Schweden – Mehrheit aller Journalisten arbeitet mit sozialen Medien; Bloggen wird klar abgelehnt

Schweden - Mehrheit aller Journalisten arbeitet mit sozialen Medien; Bloggen wird klar abgelehnt

Die  ‘Social Journalism Studie 2012‘ ist die bisher grösste mit 3.650 befragten Journalisten aus den USA, Kanada, Australien, Frankreich, Deutschland, GrossbritannienFinnland, Schweden, Italien, Spanien und den Niederlanden.

Der hier vorgestellte Report basiert auf den Angaben von 504 schwedischen Journalisten und informiert wie dort Journalisten soziale Medien bewerten und in ihrer Arbeit nutzen.

Die Studie hat auch 5 unterschiedliche Profile schwedischer Journalisten in Bezug auf Nutzung von und Einstellung zu sozialen Medien im Arbeitsalltag identifiziert: Jäger, Promotoren, Beobachter, Architekten und Skeptiker. Mit 36% aller Journalisten bilden die Skeptiker die grösste Gruppe in Schweden, gefolgt von den Jägern mit 23%, den Promotoren mit 20% und den Beobachtern mit 14%. Das Schlusslicht bilden die Architekten mit 6%.

Highlights der schwedischen Ergebnisse:

  • 97% aller Journalisten verwenden soziale Medien in der Arbeit
  • 31% gaben an, ohne soziale Tools nicht mehr arbeiten zu können
  • Networking ist der Hauptzweck in der Nutzung sozialer Medien (85%)
  • 89% aller schwedischen Journalisten benutzen soziale Medien mindestens einmal in einer typischen Arbeitswoche um Informationen zu beschaffen
  • Die beliebtesten sozialen Medien sind Content Communities und Crowdsourcing Seiten (86%)
  • 24% aller schwedischen Journalisten versuchen soziale Medien aus Bedenken bezüglich Datenschutz und Datensicherheit zu vermeiden
  • Das Bloggen ist sehr unbeliebt und so bloggen 51% aller schwedischen Journalisten nie

Nutzungsprofil: Die Skeptiker bilden die grösste Gruppe in Schweden

Die folgenden fünf Profile – die sich in Bezuf auf Nutzungsverhalten, Zweck, Kenntnisstand und der Einstellung zu sozialen Medien unterscheiden – wurden in Schweden identifiziert:

SkeptikerDie Skeptiker – 36% aller schwedischen Journalisten gehören zu dieser Gruppe. Skeptiker zeichnen sich durch eine negative Einstellung gegenüber sozialen Medien aus und erwarten langfristig negative Konsequenzen aus der Nutzung von sozialen Medien.

Die Jäger – 23% der schwedischen Journalisten gehören zu dieser Gruppe. Die Nutzung sozialer Medien ist von der Beschaffung von Infos getrieben sowie das eigene, berufliche Netzwerk zu erweitern.

PromotorenDie Promotoren – Diese 20% aller schwedischen Journalisten benutzen soziale Medien häufig mit dem Ziel die eigene Arbeit zu veröffentlichen und zu promoten.

Die Beobachter – Mit 14% eine der beiden kleinsten Gruppen, sind Journalisten die in diese Gruppe fallen, reguläre Nutzer von sozialen Medien. Hier geht es in erster Linie darum, Informationen zu beschaffen sowie die Medienlandschaft generell zu beobachten.

ArchitektenDie Architekten – Diese 6% sind die wirklich treibende Kraft wenn es um die berufliche Nutzung von sozialen Medien in Schweden geht. Architekten nutzen soziale Medien sehr häufig für ein breites Spektrum an beruflichen Aufgaben.

 

 

Im Vergleich zu 2011 – Was hat sich getan?


Social Journalism Studie - 2011
Im direkten Vergleich zu den Ergebnissen des letzten Jahres zeigen sich einige interessante Entwicklungen. Während die Nutzung von Content Communities und Crowdsourcing Seiten, Video und Foto Sharing-Seiten sowie Twitter sich kaum verändert hat, gab es eine sehr starke Abnahme in der beruflichen Nutzung von sozialen Netzwerken. Die Zahl der Journalisten hier viel von 70% in 2011 auf lediglich 15% in 2012. Auf der anderen Seite ist die Nutzung von beruflichen sozialen Netzwerken stark angestiegen. Es ist anzunehmen, dass schwedische Journalisten mit sozialen Tools arbeiten wollen, die klare Effektivitätsgewinne versprechen.
Die überraschend stark fallende Nutzung von Blogs durch schwedische Journalisten ist nicht leicht zu erklären. Es scheint, dass sie neue soziale Tools schnell und flexibel in den Arbeitsalltag einbauen, dann diese aber auch ebenso schnell mit neueren sozialen Tools ersetzen.

Die Einstellung gegenüber sozialen Medien ist gemischt und hat sich im Vergleich zu 2011 drastisch verändert – positiv und negativ. Die Mehrheit aller schwedischen Journalisten sagen, dass soziale Medien hilfreich sind beim Engagement mit Zielgruppen – jedoch ist diese Zahl von 73% in 2011 auf 56% in diesem Jahr gefallen. Crowdsourcing Seiten sind nun wesentlich beliebter – während im letzten Jahr nur 30% aller Journalisten der Überzeugung waren, dass diese Seiten einen positiven Einfluss auf den Journalismus haben, stieg diese Zahl auf nun 75%.
Wenn es um die Frage geht, ob soziale Medien die Produktivität erhöhen, sind die Antworten sehr gemischt. So bestätigten 40% aller schwedischen Journalisten dass soziale Medien ihre Produktivität erhöhen (43% in 2012). Aber, die Anzahl derer die ‘überhaupt nicht zustimmen’ dass soziale Medien die Produktivität erhöhen, hat sich von 10% auf 21% mehr als verdoppelt.

Die Zahl der Journalisten die befürchten, dass soziale Medien den Untergang für den Journalismus bedeuten, hat sich verringert. Während 37% im letzten Jahre Zweifel daran hatten, dass ‘soziale Medien eine Gefahr für den Journalismus’ an sich darstellen, teilen jetzt 63% diese Zweifel.

Es gab nur eine relativ kleine Veränderung in der Art und Weise, wie Journalisten von PR-Profis kontaktiert werden. Während die Top Tools 2011 in der Interaktion zwischen diesen beiden Gruppen, E-Mail, Telefon sowie persönliche Treffen waren, sind es in diesem Jahr E-Mail, persönliche Treffen gefolgt vom Telefon. Lediglich 2% aller Journalisten sagen, dass sie von PR-Profis über soziale Medien kontaktiert werden wollen – das entspricht Platz Nr. 5 nach E-Mail, persönliche Treffen, Telefon und Wire Services.

Merkmale in den Nutzungsprofilen schwedischer Journalisten

Die demografischen Hintergründe varieren stark je nach Nutzerprofil. Während Beobachter, Jäger und Architekten einen gleich grossen Anteil beider Geschlechter vorweisen, sind die Männer in der Überzahl unter den Skeptikern und Promotoren.
Schwedische Journalisten in der Altersgruppe 18-27 sind in der Tendenz eher Promotoren (44%) und in der Altersgruppe 46+ sind eher Skeptiker zu finden (49%).
Die Mediengattung hat auch einen Einfluss: Online Journalisten sind in der Tendenz eher Promotoren (38%) während Zeitungs-, Magazin- und RTV-Journalisten eher Skeptiker sind (44%, 46% und 36%). Schwedische Journalisten mit einer vornehmlich internationalen Leserschaft sind eher Promotoren (42%) und keine Jäger (7%) – verglichen mit Journalisten mit einer nationalen (24%) und regionalen/lokalen Leserschaft (25%).
Freischaffende Journalisten sind in der Regel keine Architekten (2%) und Journalisten die für grosse und mittelgrosse Publikationen arbeiten, sind selten Beobachter (12% und 10%) im Vergleich zu freischaffenden Journalisten (22%) und denen die für kleine Publikationen arbeiten (17%).

Social Journalism Studie 2012 - Schweden

Details zur Social Journalism Studie 2012

Dieser Report basiert auf den Angaben von 504 schwedischen Journalisten im Rahmen der Social Journalism Studie 2012. Es gab einen leichten Überhang an männlichen Teilnehmern (54% aller Teilnehmer waren männlich und 46% weiblich).
Die Altersgruppe von 18 bis 27 Jahren stellte die kleinste Gruppe dar (5%), während die Altersgruppen 28-45 (50%) und 45+ (45%) fast vergleichbar gross waren. 6% aller Befragten gab an, dass sie in der Hauptsache eine internationale Reichweite haben, 55% eine nationale Reichweite und 39% eher lokal/regional arbeiten.

Hier ist die Verteilung in Bezug auf die Mediengattungen in der die befragten Journalisten in der Hauptsache publizieren: Zeitungen 32%; Magazine 27%; Online 24%; RTV 17%.
30% aller Journalisten t für eine kleine Publikation, 33% für eine grosse Publikation, ein Viertel für eine mittelgrosse Organisation und 12% waren freischaffend tätig.

____________________________________________________

‘Social Journalism Studie’ – Das Team: 

Falk Rehkopf
 (MBA, BA) – Geschäftsführer, Cision Germany GmbH; @falk_rehkopf
Dr Ágnes Gulyás – Leitende Dozentin, Fachbereich Medien, Canterbury Christ Church University
Kristine Pole – Hauptdozent Marketing, Fachbereich Medien, Canterbury Christ Church University

____________________________________________________

Weiterführende Links:

Svenska journalister använder sociala medier till research och relationsbyggande (aufh Schwedisch)

Svenska journalister är beroende av sociala medier (auf Schwedisch)

Social Journalism Study 2102 – Sweden (Full Report; in English)

Social Journalism Studie – 2010

Social Journalism Studie – 2011

Social Journalism Studie – 2012 (Grossbritannien)

Social Journalism Studie – Journalistensegmente [Infografik] 2012 (Grossbritannien)

Tweets zur Studie gibts hier (auf Englisch)

Tweets zur Studie gibts hier (auf Deutsch)
Social Journalism Studie – 2012 (Report für Schweden)
Social Journalism Country Barometer [Infografik]
Interview mit Dr Gulyás: ‘Klassischer Journalismus und soziale Medien sind nicht vereinbar’

Schauen Sie bald einmal wieder vorbei, denn dieser Report wird bald veröffentlicht:

Social Journalism Studie – 2012 (Report für Deutschland)