Nutzung sozialer Medien durch deutsche Journalisten: Auch 2013 bleiben „Skeptiker“ die größte Gruppe

Nutzung sozialer Medien durch deutsche Journalisten: Auch 2013 bleiben „Skeptiker“ die größte Gruppe

Cision führt die Social Journalism-Studie im Jahresrhythmus in Kooperation mit der Canterbury Christ Church University durch. Einzigartig an der Studie ist eine Typologisierung deutscher Journalisten nach fünf typischen Nutzerprofilen: „Architekten“, „Jäger“, „Beobachter“, „Promotoren“ und „Skeptiker“. Diese Typen unterscheiden sich in der Nutzung von und Einstellung zu sozialen Medien im journalistischen Arbeitsalltag. Wir haben ermittelt, wie deutsche Journalisten soziale Medien nutzen, welche Faktoren den Gebrauch beeinflussen, über welche Kenntnisse sie bezüglich der Tools verfügen und welche Haltungen sie zum Einfluss sozialer Medien auf Berufspraxis und den eigenen Berufsstand haben.

Cision Social Journalism Studie-2013: Nutzerprofile deutscher Journalisten "Skeptiker"Mit 27% stellen die „Skeptiker“ die größte Gruppe unter allen deutschen Journalisten – das entspricht einem Abfall von 8%, da im letzten Jahr noch 35% Teil dieser Gruppe waren. Wesentliches Kennzeichen dieser Gruppe ist, dass sich die Mitglieder in einem frühen Stadium der Social Media-Lernkurve befinden und soziale Medien nur widerwillig und auch nur eine geringe Spannbreite an Social Media-Tools benutzen – manche von ihnen verweigern sich sozialen Medien auch komplett. Nur wenige der typischen journalistischen Arbeitsprozesse werden mithilfe von sozialen Medien erledigt. Wenn „Skeptiker“ überhaupt soziale Medien nutzen, dann am häufigsten zur Informationsbeschaffung oder Recherche. Auch die passive Nutzung im Sinne von Social Media Monitoring-Tools ist im Vergleich zu allen anderen Typen am geringsten. Da sie nicht viel mit anderen Nutzern über soziale Medien interagieren – zum Beispiel durch das Reposten der Inhalte Anderer –, geben 93% aller „Skeptiker“ an, nicht einen einzigen Follower oder Freund in den von ihnen verwendeten sozialen Netzwerken zu haben. Mitglieder dieser Gruppe sind zumeist männlich (62%) und älter (67% sind über 46 Jahre alt) und arbeiten bei Print-Magazinen (59%), schreiben Nachrichtenmeldungen (29%) und Rezensionen (25%). Diese Gruppe bevorzugt es, von PR-Profis per E-Mail (70%) und per Telefon (43%) kontaktiert zu werden.

Cision Social Journalism Studie-2013: Nutzerprofile deutscher Journalisten "Jäger"22% aller deutschen Journalisten passen auf das „Jäger“-Profil – ein Anstieg um 10% im Vergleich zum letzten Jahr. Somit ist diese Gruppe seit 2012 am stärksten angewachsen. „Jäger“ nutzen viele Formen sozialer Medien, hauptsächlich zur Veröffentlichung und Verbreitung der eigenen Inhalte und zur Informationsrecherche. Sie nutzen Social Media-Tools aber auch regelmäßig zum Aufbau und zur Pflege ihres beruflichen Netzwerks. 96% aller „Jäger“ posten häufig die eigenen Inhalte in sozialen Medien (Twitter ist hier der klare Favorit), kommentieren aber nur selten die Arbeit Anderer. Informationen mithilfe sozialer Medien zu verifizieren liegt „Jägern“ fern, jedoch stehen sie insgesamt diesen sehr positiv gegenüber und so stimmen 91% zu, dass sie ihren Zielgruppen mithilfe sozialer Medien näher kommen. „Jäger“ arbeiten zumeist in Magazinen für kleine Verlage und sind zwischen 28 und 45 Jahren alt. Obwohl sie es bevorzugen, von PR-Profis per E-Mail kontaktiert zu werden (89%), sind sie auch überdurchschnittlich häufig mit der Kontaktaufnahme über das Telefon, über Nachrichtenagenturen oder per Post einverstanden.

Cision Social Journalism Studie-2013: Nutzerprofile deutscher Journalisten "Architekten"Die Zahl der deutschen Journalisten, die zu den „Architekten“ zählen, sank von 21% im Jahr 2012 auf 18% in diesem Jahr. Diese Journalisten verbringen nicht nur mehr Zeit mit sozialen Medien als jede andere Gruppe, sondern nutzen auch eine sehr breite Spanne an Tools für eine Vielzahl verschiedener Aufgaben. Nach eigenen Angaben kennen sie sich mit sozialen Medien hervorragend aus – 32% nennen sich selbst Social Media-Experten. „Architekten“ sind zudem die aktivste Gruppe wenn es um das Erstellen von Inhalten geht und sind Vordenker und Triebkräfte beim beruflichen Netzwerken – um sie herum bilden sich oft ganze Content-Netzwerke. „Architekten“ sind zumeist männlich (63%), Online-Publisher (56%) und verbringen die meiste Zeit mit sozialen Medien – bei 7% sind es mehr als acht Stunden pro Tag. 59% aller „Architekten“ sagen, dass sie ohne soziale Medien ihre Arbeit nicht ausführen könnten, und 58%, dass soziale Medien ihre Produktivität steigern.

 

Cision Social Journalism Studie-2013: Nutzerprofile deutscher Journalisten "Promotoren"Die Anzahl der „Promotoren“ hat sich im letzten Jahr von 9% auf 17% fast verdoppelt. Die so genannten „Promotoren“ sehen soziale Medien positiv, nutzen diese häufig und zu vielerlei Zwecken, hauptsächlich aber – wie der Name schon sagt – zur Publikation und Promotion ihrer eigenen Inhalte. Sie verfügen nach eigenen Angaben über gute Tool-Kenntnisse und haben eine hohe Anzahl an Followern. Vom Alter her sind die Mitglieder dieser Gruppe die jüngsten (11% sind 18-27 und 69% 28-45 Jahre alt). „Promotoren“ nutzen regelmäßig eine ganze Palette von sozialen Medien – bis zu 6 verschiedene Werkzeuge allein zur Recherche. Besonders gefragt sind bei den „Promotoren“ die sozialen Netzwerke wie zum Beispiel Facebook. Mindestens einmal in der Woche verfolgen sie Gespräche über ihre eigenen Inhalte in sozialen Netzwerken. In der Arbeit mit PR-Profis wird E-Mail als Kontaktmethode bevorzugt (96%), weit vor sozialen Medien (26%).

 

Cision Social Journalism Studie-2013: Nutzerprofile deutscher Journalisten "Beobachter"Mit 23% waren „Beobachter“ 2012 noch die zweitgrößte Gruppe, stellen aber heute nur noch 17%. Als „Beobachter“ klassifizierte Journalisten tun genau das: beobachten. Zwar besuchen sie mindestens einmal in der Woche soziale Netzwerke, aber sie nutzen eine eher eingeschränkte Anzahl an Formen sozialer Medien und auch diese hauptsächlich dazu, die Inhalte Anderer zu lesen und Informationen zu recherchieren. Dem selbsteingeschätzten geringen Wissensstand entsprechend, erstellen „Beobachter“ wenig eigenen Content und teilen diesen auch sehr selten in sozialen Netzwerken – obwohl sie bis zu zwei Stunden am Tag mit der Nutzung sozialer Medien verbringen (91%). Diese Gruppe verteilt sich relativ gleichmäßig über zwei Altersklassen: 52% sind 28-45 Jahre alt, 42% über 46. Beobachter sind häufiger männlich, selbständig und arbeiten im Print-Umfeld. Allgemein sind ihre Einstellungen hinsichtlich sozialer Medien eher negativ. 48% verneinen, dass Online-Quellen wichtiger seien als Offline-Quellen. Sie stimmen aber zu, dass soziale Medien ihnen eine größere Nähe zu ihren Zielgruppen ermöglichen (71%).

Die nun schon im fünften Jahr durchgeführte Cision Social Journalism-Studie basiert auf Daten von mehr als 3.000 vollständig beantworteten Umfragen von Journalisten aus 11 Ländern und soll das Verständnis der Medienindustrie über die Auswirkungen sozialer Medien, Technologien und Prozesse auf die journalistische Arbeit vertiefen.