Kommentar zum ‘Social Journalism Barometer 2012’

Im September 2012 hat Cision das Social Journalism Barometer 2012′ veröffentlicht – als Gradmesser der Social Media-Fitness spiegelt dieses Barometer die Einstellung und Nutzung von sozialen Medien durch Journalisten in 8 Ländern wider.

Platz 1 für Kanada – Platz 2 für die USA

Die befragten Journalisten in Kanada und den USA zeigen durchweg die höchsten Werte in Bezug auf Nutzung, Einstellung, Wissen und der praktischen Anwendung von sozialen Medien im Arbeitsalltag. Nordamerikanische Journalisten sind in der Tat führend in der Einbettung sozialer Medien in die Berufspraxis. Zudem zeigen die Studienergebnisse deutlich, dass sich die Nutzung von sozialen Medien nicht auf jüngere Journalisten beschränkt. Ganz im Gegenteil: soziale Medien werden von einer sehr grossen Anzahl von Journalisten über die verschiedenen Mediengattungen, Altersstrukturen und Organisationsgrößen hinweg in der Arbeit eingesetzt.

Diese intensive Nutzung von sozialen Medien stellt eine Herausforderung dar für die eher traditionellen Ansätze Zielgruppen zu erreichen und hat daher einen direkten Einfluss auf die von PR Profis angewandten Kommunikationsmethoden sowie die weitere Verbreitung von Informationen durch Journalisten. Medienorganisationen sollten Social Media Strategien als integrierten Teil ihrer Prozesse betrachten, um sicherzustellen, dass sie den Bedürfnissen des Marktes gerecht werden.

Platz 3 für Grossbritannien

Im Vergleich zum letzten Jahr ist die Nutzung von sozialen Medien unter Journalisten in Grossbritannien weiter gewachsen aber auch insgesamt sind soziale Medien von wachsender Bedeutung. Trotz der intensiven Nutzung verschiedenster Tools spielen Content Communities eine eher untergeordnete Rolle. Interessanterweise wächst die negative Einstellung zu sozialen Medien: Obwohl Journalisten soziale Medien benutzen – und dieses in erster Linie für Engagement – scheinen sie weniger überzeugt von den Vorzügen der Nutzung für sich selbst zu sein. Zudem bestehen auch Zweifel bezüglich des Einflusses von sozialen Medien auf den sich wandelnden Journalismus in Grossbritannien. Insgesamt scheint es, dass britische Journalisten soziale Medien nutzen weil sie es ‘müssen‘ und nicht notwendigerweise weil sie von deren Wertbeitrag überzeugt sind.

Platz 4 für Frankreich – Platz 5 für Australien

Social Journalism Country Barometer 2012Journalisten aus Frankreich und Australien gaben eine vergleichbares Niveau der Nutzung, des Wissens sowie der Einstellung zu sozialen Medien an. Im internationalen Vergleich liegen die Journalisten aus beiden Ländern im Mittelfeld und sind weder führend noch hinken sie hinterher. Journalisten nutzen soziale Medien primär als Quelle für Informationen und Stories und gerade im Vergleich zu den USA und Kanada scheint die Nutzung von sozialen Medien daher einseitig.

Arbeitsverbände und Medienorganisationen sollten Journalisten helfen – zum Beispiel durch ein erweitertes Trainingsangebot – die zurückhaltende Einstellung gegenüber sozialen Medien zu überwinden.

Platz 6 für Schweden

Die Diskrepanz zwischen der Nutzung einerseits und der Einstellung zu sozialen Medien andererseits ist nirgendwo grösser als unter schwedischen Journalisten. So liegen diese lediglich im Mittelfeld wenn es um die Nutzung, Kenntnisse sowie die Anzahl und Vielfalt von benutzten Tools geht. Schwedische Journalisten sind aber sehr positiv, wenn es aber um die die erwarteten Effekte der Nutzung sozialer Medien auf den Berufstand geht. Sie sind ebenso positiv in der Einschätzung ob die Hindernisse in der Nutzung von sozialen Medien überwindbar sind.
Um die weitere Verbreitung von sozialen Medien zu fördern, sollte man auf die allgemeine positive Bewertung von sozialen Medien unter schwedischen Journalisten bauen und durch eine bessere Aufklärung und Training die Lücke zwischen Einstellung und Nutzung verkleinern.

 Platz 7 für Finnland

Zwar benutzen Journalisten in Finnland soziale Medien im Arbeitsalltag, tun dies aber im internationalen Vergleich mit einem geringeren Engagement in Bezug auf alle untersuchten Bereiche journalistischer Aktivitäten. So ist zum Beispiel die Nutzung von sozialen Medien als Quelle und Inspiration für Social Journalism Country Barometer 2012Stories gering. Finnische Journalisten erscheinen eher als passive Nutzer und setzen soziale Medien bevorzugt für die Medienbeobachtung ein. Zudem geben finnische Journalisten einen eher niedrigeren Kenntnisstand an und daher ist auch der weniger weit verbreitete Einsatz von sozialen Medien nicht überraschend.
Interessanterweise – und hier vergleichbar zu den Kollegen im Nachbarland Schweden – haben finnische Journalisten eine sehr positive Einstellung zu sozialen Medien. Daher scheinen Defizite in der Aufklärung und des Wissens um soziale Medien einem weiter verbreiteten Einsatz im Wege zu stehen.

Platz 8 für Deutschland

In Deutschland zeigten die befragten Journalisten durchweg die niedrigsten Werte in Bezug auf die Nutzung, Einstellung, das Wissen sowie das Engagement mit sozialen Medien. Besonders auffällig ist die sehr niedrige Anzahl an Stunden, die deutsche Journalisten jeden Tag mit sozialen Medien verbringen. Social Journalism Country Barometer 2012Im Vergleich zu den anderen Ländern in dieser Umfrage ist die Nutzung von sozialen Medien auch unter deutschen Verbrauchern wesentlich geringer.
So scheint es, dass einige soziale, regulatorische und technologische Barrieren aus dem Weg geräumt werden müssen bevor eine weitergehende Nutzung sozialer Medien durch Journalisten und Verbaucher möglich ist.

Interessanterweise zeigt sich eine Polarisierung unter deutschen Journalisten wenn man sich die Ergebnisse der Studie näher anschaut. Die Gruppe der Skeptiker einerseits mit einer geringen Nutzung und einer eher negativen Einstellung zu sozialen Medien ist fast ebenso gross wie die Gruppe von Promotern die soziale Medien benutzen und auch positiv bewerten. Die beiden Gruppen unterscheiden sich im Alter und in der Mediengattung für die sie primär arbeiten – mehr Details hierzu in der ‘Social Journalism Studie 2012 – Report für Deutschland’ der im Oktober 2012 veröffentlicht wird.

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Über die Cision Social Journalism Studie

Die Cision Social Journalism Studie wird erstellt, um das Verständnis der Medienindustrie über die Annahme sozialer Medien durch Journalisten zu bestimmen sowie die Auswirkungen benutzter sozialer Medien, Technologien & Prozesse auf die journalistische Arbeit zu vertiefen.

Die diesjährige Analyse (inklusive des Social Journalism Barometers) beruht auf Daten von 3.650 vollständig beantworteten Umfragen, die im Sommer 2012 in 11 Ländern gesammelt worden sind. Insgesamt betrug die Rücklaufquote 3.47%; Die Ergebnisse der Befragung beruhen auf einem Anteil von 47% Frauen und 53% Männer. Die statistische Analyse, basierend auf einem Konfidenzintervall von 95%, untersuchte die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Untergruppen der befragten Gesamtpopulation.

Cision & die Canterbury Christ Church University führen diese Umfrage im Jahresrhythmus durch.

Das Team:

Falk Rehkopf
 (MBA, BA) – Geschäftsführer, Cision Germany GmbH
Dr Ágnes Gulyás – Leitende Dozentin, Fachbereich Medien, Canterbury Christ Church University
Kristine Pole – Hauptdozent Marketing, Fachbereich Medien, Canterbury Christ Church University