Interaktive Videos: Start-Up “Clicktivated”

Interaktive Videos: Start-Up "Clicktivated"

Als der Musik-Identifikationsdienst Shazam auf den Markt kam, waren Verbraucher davon fasziniert, dass ein Smartphone in der Lage war, einem Song “zuzuhören” und anschließend Informationen zu Titel und Interpreten anzuzeigen. Dank dieser App musste man sich nicht mehr auf das eigene Gedächtnis oder Google verlassen. So wurde Shazam nicht nur zu einem nützlichen Tool für Musikliebhaber, sondern entwickelte sich durch Partnerschaften mit Musiklabels, TV- und Rundfunksendern zu einer “Media Engagement”-Unternehmen – so die Firma selbst -, über die gehörte Songs direkt gekauft und heruntergeladen werden konnten.

Dieses Durchbrechen der Grenze zwischen Medien und Verbrauchern verändert auch die Werbeindustrie. Clicktivated, ein interaktives Video-Start-Up, geht noch einen Schritt weiter und gewinnt zurzeit bei Marken und Netzwerken an Beliebtheit. Ähnlich wie Shazam macht es die Google-Suche überflüssig, indem es auf unaufdringliche Weise die Möglichkeit bietet, auf Gegenstände in einem Video zu klicken, um zu erfahren, wo man diese kaufen oder mehr Informationen dazu finden kann – und das ohne das Video zu unterbrechen. Diese “Clean Screen”-Technologie, also eine ohne Pop-Up-Fenster oder eingeblendete Texte, ist die erste ihrer Art. “Die Idee stammt aus meiner eigenen Erfahrung mit TV- und Online-Videos, in denen ich ständig Dinge sah, die ich kaufen oder über die ich mehr erfahren wollte”, sagt Chris Roebuck, CEO und Gründer von Clicktivated. “Man musste eine Google-Suche starten aber wusste gar nicht, nach was oder wem man eigentlich sucht – es war wie ein Münzwurf in einen Wunschbrunnen.”

Mit Clicktivated ist es zum Beispiel möglich, ein Online-Kochvideo von Rachael Ray auf dem amerikanischen Sender Food Network zu gucken und auf verschiedene Elemente des Bildschirms zu klicken, um Rezepte, Personeninfos oder Kaufinformationen für Küchenprodukte im Hintergrund zu finden – zum Beispiel eine Rührschüssel. So entstehen neue Möglichkeiten für Partnerschaften zwischen Sendern und Marken zum gegenseitigen Vorteil. “Wir glauben, dass Clicktivated die Chance bietet, die Art und Weise wie Marken werben und wie Content-Produzenten über Werbung denken, grundlegend zu verändern”, sagt Roebuck. “Markenintegration und Product Placement sind ein immer wichtigerer und wachsender Bestandteil von traditionellen Inhalten. Clicktivated ermöglicht es Markenbetreibern, ihr Produkt oder ihre Dienstleistung weiterhin an Verbraucher zu vermarkten, ohne aufdringlich oder marktschreierisch zu wirken, und damit den ROI für den Sponsor zu erhöhen und gleichzeitig eine unterhaltsame Erfahrung für den Verbraucher zu schaffen.”

Es scheint offensichtlich, auf welche Weise Lifestyle-Branchen wie die Mode-, Sport- und Ernährungsindustrie von diesen neuen Möglichkeiten profitieren können. Roebuck betont aber auch, dass demnächst wohl auch viele andere Unternehmen den Dienst benutzen könnten. Die Nachrichtenindustrie, die in den letzten Jahren zum Teil Schwierigkeiten hatte, sich zu finanzieren, ist nur ein Beispiel für verschiedenen Industrien, die Clicktivated zur Verbreitung von Content nutzen könnten. “Medien können den Traffic innerhalb ihrer Webseite so besser kontrollieren”, meint Roebuck, “indem sie dem Zuschauer ermöglichen, weitere Informationen durch einen Klick auf eine News-Story aufzurufen und ihn dann über einen Link auf die gewünschte Webseite zu lenken. Ich nenne das ‘den Zuschauer im Content-Funnel zu halten.'”

Ferner sagt Roebuck, dass Zuschauer normalerweise, wenn eine Story sie interessiert, diese auf der Suche nach mehr Informationen auf Google recherchieren. “Dann sind sie ganz schnell von der Webseite runter, auf der sich das ursprüngliche Video befand, und lesen auf einer Wettbewerberseite weiter. Es ist für Medien und Nachrichtenanbieter sehr wichtig, die Aufmerksamkeit der Verbraucher aufrecht zu erhalten und deren Engagement zu steigern.”

Zusätzlich zur Story an sich könnten Zuschauer durch Clicktivated mit den Personen interagieren, die in einem Video zu sehen sind. Ein Medienanbieter könnte zum Beispiel auf seine eigenen Blogs oder Social Media-Konten verlinken und darüber hinaus Sponsoren-Möglichkeiten anbieten. Es ist nichts Neues, dass bestimmte Marken die Kleider einer TV-Persönlichkeit zur Verfügung stellen, aber die Chance, diese Gegenstände klickbar zu machen, ermöglicht ganz neue Verkaufsmöglichkeiten. Dadurch, dass Zuschauer so mit dem Video interagieren und die dort gezeigten Kleidungsstücke und Accessoires online einkaufen können, steigt der Wert einer solchen Medienpräsenz gewaltig – ebenso wie die Möglichkeiten zur Verbraucheranalyse.

“Die Daten von Clicktivated sind für alle Content-Produzenten von entscheidender Wichtigkeit. In der Nachrichten- und Medienwelt gewähren sie live Einblick darin, welche Storys, Personen oder Ausschnitte die meiste Aufmerksamkeit auf sich lenken. So können die Verbreitung und Platzierung von bestimmten Videos in Echtzeit angepasst werden, basierend auf den Ergebnissen dieser Analyse”, sagt Roebuck.

Aktuell ist Clicktable nur für Online-Videos auf Computern und mobilen Endgeräten verfügbar, aber das Team hofft darauf, ihren Service künftig auf Smart TVs auszuweiten, was große Veränderungen für die Werbeindustrie mit sich bringen könnte.

“Sie sind wirklich noch nicht ganz reif für eine solche Erfahrung”, meint Roebuck, “aber wir planen, uns in Richtung Fernsehen zu entwickeln, so dass Videos immer interaktiv sein können, egal wo und wie diese konsumiert werden.”