Soziale Medien im Arbeitsalltag: 35% aller Journalisten sind ‘Jäger’

Soziale Medien im Arbeitsalltag: 35% aller Journalisten sind ‘Jäger'

Die Analyse der Daten von 3.650 Journalisten – im Rahmen der Social Journalism Studie 2012 – ergab 5 unterschiedliche Profile von Journalisten: Architekten, Promotoren, Jäger, Beobachter und Skeptiker. Diese Profile unterscheiden sich deutlich in Bezug auf Kenntnisstand, Nutzung, Bewertung von und Einstellung zu sozialen Medien im journalistischen Arbeitsalltag.

Hier stellen wir nun das zweite Journalistenprofil vor: Die Jäger.

35% aller Journalisten in den befragten Ländern fallen in die Gruppe der Jäger und sind so eine der bedeutendsten Gruppen. Jäger tendieren zu einer positiven Grundhaltung gegenüber sozialen Medien aber befürworten diese nicht so stark wie Architekten oder Promotoren. Jäger liegen im Mittelfeld wenn es darum geht wieviel Zeit sie mit sozialen Medien in der Arbeit verbringen aber auch in Bezug auf Nutzungsfrequenz und Kenntnisstand. Jäger nutzen soziale Medien für verschiedene Zwecke wobei das Netzwerken und die Beschaffung von Informationen klare Schlüsselfunktionen sind. Jäger nutzen soziale Medien um neue Verbindungen zu knüpfen aber auch um Anderen (die sie bereits kennen) zu folgen. Jäger tweeten viel und gerne, zögern aber wenn es darum geht, regelmässig Inhalte auf sozialen Medien zu publizieren.

Die Aufteilung der Profile schwankt stark von Land zu Land, aber Finnland hat eindeutig die relativ höchste Anzahl von Jägern; Architekten hingegen stellen die grösste Gruppe in Australien und Kanada, die USA weist die meisten Promotoren auf, Schweden hat die grösste Anzahl von Skeptikern und Deutschland die grösste Gruppe an Beobachtern.

Jäger und soziale Medien in der Praxis

Nutzungsprofile sozialer Medien - 35% aller Journalisten sind JägerIm Vergleich zu Architekten – die durschschnittlich bis zu 8 Stunden täglich mit sozialen Medien arbeiten – benutzen Jäger und Beobachter soziale Medien wenigsten einmal monatlich, also wesentlich weniger. Im Vergleich berichten Skepiker hingegen, dass sie soziale Medien weniger als einmal monatlich in der Arbeit nutzen. Jäger und Beobachter verbringen genau so viel Zeit mit sozialen Medien für berufliche wie für private Zwecke (50/50); Skeptiker nutzen soziale Medien eher für private Zwecke (56/44), während Architekten und Promotoren soziale Medien eher beruflich nutzen (ungefähr 60/40).

49% aller Jäger und 47% aller Beobachter haben zwischen 101 und 500 Followers und nur 4% und 1% haben überhaupt keine Follower. In diesem Zusammenhang haben Skeptiker das auffälligste Profil: 34% von diesen haben keine Followers, 27% haben bis zu 100 Follower und nur 8% haben mehr als 500 Followers.

Promotoren und Architekten benutzen soziale Medien für verschiedenste berufliche Aufgaben – Skeptiker benutzen hier nur eine sehr geringe Auswahl. Das Publizieren und Promoten der eigenen Arbeit sind die wichtigsten Funktionen für Promotoren und Architekten (beide 97%) gefolgt von der Beschaffung von Informationen (92% und 93%). Für Jäger und Beobachter ist es genau umgekehrt und so ist die Beschaffung von Informationen die wesentlichste Funktion (80% und 85%) vor der Publikation und dem Promoten von eigenen Inhalten (79% und 78%).

Twitter ist das beliebteste Tool unter Architekten, Beobachtern und Promotoren während Jäger soziale Netzwerke wie XING, LinkedIn oder SeekorShout bevorzugen. Skeptiker bevorzugen Content Communities und Crowdsourcing Seiten.

Kenntnisstand und Einstellung zu sozialen Medien

Auswirkungen auf die journalistische ArbeitArchiteken gaben sich selbst Höchstnoten wenn es um die Einschätzung der Kenntnisse um soziale Medien geht. Jäger und Beobachter gaben überdurchschnittliche Wissenslevel an, während Skeptiker angaben kaum Kenntnisse in diesem Bereich zu haben.

In Bezug auf die generelle Einstellung zu sozialen Medien und die erwarteten Auswirkungen durch deren Nutzung auf den eigenen Berufstand gaben 36% aller Architekten, 20% aller Promotoren und 10% aller Jäger an sehr positive Erwartungen zu haben. Aber 42% aller Jäger sind ambivalent und erwarten positive und negative Auswirkungen auf den Berufstand.

Promotoren bilden die grösste Gruppe in den USA (36%) und Frankreich (35%) und die kleinste Gruppe in Deutschland (9%). Jäger dominieren in Finnland (40%) bilden aber auch die grösste Gruppe in Grossbritannien (35%), Australien (29%) und Kanada (24%).

Aufteilung der Nutzungsprofile pro Land (in %)Unter den Architekten sind die Männer sehr dominierend – zum Beispiel 62% aller Architekten in Kanada sind Männer – aber in Finnland, Australien und den USA bilden Frauen die grössere Gruppe unter den Architekten.
Die Gruppen der Jäger in der Altersgruppe von 18 – 27 waren am grössten in Grossbritannien und Finnland. Generell, Journalisten in der Altersgruppe 28 – 45 waren zumeist Jäger obwohl dieses nicht für Frankreich und Deutschland zutrifft. Hier fanden sich zumeist Skeptiker in dieser Altersgruppe während in den USA die Promotoren diese Gruppe dominieren.
Journalisten mit einem Alter von 45+ Jahren sind eher Skeptiker – dies trifft für fast die Hälfte der Befragten in dieser Altersgruppe in Schweden zu – während in Finnland und Australien Jäger in dieser Altersgruppe dominierten waren es Bepobachter in Grossbritannien und Kanada. Journalisten in dieser Altersgruppe sind seltener Architekten in Schweden, Grossbritannien, Finnland und Australien.

Journalisten die in der Hauptsache online publizieren fallen eher in die Gruppe der Architekten in Deutschland und Australien sowie der Jäger in Finnland und Kanada. In sechs von acht Ländern (USA, GB, Finnland, Kanada, Frankreich und Schweden) waren Magazinjournalisten eher keine Architekten.

Die Analyse ergab ein klares Muster für Zeitungsjournalisten: in Schweden und in Deutschland gehören diese mit grösserer Wahrscheinlichkeit der Gruppe der Skeptiker an, während sie eher Jäger in Australien, Finnland und Grossbritannien sind und Promotoren in den USA und Frankreich sowie Beobachter in Kanada.

Typisches Profil eines JägersSkeptiker arbeiten eher für grössere Organisationen in den USA, Kanada, Deutschland, Australien, Grossbritannien und Schweden. In Finnland und Frankreich arbeiten diese eher für kleinere Organisationen. In Kanada, Schweden, den USA und Grossbritannien waren freie Journalisten eher Promotoren, Jäger in Finnland und Australien, Skeptiker in Deutschland und Architekten in Frankreich.
Promotoren und Jäger arbeiten oft für Organisationen mit einer landesweiten Reichweite – dieses gilt besonders für Finnland wo dieses für 80% aller Promotoren zutrifft. Jäger in Kanada und den USA arbeiten eher für lokale/regionale Medien.

Weitere Informationen zum Profil des ‘Beobachters’ finden sie hier – weitere Profilbeschreibungen werden wir hier in Kürze veröffentlichen.

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‘Social Journalism Studie’ – Das Team: 

Falk Rehkopf
 (MBA, BA) – Geschäftsführer, Cision Germany GmbH; @falk_rehkopf
Dr Ágnes Gulyás – Leitende Dozentin, Fachbereich Medien, Canterbury Christ Church University
Kristine Pole – Hauptdozent Marketing, Fachbereich Medien, Canterbury Christ Church University