“Guter PR-Input ist Gold wert” – Cision meets…Anita Würmser von wuermser.communications

"Guter PR-Input ist Gold wert" - Anita Würmser über soziale Medien, journalistische Beziehungen und Awards in der Logistikbranche

Dipl.-Geogr. Anita Würmser ist Journalistin, Publizistin und seit 2009 Geschäftsführerin der Management- und Kommunikationsberatung wuermser.communications. Sie leitet als Geschäftsführende Jury-Vorsitzende die Logistics Hall of Fame sowie den International Forklift Truck of the Year (IFOY AWARD). Die Logistik- und Medienexpertin schreibt als Journalistin und Kolumnistin für verschiedene Magazine sowie in ihrem Logistik-Blog. Außerdem berät sie Unternehmen, Verbände und Verlage in Pressearbeit, Kommunikation, Marketing und Markenführung. Sie veranstaltet Branchenevents und tritt regelmäßig als Moderatorin auf. Zwischen 1990 und 2009 war sie Chefredakteurin verschiedener Fachmagazine.

Zu den Themen Awards in der Logistik-Branche, die Bedeutung von sozialen Medien und eine gelungene Beziehung zwischen PR und Journalisten hat sie uns die folgenden Fragen beantwortet.

Was hat Sie dazu bewegt, nach vielen Jahren als Chefredakteurin verschiedener Logistik-Zeitschriften nun als Kommunikationsberaterin und Bloggerin tätig zu sein?

Täglich zehn Stunden Besprechungen, und dass auch der schönste Job der Welt irgendwann zur Routine wird. Spaß beiseite, es war ein glücklicher Zufall. Im Sommer 2009 wurde mir eine Chefredaktion angeboten, die niemand bei Verstand ablehnt – dachte ich. Mein damaliger Verlag ließ mich zwar gehen, allerdings hatte ich eine Wettbewerbssperre von acht Monaten. In dieser Zeit sind zwei Dinge passiert: Erstens habe ich eine ganze Menge Stellenangebote bekommen und zweitens Abstand gewonnen. Man bewertet die Dinge plötzlich anders und Chefredakteur war auf einmal nicht mehr wichtig. Im Dezember 2009 habe ich die Chefredaktion abgesagt, wofür mich Einige immer noch für verrückt halten. Viele der Unternehmen, die mir damals einen Job angeboten haben, sind heute meine Kunden. Von Vorteil war aber ganz klar, dass ich einen Plan für meine Selbstständigkeit hatte.

War dies für Sie eine große Umstellung oder ergab sich der Wechsel ganz natürlich?

Nahtlos trifft es besser. Nach zehn Jahren Logistik Heute und zehn Jahren VerkehrsRundschau fühlte es sich richtig an, sich weiterzuentwickeln. Genau genommen mache ich dasselbe wie früher. Ich recherchiere, networke, führe Interviews, schreibe Artikel, moderiere, konzipiere Marken und Awards, publiziere Magazine, schreibe Kommentare und berate Unternehmen. Nur viel schneller und freier in der Themenwahl. Ich war schon immer schnell, aber diesmal war es, als hätte man den Turbo angeschaltet. Die größte Überraschung war, wie gigantisch die Produktivität ist, wenn der ganze Besprechungswahnsinn wegfällt.

Wie sieht eine solche typische Turbo-Woche für Sie aus?

Typisch gibt´s nicht. Mal schreibe ich eine Woche am Stück, mal bin ich unterwegs oder plane einen Event. Alle paar Wochen steht eine Moderation im Kalender, dann teste ich wieder eine Woche lang Stapler bei 7 Grad Hallentemperatur. Typisch sind allenfalls zwei leckere Abendessen mit Geschäftspartnern, mindestens vier Stunden Sport und Überwintern auf Bali, aber nicht ohne Highspeed-Internet.

Wie gewinnen Sie Ihre Kunden?

Über mein Netzwerk. Ich habe sechs feste Kunden und eine Warteliste. Bei meinen eigenen Marken „Logistics Hall of Fame“ und dem „IFOY AWARD“ halte ich es mit der Devise: Die Marke muss so gut sein, dass sie begeistert. Ich gestehe aber, dass ich einen Vertrieb habe, der mich bei der Hall of Fame und beim IFOY unterstützt.

Was hat die Arbeit als Redakteurin mit der einer Bloggerin gemeinsam?

Sie tun dasselbe, nur sind Blogger nicht eingebunden in Redaktionszwänge. Sie sind unabhängiger und vor allem unberechenbarer. Meiner Erfahrung nach haben Blogger zunehmend mehr Publikationsmacht.

Welche Rolle spielen soziale Medien für Ihre Arbeit?

Zu einer erfolgreichen Fachkommunikation gehört ein Mix aus Kommunikationskanälen. Social Media hat sich zwischen Print, Online und Events einen festen Platz erarbeitet. Für die Logistics Hall of Fame und den IFOY AWARD ist die Grenzenlosigkeit und die Reichweite sozialer Medien ein echtes Pfund und Teil des Erfolges. Am intensivsten nutze ich soziale Medien für den Blog und meine beiden Logistik-Awards, um Emotionen zu zeigen und Meinung zu sagen.

Erzählen Sie uns ein wenig zum IFOY Award und zur Logistics Hall of Fame.

Die Logistics Hall of Fame ist die Weltruhmeshalle der Logistik. 56 bekannte Fachjuroren wählen in jedem Jahr in der Regel eine Person, die Logistik und Supply Chain Management wirklich vorangebracht habt. Schirmherr ist der Bundesverkehrsminister und die Aufnahme findet jedes Jahr im Rahmen eines Gala-Empfangs im Ministerium statt.
Der IFOY AWARD bewertet anhand eines strengen Testverfahrens die innovativsten Neuerscheinungen unter den Intralogistikprodukten aus. Die Palette reicht von Stapler über Fahrerlose Transportsysteme bis hin zu komplexen Lagerlösungen und Spezialfahrzeugen. In der Jury sitzen 25 Chefredakteure von führenden Logistikmedien weltweit, Träger ist der VDMA und die Schirmherrschaft hat das Wirtschaftsministerium.

Was begeistert Sie am meisten an Ihrer Arbeit mit den Logistik-Awards?

Zwei Dinge: Beide Auszeichnungen sind in fast jedem Land der Erde bekannt und sie sind es wirklich wert, gewonnen zu werden. Am besten ist die Freude der Sieger, die bis zur letzten Sekunde geheim gehalten werden. Wenn der Laudator dann den Namen verkündet, entlädt sich die Anspannung und es tobt der ganze Saal.

Sie haben die meisten Awards in der Logistik konzipiert oder mitkonzipiert. Was macht einen Award aus, der es wert ist, gewonnen zu werden?

Eine sehr gute Frage. Es gibt sehr gute Auszeichnungen in der Logistik, die mit hohem Aufwand und Verantwortungsbewusstsein gemacht sind. Leider gibt es auch immer mehr, die einfach nur billig und peinlich sind. Die Unternehmen sollten viel mehr Wert darauf legen, was sie da so alles an Awards annehmen. Wer Marken oder Menschen rankt und auszeichnet, trägt eine hohe Verantwortung, dass diese keinen Schaden nehmen. Umso größer muss der Anspruch an die Methodik sein. Kompliziert bedeutet hier übrigens noch lange nicht methodisch fundiert. Ein Award muss meiner Meinung nach zu allererst Sinn machen. Er soll transparent sein, fachkundig und am besten international. Awards dürfen nicht inflationär sein oder anders gesagt, es darf nicht jeder einen Preis gewinnen, der nicht bei Drei auf dem Baum ist. Ein wichtiges Maß ist die Medienresonanz, also ob die Fachmedien einer Branche einen Award als relevant für die Berichterstattung einstufen.

Wie relevant stufen denn die Medien den IFOY AWARD und die Hall of Fame ein?

Über den IFOY Award wurden im vergangenen Jahr mehr als 2.000 Artikel in über 100 Ländern der Erde geschrieben. Bei der Hall of Fame kommen einige Hundert Artikel zusammen.

Wie wichtig, glauben Sie, ist die Vernetzung zwischen Journalisten und PR-Schaffenden im Allgemeinen?

Auf einer Skala von 1 bis 10, eine 10. Guter PR-Input ist Gold wert. Das heißt nicht, dass PR-Schaffende die Arbeit des Redakteurs machen sollen, aber sie liefern Inspirationen, Fakten und Kontakte, die einen guten und nutzwertigen Artikel ausmachen. Ich habe in meinen 20 Jahren Redaktionsarbeit viel erstklassige PR und mindestens genauso viel Kommunikationsschrott gesehen. Redakteure erkennen in den ersten zehn Sekunden, womit sie es zu tun haben.

Über die Logistik-Branche ist man wahrscheinlich am ehesten informiert, wenn man selbst dazugehört. Gibt es etwas, von dem Sie sich wünschen, dass es auch Außenstehende über Ihre Branche verstehen?

Niemand zahlt für Logistik, sondern für Autos, Kleider oder Essen. Aber ohne Logistik wäre das Auto, das Kleid und das Essen unbezahlbar. Logistik macht unseren Lebensstil erst möglich.

Welchen Rat haben Sie für Kommunikatoren im B2B-Bereich, um bessere Beziehungen zu Journalisten aufzubauen?

Kennen und respektieren Sie die Standards des Journalismus. Und sagen Sie niemals „ich möchte einen Artikel schalten“.

Anita Würmser persönlich:

• Ich dachte immer, ich werde…Architektin oder Industriedesignerin.

• Das Interessanteste an mir ist…mein Netzwerk.

• Ich bin in meinem Element, wenn ich…25 Meter tief in einem Fischschwarm oder durch ein Schiffswrack tauche.

• Mein liebstes soziales Netzwerk ist…mein Esszimmer, der Logistikkongress in Berlin und Twitter.

• Wenn ich auf einer einsamen Insel festsäße, dann würde ich…mir ein Boot bauen.

Wir bedanken uns bei Frau Würmser für den spannenden Austausch!