PRspektive: Markenboost durch Netzwerkpflege – Im Gespräch mit Ed James (Cornerstone PR)

Es war uns ein besonderes Vergnügen mit Ed James, dem Chef und Mitgründer von CornerStone PR, über seine Sicht auf die PR-Industrie zu sprechen. Im Interview erzählt uns Ed von seinen beruflichen Erfahrungen, den Beziehungen, die er im Laufe seiner Karriere aufgebaut hat, und hat auch verschiedene Tipps für Berufseinsteiger parat.

Warum haben Sie Cornerstone PR gegründet? 

Eigentlich wollte ich ja eine Künstlerkarriere verfolgen – Filme schreiben und Musik in Clubs spielen – startete dann aber meine Karriere in der Marketing- und PR-Abteilung einer unabhängigen Filmgesellschaft. Ursprünglich sollte dies zeitlich begrenzt sein, jedoch fand ich dann Gefallen an den alltäglichen Herausforderungen, der Strategie und Kreativität, welche die PR umfassen. Ich war begeistert. Bei Cornerstone hatte ich das Glück, mit meinen heutigen Partnern Rob Stone und Jon Cohen bereits vor der Gründung zusammengearbeitet zu haben. Während die Agentur damals schon innovative und bahnbrechende kreative Dienstleistungen anbot, fehlte eine PR-Abteilung. Wir diskutierten das zu dritt und entschieden, dass eine PR-Abteilung für bestehende Kunden durchaus sinnvoll wäre – außerdem gab uns die Gründung von Cornerstone PR auch die Möglichkeit, neue Kunden nur für PR-Dienstleistungen zu gewinnen.

Können Sie uns ein Beispiel eines Ihrer Lieblingsprojekte nennen, an denen Sie gearbeitet haben?

Sicherlich die Zusammenarbeit mit BitTorrent – Als die zu uns kamen, hatte BitTorrent ein großes PR-Problem: Wie ändert man die über Jahre gewachsene öffentliche Fehlwahrnehmung des Unternehmens? Da ich mich ernsthaften Herausforderungen mit Vorliebe stelle, interpretierte ich die Aufgabe als Chance und wir haben – zusammen mit dem kompetenten Cornerstone-Team – innerhalb eines kurzen Zeitraums den damals vorherrschenden Konsens in den Medien und die öffentliche Meinung geändert. Es ist natürlich immer schön zu sehen, wenn ein Plan funktioniert – vor allem in einem so kurzen Zeitraum. Was meine Arbeit besonders erfreulich macht, ist der enorme Enthusiasmus bei den internen Teams – einfach ein sehr kluges Team bestehend aus motivierten Experten. Zusammen mit dem Cornerstone-Kreativteam haben wir auch an einigen Schlüsselkampagnen für Diageo und Converse gearbeitet – das waren zunächst regionale Kampagnen, die sich seitdem zu globalen Initiativen für die jeweiligen Marken entwickelt haben. Es war wirklich sehr befriedigend, diese Entwicklung zu sehen und den direkten Einfluß dieser Kampagnen nicht nur erleben zu können, sondern ein Teil davon zu sein.

Sie leiteten das globale PR-Team der Gibson Guitar Corporation – Können Sie uns etwas über Ihre Erfahrungen erzählen? Können Sie jetzt Gitarre spielen?

Gitarre konnte ich eigentlich schon immer spielen … Das Interessante an der Position war, dass meine Aufgabe nicht darin bestand, mich auf Gitarren zu konzentrieren, sondern auf die Lifestyle-Komponenten der Marke, den „Gibson-Kult“. Während meiner Zeit dort kaufte das Unternehmen zwei Unterhaltungselektronik-Unternehmen auf und begann so, eine globale Präsenz aufzubauen. Für mich persönlich ergab sich mit diesem Job eine gute Weiterentwicklungsmöglichkeit, denn ich war auch verantwortlich für den Aufbau unseres internationalen PR-Teams mit einem Schwerpunkt auf Europa und Asien.

Welche Unterschiede gibt es in der Arbeit mit B2B- und B2C-Kunden?

Wir sind vor allem eine Lifestyle-Agentur und das bedeutet, dass das B2C-Geschäft den Großteil unserer Aktivitäten bestimmt. Wir arbeiten nur mit einigen wenigen B2B-Kunden und die wesentlichen Unterschiede liegen in der Auswahl der Medien, mit denen wir für die jeweiligen Projekte zusammenarbeiten. Ein weiterer Unterschied ist die Art und Weise, wie wir Nachrichten veröffentlichen und weiter verbreiten. Bei B2B ist sicherlich wichtig, sich bewußt zu sein, dass die direkte Zusammenarbeit mit Fachmagazinen nicht ausreicht. Man kann ein B2B-Publikum über verschiedene Wege erreichen, da ein Großteil der Zielgruppe zusätzlich zu den Fachmagazinen auch eine Vielfalt anderer Publikationen liest. Es gibt viele kreative Methoden, diese effektiv anzusprechen.

In Ihrer Rolle als Experte: Welche sozialen Netzwerke bevorzugen Sie persönlich? Werden Ihrer Erfahrung nach Journalisten gerne über soziale Medien kontaktiert? 

Ich selbst verwende Facebook, Twitter, YouTube, Instagram und einige mehr, halte aber konstant danach Ausschau, welche Neuerungen es gibt.

In der Arbeit mit Journalisten sind soziale Netzwerke scherlich ein gutes Tool, deren Arbeit zu kommentieren und ihnen zu folgen. So kann man sein Verständnis erweitern und aktuell halten, wenn es darum geht, zu verstehen, welche Bereiche diese abdecken. Einem direkter Pitch oder dem Versuch, einen Journalisten auf Facebook als Freund hinzuzufügen, obwohl er eigentlich keiner ist, erteile ich eine klare Absage.

Welche Rollen spielen ‘Influencer’?

Influencer spielen sicherlich eine wichtige Rolle; jedoch unter dem Vorbehalt, dass diese auch inhaltlich relevant sind. Nur weil jemand eine große Anzahl an Twitter-Followern hat, heißt das noch lange nicht, dass diese Person auch eine relevante, effektive Verbindung zur Marke hat.

Welche Trends in der PR-Branche finden Sie relevant?

Ich muss schon sagen, dass die schnell aufeinanderfolgenden Veränderungen in den vergangenen 20 Jahren in unserer Brache schon ein wenig wahnsinnig waren. Ein wesentlicher Trend ist aber sicherlich die relativ neue Unschärfe in der Unterscheidung zwischen Marketing auf der einen und Werbung auf der anderen Seite – eine klare Grenze gibt es so heute nicht mehr.

Zudem ist es in diesem Geschäft notwendig, Entwicklungen zu beobachten, sich der neuesten Trends immer bewusst zu sein und sich auch nicht zu scheuen, mit diesen zu experimentieren, um sie vollständig zu verstehen.

Welche Tipps haben Sie für Berufsanfänger in der PR?

Sich nicht zu beschränken – man sollte sich Herausforderungen stellen und versuchen, PR nicht nur für seine persönlichen Interessen und Leidenschaften zu verwenden. Man sollte auch viel lesen und dabei ist es nicht wichtig, ob einzelne Medien thematisch nicht das abdecken, woran man gerade arbeitet oder wofür man sich interessiert – man kann nie genau wissen, wo der nächste kreative Funke herkommen wird. Außerdem kann man so seinen Horizont ständig erweitern und einen besseren Job für seine Kunden abliefern. Teamfähigkeit ist sicherlich so entschiedend wie effektives berufliches Netzwerken – mit der Presse, Geschäftskontakten, etc. Es ist immer hilfreich, die richtigen Leute zu kennen und die richtigen Verbindungen zu pflegen.

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