“Klassische Medien werden von Einsteigern gelesen.” – Interview mit Fitness Blogger Hannes Christiansen

Wir setzen unsere Reihe an Interviews mit Deutschlands führenden Fitness-Bloggern fort. Nach unserem Gespräch mit Frau Claudia Bahlke vom Blog Claudi gives it a TRI, sprechen wir heute mit Herrn Hannes Christiansen vom “Laufblog: Lauf Hannes!” – einem der Top Blogs in Cisions Top Fitness Blog Ranking vom Mai 2013.

Wir haben uns mit Herrn Christiansen über seine Blogging-Erfahrungen und sein selbst-entwickeltes Online-Lauftagebuch Runalyze unterhalten sowie darüber gesprochen, welche Rolle traditionelle Medien – gerade für ihn als trainierten Läufer – spielen.

Warum haben Sie mit dem Bloggen begonnen? Wie haben Sie Ihre Reichweite aufgebaut?

Ich habe vor rund acht Jahren meine erste eigene Homepage gebastelt und dort auch eine News-Seite eingerichtet. Als ich dann mit dem Laufen angefangen habe, wurde daraus ein Laufblog. Das beschränkte sich anfangs auf nur eine handvoll Einträge pro Jahr. Im Jahr 2007 habe ich dann angefangen, etwas mehr zu bloggen – zu der Zeit hielten sich aber Leserzahlen und Kommentare sehr gering.

Indem ich selbst bei anderen Blogs gelesen und kommentiert habe, hat sich dann ein Jahr später langsam die Reichweite aufgebaut. Das war damals, ohne die sozialen Medien, noch deutlich schwieriger als es heutzutage wäre. Inzwischen bin ich in der Laufblogger-Szene recht etabliert und sehe das auch nicht mehr so verbissen.

Screen Shot 2013-06-26 at 04.48.15Was zeichnet Ihren Blog aus?

Ich bin als Läufer sehr ambitioniert und beschäftige mich viel mit meiner Trainingsplanung. Mit anderen ambitionierten Läufern kann man sich so sehr gut austauschen. Darüber hinaus bringe ich mit inzwischen rund sechs Jahren Lauferfahrung einiges mit und weiß bei Testprodukten, worauf es ankommt, und kann Lesern wertvolle Tipps geben. Außerdem hoffe ich, mit meinen Wettkampfberichten den einen oder anderen Läufer mitreißen zu können.

RunalyzeSie haben das Programm Runalyze selbst entwickelt – erzählen Sie uns bitte mehr darüber!

Fast jeder Läufer protokolliert sein Training auf die eine oder andere Weise. Keines der damals verfügbaren Lauftagebücher hat meinen Wünschen entsprochen und so habe ich meine Excel-Tabelle in ein echtes Lauftagebuch umgewandelt. Programmiert habe ich ohnehin sehr gerne.

Als erste Freunde sich davon begeistert zeigten und Interesse bekundeten, habe ich es dann als Projekt für jedermann betrachtet. Inzwischen sind über 1.000 Läufer in unserer Online-Version registriert und man hat weiterhin die Möglichkeit, eine eigene Installation zu verwenden. Das sind Dimensionen, da bin ich schon sehr stolz drauf.

Der besondere Vorteil von Runalyze ist, dass man über eine umfangreiche Konfiguration das Programm an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. In anderen Lauftagebüchern stört man sich meist über fehlende oder unnötige Felder oder Statistiken. Bei uns kann man sie einfach ausblenden.

Außerdem ist Runalyze so umfangreich wie kein anderes Lauftagebuch und versucht mit Formeln aus “Die Laufformel” von Jack Daniels die aktuelle Form eines Läufers zu berechnen. Die Rechenspiele sind in dieser Form einzigartig.

Für welches grosse Event trainieren Sie gerade?

Eigentlich müsste ich schon voll in der Vorbereitung für die Pfalzmeisterschaften über 10 km bei unserem diesjährigen Coca-Cola-Straßenlauf stecken. Aber auch ich habe mal, was Motivation und Training betrifft, einen kleinen Durchhänger. Durch den Kopf schwirrt mir derzeit eher ein großer Plan für den nächsten Sommer. Wer meinen Blog im letzten Sommer verfolgt hat, kann sich eventuell denken, was ich am 13.07.2014 vorhaben könnte. Genaueres verrate ich aber noch nicht. Um das in die Realität umsetzen zu können, muss ich erst einmal wieder gut in Form kommen.

Wenn Sie zurückdenken, was sind Ihre besonderen Erfolge?

“Erfolge” klingen mir zu ergebnisorientiert. Ich erinnere mich vor allem gerne an die besonderen Erlebnisse: Dazu gehört der Läuferzehnkampf 2011, bei dem ich an vier Tagen die Distanzen von 60m bis 10.000m absolviert habe. Aber auch der 50 km Ultramarathon in Rodgau in diesem Januar ist mir vor allem aufgrund der intensiven Vorbereitung während meines Auslandssemesters in Schweden und dem Treffen von vielen über das Bloggen kennengelernten Läufern im Kopf geblieben.

Interview mit Hannes Christiansen

Welches ist Ihr liebster Lauf-Schuh?

Ich muss leider zugeben, dass der Brooks Pure Connect mein Liebling ist. Leider, weil ich die Aufregung und Ankündigungen rund um die Pure-Reihe zu übertrieben fand. Aber auch wenn der Schuh nicht so minimalistisch oder außergewöhnlich ist, wie er angekündigt wurde: Meine Füßen fühlen sich darin pudelwohl. Einziges Problem: Mein Paar ist mit 1.300 km schon ziemlich durchgelaufen und hat das ein oder andere Loch zu viel.

Welche Tipps haben Sie für andere Läufer, die ebenfalls einen Blog starten wollen?

Mit WordPress hat man schnell einen Blog erstellt. Ich würde mir häufiger ein individuelles Design wünschen. Denn inzwischen gibt es sehr viele Blogger und irgendwie muss man herausstechen. Wer einen Blog starten möchte, sollte sich also vorher überlegen: Warum? Worüber möchte ich schreiben? Wer soll es lesen? Gebt euch Zeit, habt Geduld und bleibt am Ball. Wer Interessantes schreibt, wird auch seine Leser finden.

Welche anderen Blogs lesen Sie?

Die Liste meines Feedreaders ist sehr lang. Hervorheben möchte ich daraus unter anderem bennr.de, der letztes Jahr das EM-Laufspiel organisiert hat, und timekiller.de, der mit seinem hervorragenden Schreibstil aus der Masse an Laufblogs heraussticht.

Welche Rolle spielen soziale Medien für die Sport/Fitness-Industrie?

Soziale Netzwerke sind unter Läufern zum Austausch und zur gegenseitigen Motivation inzwischen sehr wichtig geworden und sehr hilfreich. Entsprechend wichtig sind die sozialen Medien auch für die Hersteller. Über Gewinnspiele oder ähnliches können die Hersteller dort sehr einfach eine sehr hohe Markenbindung herstellen.

Was halten Sie im direkten Vergleich von den klassischen Medien?

Klassische Medien wie beispielsweise die RunnersWorld haben noch immer eine sehr hohe Auflage. Sie werden aber meinem Eindruck nach vor allem von Einsteigern gelesen. Ich persönlich lese nur äußerst selten eines dieser Laufmagazine.

Welche PR-Taktiken missfallen Ihnen?

Dass Läufer kostenlos Testprodukte erhalten, um über diese zu berichten, ist inzwischen zur Normalität geworden. Läufer können aber nur vernünftige und einigermaßen objektive Urteile abgeben, wenn sie einen Überblick über die verschiedenen Sachen haben. Wenn ein Läufer von einer Marke vollständig ausgerüstet wird und nur diese Marke trägt, kann er sie wohl kaum mit anderen Marken vergleichen. Wenn sich ein Hersteller auf diese Weise einen unerfahrenen Tester quasi erkauft, weiß ich, dass ich die Testberichte nicht lesen werde.

Wie würden Sie persönlich gerne mit PR-Leuten zusammenarbeiten?

Ich wünsche mir eine ehrliche und offene Zusammenarbeit, die teilweise ja schon stattfindet. Laufblogs sind keine PR-Blogs, die blind jede Pressemitteilung publizieren. Laufblogger sind keine Journalisten, die damit ihr Geld verdienen. Entsprechend sollte man auch an uns herantreten und uns nicht nur in einen Presseverteiler stecken.

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Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Christiansen für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg mit Laufblog: Lauf Hannes!

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Weiterführende Links:

Fitness – Top 10 Blogs in Deutschland

Running & Jogging – Top 10 Blogger auf Twitter in den USA

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Gesundheit & Fitness – Top 10 Blogs in Schweden

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