindruck, dass dies die wenigsten Unternehmen wirklich zu nutzen wissen. Meines Erachtens ist hier in den nächsten Jahren noch sehr viel möglich. In vielen Bereichen wird zu kurzfristig gedacht. Es gibt Aktionen, bei denen ich mich immer wieder Frage, welchen Kosten/Nutzenfaktor diese wirklich haben.

Die sozialen Medien stellen einen schnellen Weg dar, um die eigene Zielgruppe zu erreichen, wenn man denn weiß, wer die Zielgruppe wirklich ist. Bindung durch plumpe Werbung für eigene Produkte und regelmäßige Gewinnspiele finde ich zu einfach, und dies ist in meinen Augen nicht nachhaltig genug. Leider habe ich da aber auch nicht den Einblick in die jeweiligen Unternehmen. Dies ist nur ein Eindruck, den ich von außen gewinne.

Mir fehlt oft die fachliche Seite. Warum geben Unternehmen nicht viel mehr Fachwissen raus? Auch bin ich immer noch erstaunt, wie wenig Unternehmen einen Blog betreiben. Gerade da bestehen so viele Chancen, um Leute indirekt zu binden. Wenn mich eine Firma ständig mit Sprüchen nervt, wie gut ihre Produkte sind, dann habe ich ehrlich bald keinen Bock mehr mich mit dieser Marke oder den Produkten auseinanderzusetzen. Da ist sicherlich sehr viel mehr möglich. Ich hoffe ja immer noch auf ein Umdenken.

Welche Rolle spielen traditionelle Medien?

Die Mischung macht es. Klassische Medien haben ihre Berechtigung. Insgesamt würde ich mir aber von der Presse mehr inhaltliche Tiefe und Fachkompetenz wünschen, denn über die Jahre habe ich den Eindruck, dass alles immer reißerischer wird. Medien mit hohem Anspruch werden immer weniger, zumindest empfinde ich dies so.

Auch wenn die klassischen Medien oft schon totgesagt wurden, werden sie uns auch weiterhin erhalten bleiben. Es gilt aber, den Kopf anzustrengen und eventuell auch mal andere Wege zu gehen. Klar ist es für viele ein Überlebenskampf; zudem es geht um wertvolle Werbegelder, aber es sollten hierbei trotzdem nie die Leser vergessen werden.

Welche PR-Taktiken missfallen Ihnen?

Es gibt viele Taktiken, die ich kritisch sehe, nur weiß ich nicht ob diese immer unter PR fallen. Nervig sind diese allgemeinen Anfragen mit den immer gleichen Worten. Hier hast Du als Blogger sofort den Eindruck, Du bist einer von vielen. Und wenn man dann auch noch merkt, dass sich der Gegenüber nicht mal mit Deinem Blog beschäftigt hat, dann ist es sowieso erledigt. Weiterhin finde ich es schade, dass viel zu oft um den heißen Brei geredet wird. Ich würde mir wünschen, dass die Agenturen schneller auf den Punkt kommen: Was sie wollen, was der Blogger davon hat und welche Zusammenarbeit sie sich vorstellen könnten. Und bitte liebe PR-Agenturen spart Euch den Satz: Sie haben einen schönen Blog….

Dann mag ich es nicht, wenn ich ungefragt Testprodukte bekomme. Vielleicht wäre es besser, sich erst mal zu erkundigen, ob ich überhaupt Interesse daran habe, und es zum Inhalt des Blogs passt.

Wie würden Sie persönlich gerne mit PR-Leuten zusammenarbeiten?

Ganz wichtig: Schaut Euch bitte ganz genau meinen Blog an, bevor ihr Kontakt zu mir aufnehmt. Zum Beispiel, wer meinen Blog genau liest, wird schnell mitbekommen, dass ich kein Freund der Nahrungsergänzungsmittel bin. Warum bekomme ich dann immer genau von dieser Branche so viele Anfragen? Da sieht man doch gleich, dass sich jemand weder mit dem Blog noch mit dem Blogger beschäftigt hat.

Wer mir vorschreiben möchte, was ich zu schreiben habe, hat natürlich auch schon verloren. Wer Testberichte haben möchte, muss auch mit kritischen Worten leben können, wenn diese angebracht sind. Deshalb lohnt es sich sicherlich, im Vorfeld einzelne Testberichte auf meinem Blog zu lesen. Ansonsten würde ich mir manchmal tiefgründigere Informationen wünschen, die ich in meine Artikel einfließen lassen kann.

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Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Wache für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg mit dem Blog Laufen total!

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Weitere Infos zu Herrn Wache finden Sie auch auf www.heiko-wache.de sowie bei Google+ – Infos zu den Lauftouren Lausitz finden Sie hier.

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Weiterführende Links:

Fitness – Top 10 Blogs in Deutschland

Running & Jogging – Top 10 Blogger auf Twitter in den USA

Fitness – Top 10 Magazine in den USA

Fitness – Top 10 Blogs in Grossbritannien

Gesundheit & Fitness – Top 10 Blogs in Schweden

Fitness – Top 10 Blogs & Top 10 Blogs auf Twitter in Grossbritannien

Gesundheit & Fitness – Top 10 Blogs in Schweden

Gesundheit – Top 50 Blogs der USA

Sport – Top Medien & Journalisten in den USA & Grossbritannien