‘Narratively’ – Menschliche News aus New York City

'Narratively' - Menschliche News aus New York City

Es ist nicht schwer, Zugang zu den News in New York City bekommen. Sollte ein Computer oder ein Smartphone nicht in Reichweite sein (was unwahrscheinlich ist), können Eilmeldungen entweder über Laufschriften, auf den überall flimmernden Fernsehbildschirmen oder auf den Titelseiten von Zeitungen – die an jeder Ecke verkauft werden – gelesen werden; und das 24 Stunden am Tag. Es gibt aber einige Nachrichten und Geschichten, die wesentlich weniger leicht zugänglich sind: Geschichten in denen der menschliche Aspekt im Mittelpunkt steht und genau hier setzt die die neue Webseite Narratively an.

Noah Rosenberg, der unter anderem für die New York Times schreibt, ist der Gründer und Herausgeber von Narratively. Herr Rosenberg hatte die Idee für Narratively, nachdem ihm aufging, dass viele New Yorker auf der Suche nach einer Alternative zum konstanten Fluss von News und Informationen im 140 Zeichen Takt sind.

Narratively Artikel - Tense Times in Graffiti Town“In meiner Arbeit als Journalist hat mich der menschliche Aspekt schon immer wesentlich mehr interessiert. Meiner Meinung nach ist es genau diese Human Interest-Komponente, die hilft den wahren Charakter und die Vielfalt einer Stadt zu beschreiben. Und dann hatte ich die Idee einer digitalen Plattform; diese Plattform sollte es möglich machen, das Potenzial zu verdeutlichen, das in dieser einzigartigen und wichtigen Art Geschichten zu erzählen liegt.

Herr Rosenberg erzählte einem Kollegen, dem Journalisten Brendan Siegel, von seiner Idee. Zusammen mit weiteren Kollegen (die schon für CNNThe New Yorker und NPR geschrieben haben) fanden dann verschiedene Brainstorming-Sitzungen statt, denn eine spezifische Arbeitserfahrung hatten alle: News aus New York zu berichten.

‘Jeder Journalist hat mindestens eine Story – wahrscheinlich mehr – aber keine passende Publikation und so liegen viele dieser Geschichten unveröffentlicht herum,” sagt Herr Rosenberg. “Genau das hoffe ich mit Narratively zu erreichen: einen Ort zu kreieren, an dem qualitativ hochwertige Geschichten erzählt werden können, die nicht unbedingt mit einem spezifischen Nachrichtenereignis zusammenhängen.”

Offiziell startete Naratively am 7. September 2012 und schon wenig später war das Ziel erreicht (und dann auch bald übertroffen) $50,000 an Starthilfe über die crowdsourcing-basierte Funding-Seite Kickstarter einzusammeln. ‘Das wäre ohne soziale Medien nicht möglich gewesen. Erst die Konversationen auf den verschiedenen Plattformen da draussen gaben uns den notwendigen Impuls unser Ziel zu erreichen, sagte Herr Rosenberg. “Wir beide würden heute nicht miteinander reden, wenn es soziale Medien nicht geben würde. Vom Geld mal abgesehen, worüber ich mich wirklich am meisten freue, ist dass wir seit Kickstarter aus allen Ecken der Welt über Facebook, Twitter und Email bombardiert werden von Leuten die Narratively mögen.

Narratively Artikel - To Cleveland, With LoveHerr Rosenberg erklärt, dass das Konzept des ‘Long-form Journalism‘ nicht neu ist und dass Journalisten wie Norman Mailer dieses schon vor Jahrzehnten in die Praxis umsetzten. Aber die heutige Technologie macht den Unterschied. “Wir unterscheiden uns, in dem wir verschiedene digitale Tools sowie unsere Plattform benutzen, um mit den Leuten da draussen in einer neuen und innovativen Art zu interagieren,” sagte Herr Rosenberg. “Mit den gigantischen Marktdurchdringungsraten von Facebook und Twitter können wir unseren Bekanntheitsgrad steigern und gleichzeitig Feedback, Kritik und Ideen von Orten fernab von New York einsammeln und nutzen.”

Und genau das unterscheidet Narratively von anderen Projekten wie zum Beispiel The Atavist oder Byliner. Es werden zwar verschiedene Techniken benutzt (Dokumentarfilme, Fotoessays oder Audioportraits), aber Narratively erzählt exklusiv Stories aus der lokalen, New Yorker Perspektive. Herr Rosenberg hofft jedoch auf eine baldige Explansion in andere Städte.

“Das Problem, das wir hier versuchen zu lösen, ist das niemand bisher in dieser Art und Weise auf lokaler Ebene gearbeitet hat,” sagte er. “Wir sind überzeugt, dass wir die Plattform für Narratively erst in New York perfektionieren müssen, bevor wir geografisch expandieren können. Aber es stimmt mich schon nachdenklich, wenn ich mir vorstelle, welche Vorteile unser Ansatz bringen würde für Orte ohne eine lebendige Medienlandschaft oder wo ein Zeitungssterben stattgefunden hat. Sobald wir die richtigen Partnerschaften eingegangen sind und das Business Model sich bewiesen hat, wird es für uns kein Halten mehr geben’.

Herr Rosenberg, wir bedanken uns bei Ihnen für das Gespräch!
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Februar 2013 Update: Narratively lanciert Kurzgeschichten – Narratively Shorts
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Weiterführende Links:

Private: Travel8: Kurzinterview mit Johannes Klaus von Reisedepeschen

Ein Gespräch mit Erica Futterman – Chefredakteur bei BuzzFeed

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