Interview mit dem Blog Vegan Guerilla – “Die PR nimmt Blogger als Partner ernst”

Vegan Guerilla_Sarah KaufmannDies ist ein Gastbeitrag von Christina Lindner, Media Researcher bei Cision in Frankfurt.
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Im heutigen Interview sprechen wir mit Sarah Kaufmann (Foto: privat), deren Blog Vegan Guerilla es im Ranking der Top 10 ‚veganen‘ Blogs auf Platz 1 geschafft hat. Sie hat uns von ihren Erfahrungen und der Zusammenarbeit mit PR-Profis erzählt und davon, inwiefern ihre Reisen nach Brasilien ihre Küche und damit ihren Blog beeinflusst haben.

Warum leben Sie vegan?

Bevor ich Veganerin wurde, war ich Vegetarierin, wie viele, die irgendwann zum Veganismus umsteigen. In meinem Freundeskreis gab es viele Veganer. Deshalb fing ich an, mich darüber zu informieren. Damals habe ich noch gedacht: „Was esse ich dann überhaupt?“. Ich beschloss, es zunächst mit einer veganen Woche zu probieren. Die habe ich dann auf einen Monat verlängert. In dieser Zeit habe ich viel über Veganismus gelesen und mir auch Filme angesehen. Schließlich blieb ich dauerhaft bei einer veganen Lebensweise. So sind aus einem Monat inzwischen 4 Jahre geworden. Mittlerweile kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, mich nicht mehr vegan zu ernähren.

Haben Sie ein Lieblingsrezept aus Brasilien?

Durch mein Studium hat es mich für ein Jahr nach Foz do Iguacu, also direkt an die Grenze zwischen Brasilien, Paraguay und Argentinien, verschlagen. Die Ferien und die Wochenenden nutze ich natürlich auch dazu, die Region und das Land zu erkunden. Besonders lecker sind hier die vielen Tropenfrüchte, also Mangos, Maracujas, Ananas usw. In den großen Städten wie Rio oder São Paulo gibt es auch einige fantastische vegane Restaurants. An typisch brasilianischem Essen mag ich die vegane Version der Feijoada (ein Bohneneintopf) sehr gerne, der oft mit Farofa (geröstetem Maniokmehl) serviert wird. Beide Rezepte findet ihr auf meinem Blog.

Ihr Blog ist in unserem Cision Ranking für vegane Blogs in Deutschland auf dem 1. Platz. Was macht Ihr Blog so erfolgreich?

Ich nehme mal an, dass es die Vielzahl an unterschiedlichsten Rezepten (von Hauptspeisen über Süßes, bis hin zu Suppen, Salaten und Getränken (wie z.B. Smoothies) und nicht zuletzt die Fotos sind. Außerdem kann man die meisten Rezepte sehr leicht und schnell nachkochen. Viele Rezepte sind von meinen Reisen in Lateinamerika inspiriert. Darüber hinaus blogge ich auch über Bucherscheinungen, veganes Reisen, Veranstaltungen und auch mal über Tierrechts- oder Umweltfragen. So findet sich etwas Interessantes für jedermann, egal, ob jemand schon lange vegan lebt oder erst seit kurzer Zeit dabei ist oder vielleicht einfach mal in die vegane Welt reinschnuppern möchte.

Warum bloggen Sie?

Wie schon erwähnt war ich anfangs selbst unsicher, was ich überhaupt noch essen „kann“. Schnell stellte ich fest, dass die vegane Küche unglaublich vielfältig ist und eben nicht nur aus Ersatzprodukten und Körnern besteht. Es hat mir viel Freude gemacht, neue Zutaten auszuprobieren und zu experimentieren. Diese Freude wollte ich mit meinem Blog weitergeben. Ich denke, das gelingt mir auch ganz gut.

Warum sollten wir Ihr Blog lesen?

Um Inspirationen für das nächste Essen – sei es ein Snack für zwischendurch oder ein Dinner mit der ganzen Familie – zu finden, eventuell auch, um mit ein paar Vorurteilen gegenüber veganer Ernährung aufzuräumen oder um sich einfach nur zu informieren.

Wie haben Sie Ihre Reichweite ausgebaut? Welche Rolle spielen dabei für Sie soziale Medien?

Meine Rezepte und Blogeinträge teile ich meist auch via Facebook, Twitter und Google+, wobei ich letzteres allerdings am wenigsten nutze. Twitter versuche ich vermehrt mit einzubinden, auch um andere Informationen weiterzuleiten. Am meisten nutze ich Facebook, das mir auch beim Aufbau meiner Reichweite am meisten geholfen hat. Dort teile ich Neuigkeiten aller Art, über die ich nicht immer blogge, wie etwa Zeitungartikel zu den Themen Veganismus oder Umweltschutz, Food- und Tierrechts-Veranstaltungen, Bilder und vieles mehr.Screen Facebook: Vegan Guerilla

Welche Blogs lesen Sie gern?

Wenn ich die Zeit finde, schaue ich gerne mal beim Veganblog.it, der Post Punk Kitchen oder bei The Lotus and The Artichoke rein.

Welche Rolle spielen klassische Medien für Ihren Blog?

Als Inspirationsquelle: keine. Den Fernseher habe ich vor 9 Jahren vor die Tür gesetzt und es keine Sekunde bereut. Magazine lese ich, aber nur online und eher selten als Inspiration fürs Kochen. Ich gehe lieber raus und schaue, was bei anderen so auf dem Teller landet. Oder ich schaue mich im Supermarkt nach Produkten um, die ich selten oder sogar noch nie verwendet habe, und experimentiere damit herum. Fernseh- oder Radiointerviews habe ich bisher keine gegeben, dafür aber diverse Interviews mit Magazinen und Zeitungen.

Sie haben im Dezember 2011 Ihr Buch „Vegan Guerilla – Die Revolution beginnt in der Küche“ veröffentlicht. Wie kamen Sie auf diesen Titel?

Der Buchtitel ist letztlich der Titel meines Blogs bzw. Logos, bloß ins Deutsche übersetzt, und entstand dementsprechend schon vor gut drei Jahren in den Anfangszeiten meines Blogs. An dieser Stelle möchte ich jedoch betonen, dass Veganismus für mich natürlich ganz klar auch außerhalb des Tellers stattfindet und auch Kleidung, Kosmetik usw. umfasst. Ich denke zwar, dass mit jeder veganen Mahlzeit, die auf einem Teller landet, schon geholfen ist. Darüber hinaus müssen wir aber unser gesamtes Konsumverhalten hinterfragen, um unsere Welt ein kleines bisschen besser und gerechter zu gestalten.

Wie vereinbaren Sie Ihr Studium und Ihre Reisen mit Ihrer Arbeit als Bloggerin?

Das ist manchmal gar nicht so einfach, da alle diese Dinge sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und die Arbeit hinter dem Blog (z.B. Sachen, die ich lese oder schaue, bevor ich sie weiterleite oder darüber berichte, technische Probleme, mein überquellendes Mailfach, das Beantworten von Kommentaren usw.) ebenfalls eine ganze Menge, aber für meine Leser ja quasi „unsichtbar“ ist. Irgendwie klappt es dann doch immer, alles irgendwie zu vereinbaren.
Vor Reisen oder wenn ich weiß, dass stressigere Zeiten ins Haus stehen, versuche ich schon vorher ein paar Blogeinträge bzw. Rezepte vorzubereiten, um diese dann während dieser Zeit posten zu können. Manchmal klappt das ganz gut, manchmal leider nicht. Das merkt man dann daran, dass es zwischendurch mal Phasen geben kann, in denen ich nur wenig blogge. Da mittlerweile jedoch sehr viele Rezepte bei mir zu finden sind, denke ich, dass meine Leser mir das verzeihen.

Sie stellen auf Ihrem Blog auch Produkte vor und führen Verlosungen durch. Wie wählen Sie aus?

Prinzipiell schreibe ich nur über Produkte, von denen ich auch überzeugt bin. Verlose ich z.B. ein Buch, habe ich es vorher auch gelesen, verlose ich ein Produkt, habe ich mich ebenfalls eingehend darüber informiert und es getestet.

Wie funktioniert für Sie eine gute Zusammenarbeit mit PR-Profis?

Bei vielen E-Mails merkt man gleich, dass der Text reinkopiert und dieselbe Anfrage vermutlich an Dutzende Blogger verschickt wurde. Solche Anfragen beantworte ich meistens gar nicht. Wenn ich merke, dass ernsthaftes Interesse an einer Zusammenarbeit mit mir besteht und mir jemand persönliche E-Mails schreibt, sich also vorher mit meinem Blog auseinandergesetzt hat, dann antworte ich in der Regel und denke auch darüber nach, ob eine Kooperation sinnvoll wäre, ob das Produkt, die Firma oder das Projekt zu meinem Blog passen.

Haben Sie auch schlechte Erfahrungen mit PR-Profis gemacht?

Nein, bisher zum Glück nicht. Scheinbar habe ich bisher entweder erfolgreich durch meine Auswahl-Kriterien ausgefiltert oder Blogger werden mittlerweile als Partner ernst genommen. Ich würde mir letzteres wünschen.

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Vielen Dank an Sarah Kaufmann für das interessante Interview. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Vegan Guerilla und viel Spaß bei Ihren Reisen durch Brasilien!

Weitere Informationen über die Seite und ihre Autorin finden Sie auf der Info-Webseite von Vegan Guerilla. Besuchen Sie das Blog auch auf seinen sozialen Plattformen – bei Facebook, Twitter und Google+. Über das Buch von Frau Kaufmann können Sie sich hier informieren.

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