Interview mit A Very Vegan Life – „Der Einfluss von Blogs wird von vielen Unternehmen unterschätzt“

Dies ist ein Gastbeitrag von Christina Lindner – Media Researcher (Magazine – DACH) bei Cision Germany.
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Nach unserem Ranking der Top 10 veganen Blogs in Deutschland präsentieren wir heute unser Interview mit Lena Suhr, Autorin von A Very Vegan Life und in unserem Ranking auf Platz 10. Die leidenschaftliche Köchin und Bäckerin aus Hannover studiert Soziale Arbeit und bloggt seit November 2011 über die Vielfalt des veganen Lebens.

 

Warum leben Sie vegan?

Ich lebe seit dem Jahr 2008 vegan. Die bewusste Entscheidung dazu fiel von einem Tag auf den anderen. Davor landeten oft Steaks und anderes Fleisch auf meinem Teller. Allerdings mochte ich nur Fleisch, das mich nicht an das Tier, zu dem es gehörte, erinnerte. Knochen oder deutlich erkennbare Sehnen im Fleisch waren fϋr mich schon immer unakzeptabel, ebenso Fleisch von süßen Tieren wie Hasen oder Rehen. Ich hatte Vegetarier und Veganer in meinem Freundeskreis. Das hat mich dazu bewogen, mich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Ich habe nur einen Tag gebraucht, um mich für eine vegane Lebensweise zu entscheiden, denn ich wollte das Leid der Tiere nicht mehr einfach so hinnehmen. Auβerdem hat Veganismus einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und fördert den Umweltschutz.

Mit welchen Vorurteilen kämpfen Veganer?

Früher habe ich mir oft sagen lassen, dass Veganismus nicht mit einem modernen Leben vereinbar sei. Ich denke aber, dieses Vorurteil ist mittlerweile widerlegt worden, denn Veganismus ist inzwischen zu einem Trend geworden, der sich hoffentlich dauerhaft hält. Mich stört auch, dass viele Menschen denken, alle Veganer seien gleich und hätten dieselben Überzeugungen. Das stimmt nicht. Es gibt viele verschiedene Grϋnde, warum Menschen sich fϋr ein veganes Leben entscheiden und sie sind so vielfältig wie die Menschen selbst.

Im Cision Blog-Ranking für vegane Blogs in Deutschland hat es Ihr Blog auf den 10. Platz geschafft – warum ist Ihr Blog so populär?

Wahrscheinlich wegen der Vielfalt an Themen. Das spricht viele Leser an. Ich bemϋhe mich darum, immer wieder andere Themen, Produkte und Rezepte aufzugreifen und mit viel Herzblut zu verarbeiten. Es finden sich also nicht nur Rezepte – oft inspiriert von der mexikanischen Küche oder Streetfood – im Blog, sondern auch Buchrezensionen, ein Bericht über meine Städtereise nach Barcelona, die Fashion Week in Berlin oder Urban Gardening. Dazu gibt es Empfehlungen für tierversuchsfreie, vegane kosmetische Produkte und sogar für praktische Küchengeräte. Alles, worüber ich schreibe, hat mit dem Thema Veganismus zu tun, auch meine Reiseberichte.
Cision-Chat mit A Very Vegan Life

Warum bloggen Sie?

Ich wollte zeigen, wie vielfältig die vegane Welt ist und dass Veganismus nicht bedeutet, dass man verzichten muss. Es gibt mittlerweile viele Produkte, fϋr deren Herstellung keine Tiere leiden mϋssen. Allerdings sind sie oft nicht entsprechend deklariert. Viele Menschen haben nicht die Zeit oder auch die Lust, lange nach solchen Produkten zu suchen, und greifen daher vielleicht schneller  auf konventionelle Produkte zurück. Da möchte ich Abhilfe schaffen. Ich bin sehr neugierig und ständig auf der Suche nach neuen Produkten. Wenn ich meine Erfahrungen und mein Wissen im Blog teile, kann ich für das Thema Veganismus sensibilisieren und dazu beitragen, das Konsumverhalten anderer möglicherweise zu verändern. Ich wollte von Beginn an vegane Produkte bekannter machen. Es freut mich daher sehr, dass vegane Produkte und Ernährung auch in Deutschland einen immer höheren Stellenwert bekommen und das Angebot stetig wächst.

Warum sollten wir Ihren Blog lesen?

Wegen der Themenvielfalt! In Zukunft möchte ich mich dabei allerdings mehr auf meine Lieblingsbeschäftigungen Kochen und Backen konzentrieren. Auβerdem gibt es einfach immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Wie haben Sie Ihre Reichweite aufgebaut? Welche Rolle spielen dabei soziale Medien?

Soziale Medien haben von Anfang an eine wichtige Rolle gespielt. Ich glaube, dass der Blog ohne sie nicht die Reichweite hätte, die er heute hat. Aber es ist nicht so, dass ich soziale Medien wie Facebook und Twitter bewusst nur zur Erhöhung meiner Reichweite benutze. Soziale Medien machen Spaβ, weil ich so schnell und unkompliziert mit meinen Lesern und anderen Bloggern kommunizieren kann.
Cision-Chat mit A Very Vegan Life

Welche Blogs lesen Sie selber?

Seit Jahren folge ich den sehr bekannten amerikanischen Blogs The Post Punk Kitchen und Thug Kitchen sowie den deutschsprachigen Blogs Veggie Love, Once Upon A Cream, The Lotus And The Artichoke und Veganpassion. Bei AVeryVeganLife.de sind auch alle weiteren Lieblingsblogs unter „Links“ verlinkt.

Gibt es ein empfehlenswertes Buch zu veganer Lebensweise?

Seit Jahren empfehle ich bei dieser Frage das Buch „Vegan! – Vegane Lebensweise für alle“ von Marc Pierschel. Allen, die einen kurzen Überblick und zahlreiche Tipps & Tricks zum Thema Veganismus im Alltag haben wollen, lege ich zudem den „Short Vegan Guide“ ans Herz. Dieses kleine E-Book kann man kostenfrei im Blog runterladen. Es wurde letztes Jahr von verschiedenen deutschen und österreichischen veganen Bloggern gemacht.

Wie vereinbaren Sie Ihr Studium mit Ihrer Arbeit als Bloggerin?

Mein Studium geht grundsätzlich vor. Das bedeutet leider, dass ich nicht alles umsetzten kann, was ich gern machen würde oder dass es manchmal eben länger dauert. Ansonsten ist das Bloggen für mich keine Arbeit, sondern ein geliebtes Hobby.

Sie beschreiben in Ihrem Blog auch vegane Produkte – warum?

Alle Produkte, die ich bei A Very Vegan Life vorstelle, habe ich selbst ausgesucht und getestet. Es ist mir sehr wichtig, dass ich meinen Lesern nur Produkte vorstelle, die ich uneingeschränkt empfehlen kann und die ihnen wirklich nützen. Nicht alle veganen Produkte sind nur deshalb, weil sie vegan sind, auch empfehlenswert. Grundsätzlich bin ich an allen veganen Produkten und Unternehmen interessiert. Außerdem sollten Produkte natürlich ohne Tierversuche hergestellt worden sein. Thematisch lege ich mich bewusst nicht fest. Neue Unternehmen, gerne auch Start-Ups, mit interessantem Packaging oder einer interessanten Unternehmensphilosophie interessieren mich dabei mehr als Produkte, die schon lange bekannt sind.

Wie sieht eine gute Zusammenarbeit mit PR-Profis aus?

Der Erstkontakt sollte immer per Mail erfolgen und zeigen, dass tatsächlich auch Interesse am Blog A Very Vegan Life und dem Thema Veganismus besteht und nicht nur an einer Verlinkung. Es sollte deutlich werden, dass Blogs als ein wertvolles Marketinginstrument gesehen werden. Bei der Gestaltung der Zusammenarbeit sollte meine Unabhängigkeit geachtet und meine ehrliche Meinung geschätzt werden. Ich freue mich sehr über langfristige Kooperationen.

Haben Sie schlechte Erfahrungen mit PR-Profis gemacht?

Leider ja. Das Wort Blogger Relations scheint so mancher PR-Agentur völlig unbekannt zu sein. Ich bekomme oft unpersönliche Pressemitteilungen, oft sogar ohne vorherige Kontaktaufnahme, für Produkte, die für meine Leser kaum von Interesse sind. Manchmal hat man mir auch ungefragt Produkte geschickt, die für meinen Blog überhaupt nicht passen. Als ich nichts darüber geschrieben habe, bekam ich zahlreiche E-Mails mit der Bitte, doch endlich einen Artikel darüber zu schreiben. Dieser müsse auch „nur 40 Wörter und eine Verlinkung beinhalten“. Auch Bestechungsangebote von übermotivierten PR-Agenturen landen inzwischen in meinem Postfach. Einige Male wurden Versprechungen nicht eingehalten und auf Nachfragen reagierte die Agentur nicht. Ich habe leider oft das Gefühl, dass Blogs als Marketinginstrument und ihr Einfluss von vielen Unternehmen noch unterschätzt werden und daher eine zu geringe Wertschätzung erfahren. Neuerdings werden Produkte für Produkttests unter Bloggern verlost. Das halte ich für die falsche Richtung. Unternehmen sollten lieber gezielt unterstützenswerte Blogs aussuchen, darin gezielt relevante Themen platzieren und langfristige Beziehungen aufbauen, als jeden x-beliebigen Blog bedienen zu wollen.

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