“In Griechenland gibt es jetzt weniger Printmedien, aber zu viele Blogs” – Blogger-Interview mit Mania Bousmpoura von Beauty Co.Co

"In Griechenland gibt es jetzt weniger Printmedien, aber zu viele Blogs" - Blogger-Interview mit Mania Bousmpoura von Beauty Co. Co

[You can find the English version of this interview here.]

Nachdem wir am Montag unser Interview mit der griechischen Fashion-Bloggerin Alexia Sakellariou über die Griechenland-Krise vorstellten, präsentieren wir heute ein Gespräch mit Mania Bousmpoura vom Beautyblog Beauty Co.Co. Auch sie äußert sich hier zu den Auswirkungen der Krise auf die griechische Medienwelt.

Frau Bousmpoura führt seit 2011 ihren griechischen Blog Beauty Co.Co, fühlt sich aber auch in anderen nationalen und internationalen Medien zu Hause. Nach einer Tätigkeit als Fotomodell studierte sie Philosophie an der National and Kapodistrian University of Athens und anschließend Journalismus an der London School of Journalism. Seit 1996 arbeitete sie bei verschiedenen Sendern als Fernsehmoderatorin und war bereits Beauty Editor und Beauty Director bei Zeitschriften wie DIVA, MAXIM, Vita, JOLIE, PARENTS, L’OFFICIEL und L’OFFICIEL HOMMES. 2006 erschien ihr Buch “Beauty Codes” bei Hellenic Grammata Editions. Zur Zeit lebt sie in ihrer Geburtsstadt Athen, wo sie redaktionellen Projekten nachgeht.

In ihrem Interview erzählte uns Frau Bousmpoura, wie sich die griechische Medienlandschaft in vergangenen Jahren verändert hat, wie sie die Darstellung der Krise empfindet und warum sie optimistisch bleibt und an die positive Kraft der Beauty-Branche glaubt.

Inwiefern sind Sie selbst von der aktuellen Lage in Griechenland betroffen?

"In Griechenland gibt es jetzt weniger Printmedien, aber zu viele Blogs" - Blogger-Interview mit Mania Bousmpoura von Beauty Co. Co

Auf jede erdenkliche Weise. Die Krise betrifft meinen Alltag, meine Arbeit, meine Geschäfte, meine Psyche – einfach alles. Ich versuche aber, mich gegen all das zu behaupten und Negativität oder Hindernisse mit harter Arbeit, Vertrauen in Andere, Kreativität und positivem Denken zu bekämpfen.

Haben Sie seit Beginn dieser Krise etwas an Ihrem Blog geändert?

Jedes Medium, das etwas auf sich hält und Andere respektiert, sollte sich an die aktuelle Situation anpassen. Deshalb bemühe ich mich darum, alle möglichen Änderungen am Content meines Blogs vorzunehmen, um die Schönheit aller Frauen zu unterstützen, auch wenn einige nicht viel für ihre Schönheitspflege ausgeben können. Sie wollen natürlich weiterhin die besten Produkte und Angebote sehen, aber vor allem geht es ihnen um das Know-How und das Wesen der Schönheit und ich glaube, ich spreche ihre schönheitsverrückten Herzen an!

Welchen Einfluss hat die aktuelle Situation auf Ihre Leserschaft und wie begegnen Sie dem?

Meine Leserschaft und auch das Engagement mit meinen Lesern ist in den vergangenen Jahren sehr gewachsen. Wenn man mit so einem gut gelaunten, optimistischen Thema wie Beauty zu tun hat, lassen sich mehr Leute darauf ein und wenn man seine Sache gut macht, wird daraus ein Riesenerfolg. Frauen bauen Stress ab, wenn sie über Dinge lesen, die sie lieben, und Beauty ist da definitiv ihr Mittel gegen die Krise. Da ist kein Platz für schlechte Kommentare, Internet-Streite oder Ähnliches, wie man es in anderen Bereichen sieht. Ich tue mich mit meinen Lesern zusammen und wir tauschen uns darüber aus, wie sie schöner werden und zu mehr Selbstliebe finden.

Wie nehmen Sie die Darstellung der Krise in lokalen und internationalen Medien wahr?

Wir haben schon alles gesehen. Medien, die objektiv über die Ereignisse berichten und andere, die dadurch Angst verbreiten, dass sie Griechenland wie ein Land aus dem finsteren Mittelalter darstellen. Das ist nicht anders zu erwarten und passiert nicht nur lokal, sondern auch im internationalen Bereich. Das wunderschöne Griechenland, das immer härtere Entbehrungen ertragen muss, ist ein verlockendes Thema für eine gute Reportage, besonders wenn man dazu Bilder von griechischen Inseln und von Politikern, die als Einzige keine Krawatte tragen, zeigt.

Welche Medien lesen Sie persönlich?

Ich liebe Zeitschriften! Meine Freunde sagen mir, ich soll mehr mit der Zeit gehen, aber ich kann nicht ohne den Geruch und das schöne Gefühl, wenn ich durch ein Modemagazin blättere. Deshalb habe ich versucht, diese große Leidenschaft mit der Notwendigkeit, ins Digitale vorzudringen, kombiniert, und ein Online-Beauty-Magazin geschaffen, das in wenigen Monaten lanciert wird. Bis dahin werde ich mich weiter in meinen liebsten internationalen Zeitschriften über Trends informieren, zum Beispiel VOGUE, L’OFFICIEL, NUMERO, AMICA und internationale Portale und Blogs.

Als Journalistin bin ich dafür, dass man sich über alle Seiten jeder Geschichte informiert. Also gehört es zu meinem Alltag, über lokale und internationale Medien einen guten Überblick zu behalten – von traditionellen Medien wie Zeitungen bis hin zu digitalen wie Online-Portalen. Deshalb liegen bei mir auf dem Couchtisch sowohl regionale als auch internationale Zeitungen und auf meinem Tablet sind Tabs von der BBC über Financial Times bis hin zu Style.com offen.

Welche Rolle spielen soziale Medien bei der öffentlichen Diskussion der Krise in Griechenland?

Soziale Medien sind zur Hauptplattform für Diskussionen geworden. Die Leute fühlen sich dort frei, zu kommentieren und ihre Meinung zu sagen, jederzeit, überall und für jeden sichtbar. Das ist aufregend, aber auch beängstigend, besonders wenn es um ernste Themen und Politik geht. Ich glaube, die enorme Wichtigkeit sozialer Medien und ihre Auswirkung auf die Art, wie wir kommunizieren, in Zukunft ein Riesenthema für Soziologen und Kommunikationsprofis sein wird.

“In Griechenland gibt es jetzt weniger Printmedien, aber zu viele Blogs” – Blogger-Interview mit Mania Bousmpoura von Beauty Co. CoWie wird sich die griechische Medienlandschaft als Folge dieser Krise verändern?

Die Medienlandschaft hat sich bereits verändert. Wir haben uns seit 2008 von einem Markt, in dem es zu viele Medien gab, hin zu einem selektiveren Markt mit viel weniger Titeln, aber zu vielen Blogs und persönlichen Websites entwickelt, denn diese lassen sich preiswert erstellen und verlangen kein Geld von den Lesern. All diese Veränderungen haben sich sehr stark auf die Abläufe innerhalb der Medienkrise ausgewirkt. Das reflektiert komplett die aktuelle Situation und es ist für alle Menschen in der Branche sehr schwer, sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer. Auf lange Sicht hilft es aber vielleicht der Medienlandschaft, den nötigen Freiraum zu schaffen und nur die guten Medien zu behalten.

Wie bewerten Sie das Referendumsergebnis?

Ich war nicht überrascht. Ehrlich gesagt ist für mich das einzig Wichtige momentan, dass es zur bestmöglichen Einigung für mein Heimatland kommt. Ich bin europäische Bürgerin und eine neu beginnende Verlegerin, die gerade erst Leute eingestellt hat, und deshalb muss Griechenland sich natürlich von Tag zu Tag in der Eurozone verbessern.

Was möchten Sie noch gern hinzufügen?

Ich möchte gern zu meinem neuen Projekt einladen. Es heißt www.iqbeaute.com und ist mit viel Liebe gemacht! Das ist meine Art, zu zeigen, dass keine Krise Kreativität und Schönheit aufhalten kann.

Wir bedanken uns bei Frau Bousmpoura für das Gespräch und wünschen ihr weiterhin alles Gute!

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