„Einem Journalisten nicht. Einem Blogger schon“ – Interview mit Reise-Bloggerin Claudia Ottilie

„Einem Journalisten nicht. Einem Blogger schon“ - Interview mit Reise-Bloggerin Claudia Ottilie

Cision setzt die Interviewserie mit Deutschlands führenden Reisebloggern fort – Nach Interviews mit ReisefreundeJustTravelous und VON UNTERWEGS sprechen wir heute mit Frau Claudia Ottilie vom Reiseblog Claudi um die Welt.

Seit 2006 berichtet Frau Ottilie – Reisejournalistin, Online-Redakteurin und Bloggerin – von ihren Reisen in ihrem Blog. Mit anderen Reisebloggern – zum Beispiel Frau Anja Beckmann vom Reiseblog Travelontoast und einigen mehr – hat Frau Ottilie Mitte April 2013 eine neue Plattform für deutschsprachige Reiseblogger gegründet (#PDRB).

Wie sind Sie in der Tourismus-Industrie gelandet und wie haben Sie Ihre Reichweite aufgebaut?

Als Geisteswissenschaftler standen mir nach meinem Studium alle Türen offen. Ich habe mich zugunsten des Internets entschieden und rutschte von einer Internetagentur in die Redaktion eines Internetproviders. Reisen war das Thema, Claudi der Reiseredakteur war geboren, das war 2002. Seither habe ich für diverse Online-Publikationen Reiseberichte und Reportagen geschrieben. So kam ich in Kontakt mit der Tourismus-Industrie, die meist als Informationslieferant diente. Erst als ich anfing, als Reisejournalist für Printmagazine und Zeitungen zu schreiben, vertiefte sich diese Zusammenarbeit. Meinen Blog Claudi um die Welt führe ich seit 2006 – neben dem offiziellen Auftragsschreiben für Zeitungen und Magazine. Seit 2012 trete ich offiziell als Reiseblogger auf, um neben der Printbranche mein eigenes Veröffentlichungsmedium aufzubauen. Die Reichweite meines Blogs gründet sich auf kontinuierlichem Arbeiten, einer durchaus wichtigen Verschlagwortung und hoffentlich auf Grund meiner  schreiberischen und gestalterischen Qualitäten.

Wie hat Ihre Blog-Karriere begonnen?

Der Klassiker: 2006 bin ich zu einer Weltreise aufgebrochen und habe für Familie und Freunde zum Mitverfolgen ein persönliches Tagebuch im Internet aufgesetzt. Und weil es Spaß gemacht hat und einiges an Response kam, habe ich danach einfach weiter gemacht. Wann immer ich für eine Zeitung unterwegs war, habe ich auch gebloggt – ohne Auftrag oder Wissen von irgendjemanden. Seit dem letzten Jahr versuche ich im eigenen Auftrag zu reisen und zu bloggen und auch nicht nur die Familie und Freunde damit zu informieren und zu unterhalten.

Interview mit Claudia Ottilie vom Reiseblog Claudiumdiewelt

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Orte aus, über die Sie berichten?

Ich möchte die ganze Welt sehen, das ist das erklärte Ziel. Daher gestaltet sich die Auswahl zum Teil nach Dringlichkeit und zum Teil nach aktuellen Angeboten. Zu den Pyramiden in Ägypten möchte ich beispielsweise ganz dringend, aber die politische Situation hält mich seit Jahren in Schach. Um die Dringlichkeit von 200 potentiellen Reiseländern halbwegs zu ordnen, habe ich eine persönliche Liste angelegt – ich nenne sie die Löffelabgabeliste – die mittlerweile auch auf meinem Blog zu finden ist und auch andere inspiriert. Deckt sich ein Reiseangebot mit der Liste, fahr ich los.

Was mögen Sie am Bloggen über das Thema Tourismus?

Ich blogge über meine Erlebnisse auf Reisen und im Urlaub. Meine Passion zum Reisen hat das ZDF-Traumschiff in den 80er Jahren geweckt. Ich wollte damals gleich Reiseleiter oder Dolmetscher werden und wenn man es so sehen möchte, bin ich ja jetzt ein virtueller Reiseleiter. Als Publikationsmedium finde ich einen Blog einfach herrlich und flexibel. Ich kann jede Menge Fotos zeigen, Videos (sollte ich sie je schneiden und hochladen), Karten einbinden und schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Bloggen ist für mich – die aus der reisejournalistischen Richtung kommt – schlicht Gestaltungsfreiheit. Wenn ich am Ende des Tages damit andere Menschen animieren kann, sich zumindest auf die Seychellen zu träumen, weil ihnen meine Fotos oder die wahre Geschichte vom handlesenden, zauseligen alten Krämer gefallen haben, bin ich mehr als zufrieden.

Was halten Sie von der ITB in Berlin?

Die ITB ist für mich zur Pflichtveranstaltung geworden, auf die ich mich jedes Jahr freue. Vor sechs Jahren war die Messe noch Inspirationsquelle und ich wandelte mit offenem Mund staunend durch die bunten, lauten Hallen. Mittlerweile ist die ITB für mich zum jährlichen Klassentreffen mit Kollegen aus der Presse, dem Internet und der PR geworden, die man meist nur einmalig auf einer Reise getroffen hatte oder immer nur als Avatar in seiner Twitter-Timeline sieht. Hier kann man Avataren und Telefonaten ein Gesicht zuordnen und über neue Projekte reden, vergangene Reisen besprechen und sich austauschen. Ich finde es sehr lobenswert, dass die ITB nun auch Bloggern ihre Türen an Fachbesuchertagen öffnet und somit ein Zeichen setzt, dass diese als Publizisten ernst zu nehmen sind.

PDRB - Offene Plattform für deutschsprachige Reiseblogger (PDRB)Wie vernetzen Sie sich als Blogger?

Ich bin ein Internet-Junkie. Ich versuche mich auf die Kernnetzwerke wie Twitter, Facebook und Google+ zu konzentrieren, habe auch schon angefangen zu pinnen. Es macht Spaß, sich mit seinen Lesern und anderen Bloggern direkt austauschen zu können. In Facebook und auf Google+ gibt es gute Networking-Möglichkeiten in den verschiedenen Gruppen zum Thema Reisen oder einzelnen Destinationen. Zudem bin ich Teil eines Teams, das sich für die stärkere Vernetzung von deutschsprachigen Reisebloggern einsetzt. Auf Reiseblogs.org wollen wir eine offene Plattform bieten, auf der sich professionelle Reiseblogger eintragen lassen, gemeinsam austauschen und ihr Portfolio vorstellen können.

Welche Tipps geben Sie PR-Profis, die mit Ihnen in Kontakt treten wollen?

Information! Informieren Sie sich über die Blogs und die Autoren, mit denen Sie zusammenarbeiten wollen, lesen Sie mehr als den einen Blogpost und suchen Sie den Blog nach der von Ihnen vertretenen Destination oder Thematik ab. Es könnte sein, dass Blogger X bereits in Y war und nichts ist peinlicher als die Destination noch einmal anzupreisen, wo doch schon mindestens drei Fotogalerien und fünf Blogposts zum Thema existieren. Wer dann noch eine persönliche Ansprache in der Email platziert und nicht erkennen lässt, dass er mit dieser Mail gleich einen ganze Reihe von Redakteuren, Bloggern oder Journalisten angeschrieben hat, kann auf jeden Fall mit einer Rückmeldung rechnen.

Welche PR-Taktiken missfallen Ihnen?

Was mir ganz schal aufschlug, waren mehrere PR-Vertreter, die mir kürzlich näherbrachten, dass man mich gern als Blogger wahrnehmen möchte, aber es doch schön sei, wenn ich mit dem journalistischem Hintergrund auch noch einen Zeitungsartikel schreiben könnte – zur Sicherheit. Wer einem Blogger nicht traut, sollte ihn einfach nicht beauftragen. Wer ihm trauen möchte, weil er (häufig) auch Journalist ist, sollte ihm nicht Zusatzarbeit zumuten. Und nur weil Blogger hin und wieder als Non-Stop-Schreibmaschinen dargestellt werden, bedeutet es nicht, dass sie mehr als eine Story schreiben. Die Großzahl der deutschen Reiseblogger arbeitet aus persönlichem Antrieb und nebenberuflich, das sollte man nicht vergessen. An anderer Stelle sagte mir die Anbieterin einer Bloggerreise, dass daran einige Auflagen gebunden seien. Als ich diese las und sagte, dass diese die Unabhängigkeit meines Schreibens einschränken und man einem Journalisten so etwas zum Beispiel nie anbieten könne, antwortete die Dame schlicht „Einem Journalisten nicht. Einem Blogger schon.“  No-Go! Dazu kommen Angebote für Linkplatzierung, Gutscheine fürs Recherchieren und Abdrucke von Pressemitteilungen. Das untergräbt jegliche Unabhängigkeit eines Blogs und ich möchte meinen Lesern meine Meinung und Berichte bieten, keine vorgeschriebenen und keine gekauften.

Wir bedanken uns herzlich bei Frau Ottilie für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Glück mit Claudi um die Welt und reiseblogs.org!

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