Mit witziger Piepsstimme trällert die 24-jährige Zoe Sugg “It’s a hard-knock life for us” (aus dem Musical “Annie”) vor sich hin, während sie mit einem Pinsel lässig ihr Make-up aufträgt. Sie sitzt auf ihrem Bett und hält hin und wieder inne, um ihren über 5 Millionen YouTube-Abonnenten mitzuteilen (die sie eher unter dem Namen Zoella kennen), welche Marke sie gerade benutzt.

Damit verdient sie ihr Geld – und nicht gerade wenig. Obwohl Schätzungen davon ausgehen, dass in Deutschland fast 90% aller Blogger mit dem Schreiben Geld verdienen, erzielen nur etwa 10% mehr als €1.000 im Monat. Wenn man nach europäischen Daten geht, könnten Vlogger wesentlich mehr Gewinn aus ihren Aktivitäten schlagen. Studien aus Großbritannien haben zum Beispiel ergeben, dass Blogger dort bis zu 20.000 Pfund im Monat für Werbebanner ihrer Webseiten verlangen können. Bis zu 4.000 Pfund bekommen sie pro Erwähnung eines Produkts, weitere ca. 4.000 Pfund für jeden Post auf Twitter oder Instagram und manche 10.000 Pfund fürs persönliche Erscheinen.

Kein Wunder, dass sich das Vloggen zu einem lukrativen Unterfangen entwickelt hat, für das viele Andere wie Zoe ihr Studium und ihre Jobs an den Nagel gehängt haben, um stattdessen die Hauptrolle in ihrer eigenen Serie zu spielen, allein mit einer Webcam und einer Internetverbindung.

Cision veröffentlichte kürzlich sein erstes Ranking der Top 10 Beauty-Vlogs in Großbritannien. All diese Vlogs finden Sie jetzt schon in der Cision Mediendatenbank. “Bisher erstellten wir hauptsächlich Blog-Rankings verschiedener Branchen, aber viele der Top Blogger weiten ihre Aktivitäten nun aufs Vloggen aus. Diesen immer stärker werdenden Trend kann man einfach nicht ignorieren,” meint Julie Hermans, die für die britischen Rankings verantwortliche Media Researcherin bei Cision. Auch in Deutschland werden Cisions Mediendatenbank bereits Vlogs und Vlogger-Kontakte hinzugefügt.

Beauty-Vlogs bilden bei uns den Anfang, weil Beauty unter den Vloggern das beliebteste Thema ist, da es den Bedarf an kostenlosen Make-up-Tutorials bei der jungen Web-Generation deckt.

Die Top 10 Vlogs erfreuen sich massiver YouTube-Abonnentenzahlen – zwischen 200.000 und nahezu 6 Millionen – und Twitter-Followerzahlen über 49.000 bis nahezu 2 Millionen. Solche Zahlen kennt man sonst nur von Promis und sie sind entschieden höher als die Followerzahlen der einflussreichsten Journalisten.

Durch Cisions Recherche werden auch die demografischen Eckdaten der Vlogger deutlich: Meist sind es junge Frauen um die 20, die solchen Beiträgen folgen – die ideale Kombination für Marketer im Konsum- und Einzelhandelbereich, die kräftig in den Vlogger-Trend investieren.

Der Trend erobert ganz Europa und wächst nur immer stärker an. Britische Untersuchungen haben ergeben, dass solche digitalen Werbeaktionen den britischen Werbesektor aus der drohenden Rezession heben.

Doch wie bei allem im Internet wird die Notwendigkeit deutlich, Vlogs im Interesse der Verbraucher zu regulieren. Die britische Advertising Standards Agency (ASA) ermahnte Vlogger 2013 dazu, bezahlte Promotionen und Sponsoren offenzulegen.

Die Zukunft für Vlogger wirkt rosig. Es bleibt allerdings abzuwarten, zu welchem Zeitpunkt die Verbraucher anfangen, die Glaubwürdigkeit und Authentizität des Contents in Frage zu stellen – oder ob dies vielleicht nie der Fall sein wird.

About Falk Rehkopf

Ehem. Geschäftsführer Cision Germany GmbH