Seitdem der Print-Journalismus das Online-Publishing entdeckt hat, ist die ehemals so klar definierte Grenze zwischen Lesern auf der einen und Autoren auf der anderen Seite durchlässiger und transparenter geworden. Dass Leser heute Artikel und Posts zeitnah kommentieren und mit Autoren direkt interagieren können, hat die Art und Weise, mit Nachrichten umzugehen, nachhaltig verändert.

In den USA ist Gawker Media (die Cision Top 10 Gawker- Medienkontakte finden Sie hier) vor einigen Monaten einen Schritt weitergegangen und hat den hauseigenen und populären Autoblog Jalopnik für seine Leser geöffnet. Diese können seitdem ihren eigenen kleinen Blog auf der Seite betreiben.

In einer auf der Webseite platzierten Erklärung auf der Webseite des Jalopnik-Chefredakteurs Matt Hardigree kann jeder Leser nun auch “ein Autor sein, […] ein Herausgeber oder ein Verleger. Natürlich wird man immer noch lesen können, aber nun kann man eben auch selbst Inhalte beitragen.” Diejenigen Leser, die ein Profil auf der Seite einrichten, können mithilfe der Plattform eigene Blogbeiträge posten. Nutzer können aber auch in einer einfacheren Art und Weise publizierte Inhalte kommentieren sowie eigene Inhalte schreiben und teilen. Jalopnik geht sogar einen Schritt weiter und prüft, ob die Posts von Nutzern sich auch zur Veröffentlichung auf der eigenen Webseite eignen.

Screen Shot 2014-01-02 at 07.44.28“Wenn wir dann auch wirklich Inhalte von einem Nutzer reproduzieren oder wiederveröffentlichen, dann wird der jeweilige Verfasser auch genannt und bekommt so Anerkennung für sein Werk”, sagte Hardigree in seinem Blogpost. “Wenn wir nach der nächsten Generation von Schreibern für unsere Seite suchen, dann schauen wir uns auch genau an, wer sich auf Kinja hervorhebt [Kinja ist die Diskussionsplattform von Gawker].”

Viele Webseiten haben mittlerweile Leser in den Publishing-Prozess integriert und benutzen hierbei Bürgerjournalismus zum Beispiel als Quelle für Breaking News. So erlaubt iReport von CNN Nutzern, eigene Bilder und Videos hochzuladen und damit direkt zu den Nachrichten beizutragen. Andere Publikationen wie Forbes.com oder die Huffington Post benutzen mit einiger Regelmäßigkeit Inhalte von unternehmensfremden Beitragenden. Bei CNN iReport werden externe Inhalte allerdings nicht von Redakteuren geprüft oder kontrolliert, während Forbes.com zum Beispiel die Beiträge von externen Autoren prüft, auswählt und auch bezahlt. Auch wenn sich die Ansätze beim Generieren unternehmensfremder Inhalte der verschiedenen Organisationen grundsätzlich unterscheiden, ist das Konzept einer direkten Interaktion mit den jeweiligen Zielgruppen von hohem Interesse für diese traditionellen Publikationen.

Es gibt aber auch Kritiker: Obwohl Jalopnik klarstellt, dass Nutzer für deren auf der Seite publizierte Inhalte auch die notwendige Anerkennung durch eine namentliche Nennung bekommen, vermutet aber PR-Stratege Peter Himler – der auch selber für Forbes.com schreibt -, dass es bei diesem Ansatz wahrscheinlich einfach darum geht, Inhalte und Traffic in einer kosteneffizienten Weise zu erzeugen. “Wenn es hier wirklich darum gehen würde, die nächste Generation an Autoren mit einem hohen Qualitätsanspruch zu entwickeln, dann müsste diese auch bezahlt werden”, sagte er. “Worum es hier aber anscheinend geht ist, die redaktionellen Inhalte der Seite weiter auszubauen und davon direkt zu profitieren.”

Das Geschäftsmodell von Jalopnik, wie auch das von vielen anderen Publikationen, beruht darauf, Umsätze auf Basis der Anzahl der jeweiligen Klicks und Shares zu generieren. Aber die Diskussion um die Entlohnung der oftmals unbekannten Freischaffenden oder Blogger – entweder durch einen erhöhten Bekanntheitsgrad als direkte Konsequenz der Veröffentlichung von Artikeln oder eben durch eine Bezahlung – wird auf jeden Fall intensiv geführt. Die ausstehende Entscheidung des Gawker-Teams, die auf der Webseite publizierten Inhalte zu überprüfen und gegebenenfalls zu bearbeiten (oder nicht), kann weitere Probleme dieser neuen, nutzergetriebenen Plattform nach sich ziehen. “Der Ansatz bei Jalopnik unterscheidet sich klar von den Ansätzen bei Forbes.com oder bei der Huffington Post, denn meiner Meinung nach überprüfen die Redakteure von Jalopnik die Inhalte von externen Beitragenden nicht”, meinte Himler.

Trotzdem sagt Himler, dass er den Experimenten mit der Kommentar-Plattform von Nick Denton – einem ehemaligen Journalisten der Financial Times und dem Gründer von Gawker Media – sehr interessiert folgt.  Himler sieht nämlich klare Vorteile in der Entwicklung, die ehemals so klare Aufgabenteilung zwischen Lesern und Autoren aufzumischen. “Es ist auf jeden Fall ziemlich klug von Nick Denton, den Kommentarbereich der Seite so stark benutzerdefiniert aufzusetzen”, sagte Herr Himler. “Es gibt aber auch noch einige andere Plattformen, die einen ähnlichen Ansatz haben, zum Beispiel Disqus.”

Abhängig vom Erfolg plant Gawker das Konzept auf andere Publikationen anzuwenden. In seinem Post sagt Herr Hardigree, dass “wir durch die Öffnung unseres Universums eine Menge an Kontrolle bezüglich unserer eigenen weiteren Entwicklung nach außen abgetreten haben. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir nicht, was uns […] möglicherweise erwartet – das ist gleichzeitig spannend und beängstigend. Aber ehrlich gesagt, eher spannend!”

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Kontaktinfo:

Peter HimlerPeter Himler lebt in New York und ist ein PR- & Medien-Stratege bei Flatiron Communications. Herr Himler schreibt auch für Forbes.com.

Sie können Herrn Himler auf der Webseite von Flatiron Communications flatironcomm.com/ oder auf Twitter @PeterHimler erreichen.

Flatiron Communications ist ein PR & Medien-Strategie Unternehmen mit Sitz in New York – Peter Himler hat das Unternehmen im Jahre 2005 gegründet.

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Weiterführende Links:

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Video Kurznachrichten: ‘NowThis News’

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About Falk Rehkopf

Ehem. Geschäftsführer Cision Germany GmbH