Social Journalism 2015: Skepsis gegenüber sozialen Medien bei deutschen Journalisten sinkt weiter

Social Journalism 2015: Skepsis gegenüber sozialen Medien bei deutschen Journalisten sinkt weiter

Cision präsentiert weitere Highlights aus dem Deutschland-Report der Social Journalism-Studie 2014/2015. Nachdem wir uns bereits der passiven Nutzung sozialer Medien durch deutsche Journalisten widmeten, wenden wir uns heute den fünf typischen Nutzergruppen sozialer Medien zu.

Den vollständigen Deutschland-Report der Social Journalism-Studie 2014/15 können Sie hier herunterladen:

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Wie bereits in den letzten drei Jahren ließen sich die befragten Journalisten anhand einer Cluster-Analyse auch diesmal in fünf verschiedene Nutzergruppen einteilen: „Architekten“, „Promotoren“, „Jäger“, „Beobachter“ und „Skeptiker“.

Jede dieser Gruppen unterscheidet sich von den anderen durch ihr spezifisches Nutzerverhalten und ihre Einstellung zu sozialen Medien, die man auch als Kontinuum darstellen kann: Von den Meinungsmachern, die am häufigsten und besonders aktiv soziale Medien nutzen („Architekten“) bis hin zu denjenigen, die im Beruf soziale Medien nur selten oder gar nicht nutzen und eine eher negative Einstellung zu Social Media haben („Skeptiker“). Dazwischen liegen drei weitere Gruppen mit verschiedenen Abstufungen und Ausprägungen ihrer Social Media-Nutzung. Deutsche Journalisten sind im internationalen Vergleich mit Ländern wie den USA, Großbritannien oder Schweden besonders passiv – 60% lassen sich in die passiveren Gruppen “Skeptiker” oder “Beobachter” einordnen, während nur 30% zu den „Promotoren“ oder „Architekten“ gehören.

Social Journalism 2015: Skepsis gegenüber sozialen Medien bei deutschen Journalisten sinkt weiter

Besonders auffällig ist, dass die Gruppe der “Skeptiker” sich in den letzten beiden Jahren um 11% verringert hat und die Gruppe im selben Zeitraum um 13% gewachsen ist. Anscheinend nehmen Journalisten, die ursprünglich wenig soziale Medien im Beruf nutzten, neue Technologien an und verwenden diese bereitwilliger. In Zukunft wird die Anzahl der „Skeptiker“ wohl weiter abnehmen, bis die Gruppe womöglich ganz verschwindet. Drei der journalistischen Nutzergruppen – „Jäger“, „Promotoren“ und „Architekten“ – sind seit 2012 sehr stabil. Obwohl es in diesem Zeitraum zu erwarten gewesen wäre, dass mehr Journalisten sich der Gruppe der „Architekten“ anschließen, sind die Verhaltensmuster in Bezug auf soziale Medien sowie deren Benutzung und die Einstellung dazu konsistent geblieben.

Hier eine Zusammenfassung der Merkmale aller fünf Nutzergruppen:

Skeptiker

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Journalisten, die zur Gruppe der „Skeptiker“ gehören, sind in sozialen Medien nach wie vor am wenigsten aktiv und haben eine negative Einstellung zu Social Media. Dennoch steigt ihre Nutzung sozialer Medien langsam an, wahrscheinlich mehr aus Notwendigkeit und aufgrund von Veränderungen in der Branche als aus einer freien Entscheidung heraus. Zu dieser Gruppe gehören auch Journalisten, die soziale Medien gar nicht beruflich nutzen.
„Skeptiker“ sind zum größten Teil männlich (57%) und deutlich älter als die anderen Gruppen. 47% aller „Skeptiker“ sind über 46 Jahre alt. Sie arbeiten meist im Printbereich, selten online (15%) und verbringen wenig Zeit mit sozialen Medien. 82% der „Skeptiker“ nutzen soziale Medien höchstens ein paar Stunden im Monat und nur 4% arbeiten bis zu einer Stunde am Tag mit Social Media. „Skeptiker“ sind passive Social Media-Nutzer und verwenden soziale Medien hauptsächlich zur Recherche und zum Lesen von Beiträgen anderer Nutzer, Online-Foren oder Blogs. Die meisten „Skeptiker“ posten selbst gar keine Beiträge in sozialen Medien.

Beobachter

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Zum ersten Mal gehört in diesem Jahr der mit Abstand größte Teil der deutschen Journalisten zu den „Beobachtern“. Sie verbringen relativ wenig Zeit mit sozialen Medien: 57% nutzen Social Media ca. eine Stunde am Tag. Diese Gruppe arbeitet meist im Printbereich (Zeitungen und Zeitschriften) und zu etwa einem Drittel im Online-Bereich. „Beobachter“ schreiben meist Nachrichten oder investigative Artikel und Kritiken sowie mehr Kolumnen als andere Gruppen. Journalisten dieser Gruppe sind meist zwischen 28 und 45 Jahre alt (60%), überwiegend männlich (58%) und haben recht geringe Kenntnisse über soziale Medien. Wie der Name schon sagt, beobachten Journalisten aus dieser Nutzergruppe das Geschehen in sozialen Medien, lesen täglich oder wöchentlich Blogs und Beiträge von anderen Usern und verfolgen Gespräche über ihren eigenen Content. Die meisten „Beobachter“ führen keinen eigenen arbeitsrelevanten Blog, tragen selten zu Content Communities bei und schreiben auch selten Kommentare. Ihr Gebrauch sozialer Medien ist eher passiv und dient hauptsächlich der Recherche.

Jäger

Social Journalism 2015: Skepsis gegenüber sozialen Medien bei deutschen Journalisten sinkt weiter

Journalisten aus dieser Gruppe befinden sich mittig zwischen den anderen Gruppen – sie sind weniger aktiv als „Promotoren“ und „Architekten“, aber aktiver als „Skeptiker“ und „Beobachter“. Die Gruppe heißt „Jäger“, weil sie sich hauptsächlich darauf konzentriert, mithilfe von sozialen Medien Informationen aufzuspüren. Meist schreiben sie investigative Artikel und Nachrichten sowie Kritiken und Produktrezensionen. 43% der „Jäger“ sind Online-Journalisten. Sie sind über verschiedene Altersgruppen verteilt, wobei ein Schwerpunkt auf 28-bis 45-Jährigen liegt (54%), und beide Geschlechter sind gleichermaßen vertreten. Verglichen mit den aktiveren Gruppen nutzen sie soziale Medien in geringem Maße. 38% nutzen Social Media bis zu einer Stunde am Tag, 30% zwischen einer und zwei Stunden täglich. Die meisten „Jäger“ glauben, dass sie gute Kenntnisse über soziale Medien haben (64%). “Jäger” nutzen bevorzugt PR-Quellen zur Recherche und setzen soziale Medien für sehr spezifische Aufgaben ein. Von allen Gruppen wünschen sich die „Jäger“ am meisten den Kontakt über soziale Medien, vor allem über Facebook, Google+, XING und Twitter.

Promotoren

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Die kleine Gruppe der „Promotoren“ steht sozialen Medien positiv gegenüber. 71% sind der Meinung, dass sie ohne soziale Medien nicht arbeiten könnten – 2013 waren es 53%. „Promotoren“ sind besonders oft männlich (68%) und über verschiedene Altersgruppen verteilt. Die meisten Journalisten in der „Promotoren“-Gruppe nutzen soziale Medien eine bis zwei Stunden am Tag. „Promotoren“ verwenden soziale Medien gern, um ihre eigenen Inhalte zu publizieren und zu promoten (97%). Auch nutzen sie am meisten soziale Medien zur Medienbeobachtung (91%). Im Verlauf der letzten drei Jahre haben sie ihren Gebrauch sozialer Medien zur Recherche reduziert und vermehren dafür ihr Monitoring im sozialen Netz. „Promotoren“ lesen, kommentieren und posten täglich in sozialen Medien und bevorzugen vor allem Facebook, Twitter und Content Communities. Sie sind meistens der Ansicht, dass Journalismus mehr auf Dialog als auf der einseitigen Veröffentlichung von Content basiert. Am wenigsten mögen es „Promotoren“, wenn sie von PR-Profis telefonisch kontaktiert werden. Sie sähen es lieber, wenn der Kontakt primär über Nachrichtendienste und Wire Services erfolgen würde.

Architekten

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Etwa ein Fünftel aller deutschen Journalisten lässt sich in die Kategorie „Architekten“ einordnen. Diese Gruppe ist in den letzten drei Jahren in ihrer Größe sehr stabil geblieben. Als proaktivste Gruppe sind „Architekten“ die Vordenker und Triebkräfte in sozialen Medien. Journalisten in der „Architekten“-Gruppe haben über alle Bereiche hinweg schon immer die größte Nutzung sozialer Medien an den Tag gelegt – was nicht weiter überrascht, da fast zwei Drittel dieser Gruppe Online-Journalisten sind. „Architekten“ nutzen alle Arten von sozialen Medien für eine Vielzahl von beruflichen Aufgaben, wobei sie besonders Twitter (93%), Facebook und XING bevorzugen. Sie sind auch Early Adopter von neueren Tools wie zum Beispiel Storify und Flipboard. Auch bei den „Architekten“ sind Männer leicht in der Überzahl (57%). Journalisten in dieser Gruppe sind wesentlich jünger als ihre Kollegen in anderen Nutzergruppen. Mit 17% hat die „Architekten“-Gruppe die meisten 18- bis 27-Jährigen. Diese Gruppe verbringt viel mehr Zeit mit sozialen Medien als alle anderen – sämtliche „Architekten“ nutzen soziale Medien mindestens eine Stunde am Tag. Sie sind auch die einzige Gruppe, in der einige Journalisten mehr als acht Stunden täglich mit Social Media arbeiten. Selbst bei dieser sehr aktiven Gruppe hat sich jedoch die Zeit, die mit sozialen Medien verbracht wird, in den letzten drei Jahren verringert.

Über die Cision Social Journalism-Studie 2014/15

Die nun schon im vierten Jahr in Folge von Cision und der Canterbury Christ Church University durchgeführte internationale Social Journalism-Studie untersucht, wie Journalisten soziale Medien im Berufsalltag nutzen und bewerten sowie deren Rolle in der Kommunikation mit PR-Fachleuten. Mit der aktuellen Studie für 2014/15 bieten wir erstmals Trendprognosen für das kommende Jahr an.

Den vollständigen Deutschland-Report der Social Journalism-Studie 2014/15 können Sie hier herunterladen:

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Weiterführende Links

[Infografik] – Was die veränderte berufliche Nutzug sozialer Medien durch britische Journalisten für PR-Profis bedeutet (Social Journalism-Studie 2014/15)

PRWeb: British journalists’ use of social media appears to have peaked, says latest Social Journalism Study from Cision and Canterbury Christ Church University

Großbritannien-Report der Social Journalism-Studie 2014/2015

Im Überblick: Alle Downloads & Posts zur Cision Social Journalism-Studie 2011-15