Im Jahr 2012 meinte der weltberühmte Autor Deepak Chopra – ursprünglich aus Neu Delhi – in einer Folge der amerikanischen Oprah Winfrey Network-Serie „Super Soul Sunday“, dass soziale Netzwerke das Potential dazu hätten, die Welt durch Konversation zu verändern. „Soziale Netzwerke“, sagte er, „sind eine Erweiterung des Geistes, des Gehirns. Und wir vernetzen das globale Hirn durch den Cyberspace neu.“

Eine Plattform im Speziellen erfreut sich großer Prominenz unter den Pionieren der Social Media, die Kommunikation über nationale Grenzen hinaus ermöglichten: Facebook wuchs in weniger als 10 Jahren zum globalen Koloss heran und zählt derzeit über 1 Milliarde Nutzer weltweit – 80% von ihnen lebten außerhalb der USA und Kanada. In Deutschland sind es laut Statista um die 27 Millionen Nutzer.

Wenige Monate später äußerte sich Nathan Eagle, Mitbegründer und Geschäftsführer des mobilen Marketing-Unternehmens Jana, dahingehend, dass die Facebook-Nutzer in Chopras Heimat wohl die Nutzerzahlen der USA innerhalb weniger Monate übertreffen würden. Und das aus gutem Grund. Die aktuellen Zahlen der Facebook-Nutzer in Indien liegen bei nahezu 115 Millionen. Das sind 30 Millionen weniger Nutzer als in den USA. Im Jahresverlauf lag allerdings das Internetwachstum den Landes bei fast 40%, im Vergleich zu lediglich 5% in den USA. Während das Internet für die meisten Amerikaner und Europäer längst zum Alltag dazugehört, wächst in Indien stetig der Zugang zu Internettechnologien. 71% der Internetnutzer in Indien haben ein Facebook-Konto, daher scheint es eine logische Annahme, dass zusätzliche Internetnutzer auch zusätzliche Facebook-Nutzer bedeuten, wodurch wiederum die Zahlen in Amerika bei wachsendem Internetbedarf weit übertroffen werden können.

Bedenkt man die Quelle dieser Zahlen, überrascht es kaum, dass Mobiltelefone die treibende Kraft hinter Indiens Facebook-Begeisterung sind. Zum Vergleich: Die 900 Millionen Handy-Nutzer in Indien machen eine größere Gruppe aus als die Gesamtbevölkerung der EU und der USA zusammen. Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass Indiens Einwohnerzahl mehr als das 15fache der deutschen Gesamtbevölkerung beträgt, so veranschaulicht diese Statistik, dass Handys oftmals den einzigen Internetzugang bieten – zumal der Zugang zum Internet über eine Breitbandverbindung nur für einen kleinen Teil der indischen Bevölkerung heutzutage eine Möglichkeit ist.

Raju PP – Herausgeber des Blogs Technology Personalized – ist auch davon überzeugt, dass der wachsende Bekanntheitsgrad von Facebook in Indien direkt mit der wachsenden Nutzung von Mobiltelefonen zusammenhängt. „Die mobile Internetrevolution in Indien wurde durch die langsamen 2G-Internetverbindungen angetrieben und die Nutzer nahmen Facebook sehr willig auf und fühlten sich damit einfach wohl“, erinnert sich Raju. „Außerdem arbeitet Facebook mit lokalen Anbietern zusammen, um kostenlosen Zugriff auf die Plattform zu ermöglichen, wodurch die Wachstumsrate nochmals stark angetrieben wird.“

Dieser Anstieg der Handynutzung war es, der Facebook dazu verhalf, seinen Vorgänger – das von Google geführte Netzwerk Orkut – zu ersetzen. Orkut hatte 2004 und 2005 in Indien schnell große Erfolge erzielt, hatte aber damals noch kein mobiles Interface.

Worüber aber kommunzieren die Inder auf Facebook, nun da es dort zum sozialen Medium erster Wahl avancierte? Die Plattform veröffentlichte kürzlich die fünf am häufigsten erwähnten Themen im Land in 2013. Die Trends spiegeln, dem Westen sehr ähnlich, politische, soziale und technische Interessen wider. Während das Land sich auf das Wahljahr vorbereitete, drehte sich die meiste Kommunikation um den Kandidaten zum Premierminister Narendra Modi, dessen offizielle Facebook-Seite mittlerweile mehr als 8 Millionen „Likes“ bekam. An zweiter Stelle stand die kürzlich pensionierte Cricket-Legende Sachin Tendulkar, der beinahe doppelt so viele Likes bekam wie Modi. Auf dem dritten Platz fand sich die Markteinführung des neuen iPhone 5s, gefolgt von Diskussionen über den neuen Chef der Reserve Bank of IndiaRaghuram Rajan, und den Start der Mars Orbiter Mission, auch Mangalyaan genannt.

Auf kommerzieller Seite waren die Marken mit den meisten Likes 2013 Nokia, Samsung, Adidas, Nike und Reebok. Es ist der wirtschaftliche Aspekt von Facebook, den Raju als wirklich fruchtbaren Boden für Marketing-Kampagnen in Indien einschätzt. „Die Unternehmen hierzulande werden sich langsam des Social Media-Phänomens bewusst. Kommunikations-, eCommerce- und Technologie-Firmen sind hier sehr präsent, aber andere hinken stark hinterher“, teilte er mit. „Soziale Medien sind eine fantastische Ressource bei der Datengewinnung. Viele Unternehmen außerhalb Indiens haben mir davon berichtet, wie Facebook ihnen hilft, direktes Feedback von den Verbrauchern einzuholen – Noch vor wenigen Jahren war das so nicht möglich.“

Ansonsten spiegeln die Facebook-Statusmeldungen in Indien den Informationscharakter im Westen wider – vergleichbar der deutschen Bevölkerung, die Facebook dazu nutzt, Freunde und Familie über die neuesten Ereignisse im eigenen Leben zu informieren. Zu den häufigsten Status-Updates gehören der Beziehungsstatus, Reisen, Geburten und größere Anschaffungen.

Raju, der als einer der einflussreichsten Inder für die Themen soziale Medien und Technologie anerkannt ist, schätzt das Netzwerk persönlich für dessen Fähigkeit, weltweit sowohl persönlich als auch geschäftlich Verbindungen aufzubauen. „Anders als bei Twitter geht es bei Facebook nicht primär darum, Nachrichten zu verbreiten. Man teilt eher Persönliches mit Anderen und Dinge, die einen interessieren. Als Early Adopter wurde ich Zeuge davon, wie Facebook von einem zweiten Möchtegern-Orkut zur wichtigsten Networking-Seite überhaupt heranreifte. In professioneller Hinsicht hat mir Facebook dabei geholfen, mit unzähligen Gleichgesinnten weltweit in Kontakt zu treten.“

Das bestätigt Chopras Definition sozialer Medien als Erweiterung des Geistes. Da Facebook zur Auseinandersetzung über jedes beliebige Thema mit möglichst vielen Menschen auf der ganzen Welt genutzt wird, entsteht Stück für Stück ein globaler Dialog. Facebook hilft Millionen Menschen täglich zur Verbreitung ihrer Gedanken und Meinungen. Und bei der schnell wachsenden Nutzerzahl in Indien ist es wahrscheinlich, dass Facebook bald zum meistgenutzten Kommunikationsmedium des Landes heranwachsen wird.

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