Trotz grosser Skepsis: Soziale Medien sind alltäglich für deutsche Journalisten

Social Journalism 2012 - Social Media Fitness BarometerCision hat vor kurzem die Social Journalism Studie 2012 sowie das Social Journalism Länder Barometer veröffentlicht. Die Berichterstattung zum Report drehte sich vornehmlich um die geringe Nutzung sozialer Medien durch deutsche JournalistenDeutschland gleiche einem Social Media-Entwicklungsland oder dass deutsche Journalisten sich soziale Medien verweigern. Es wurde auch geschrieben, dass deutsche Journalisten bei sozialen Medien versagen oder gleich ganz auf ‘Facebook & Co pfeifen‘. Andere Artikel beziehen sich auf die einseitige Nutzung von sozialen Medien durch Journalisten.

Als Reaktion auf diese Berichterstattung, möchte Cision diese Ergebnisse der Social Journalism Studie hervorheben:

95% aller deutschen Journalisten nutzen soziale Medien beruflich

Social Journalism 2012 - DeutschlandCisions Social Journalism Studie hat sich auf Länder mit fortgeschrittener Internet-Infrastruktur sowie einem generell hohen Nutzungslevel von sozialen Medien konzentriert. Und in der Tat hat sich bestätigt, dass die grosse Mehrheit von Journalisten in allen acht Ländern soziale Medien für berufliche Zwecke nutzt. Die jeweiligen Prozentzahlen unterscheiden sich aber nicht signifikant – so nutzen 95% aller Journalisten in Deutschland soziale Medien während dies 98% ihrer australischen Kollegen tun. Die hohe (quantitative) Nutzung von sozialen Medien ist also eine Gemeinsamkeit aller Länder. Es ist daher eindeutig, dass soziale Medien in der beruflichen Nutzung – im journalistischen Alltag also – in Deutschland ebenso etabliert sind wie in in den anderen Ländern der Studie. In unserem Report haben wir uns aber auf die qualitativen Unterschiede konzentriert und die sind in der Tat signifikant – gerade wenn es um die Art und Weise geht wie soziale Medien in den journalistischen Arbeitsalltag eingebunden werden.

“Skeptiker vs. Architekten” – Es gibt eine klare Polarisierung deutscher Journalisten

Unsere Studie ergab, dass Deutschland die dritthöchste Anzahl von Architekten im Vergleich zu den anderen Ländern in der Studie aufweist: im direkten Vergleich mit Kanada (24%) und Australien (ebenfalls 24%) fallen immerhin 21% aller deutschen Journalisten in diese Gruppe. Architekten benutzen soziale Medien am häufigsten, haben den besten Kenntnissstand, stehen sozialen Tools insgesamt sehr positiv gegenüber und sind zudem überzeugt, dass diese auch langfristig positive Auswirkungen auf den eigenen Berufsstand haben werden. Die Gruppe der Architekten unter den Journalisten glaubt auch, dass soziale Medien eine optimierte Kommunikation und Beziehungen mit verschiedenen Zielgruppen ermöglichen und das Promoten der eigenen Arbeit vereinfachen. So nutzen Architekten verschiedenste soziale Tools für eine Vielzahl von beruflichen Anwendungen. Sie spielen auch eine Schlüsselrolle, nicht nur als Urheber von originalen Inhalten und in der Interaktion mit Anderen auf sozialen Medien, sondern bilden zudem oft das Zentrum von Netzwerken.

Social Journalism 2012 - Klare Polarisierung deutscher Journalisten Auf der anderen Seite hat Deutschland aber auch die grösste Gruppe an Skeptikern – so fallen 35% aller deutschen Journalisten in diese Gruppe. Skeptiker nutzen soziale Medien am wenigsten, netzwerken nicht und publizieren selten oder nie Content auf sozialen Medien. Skeptiker selbst schätzen ihr Wissen um soziale Medien als niedrig ein. Diese Gruppe an Journalisten nutzt nur ein oder höchstens zwei soziale Tools (Content Communities oder Crowdsourcing Seiten zumeist) und diese auch nur sehr eingeschränkt; in der Regel nur für das Publizieren und Promoten der eigenen Arbeit. Zudem haben Skeptiker auch eine negative Meinung, wenn es um die erwarteten langfristigen Auswirkungen der Nutzung sozialer Medien auf den Berufsstand geht.
Die hohen Prozentzahlen auf beiden Seiten des Spektrums demonstrieren die Polarisierung unter deutschen Journalisten: sehr aktive Nutzer auf der einen Seite und eine eher abwartende, ablehnende Nutzung auf der anderen Seite; basierend auf einer negativen Grundeinstellung (in Bezug auf soziale Medien). Diese Polarisierung ist so in keinem anderen Land der Social Journalism Studie zu finden und zeichnet daher die journalistische Landschaft in Deutschland aus.

“Nordamerika vs. Europa” – Nutzung sozialer Medien durch Journalisten ist regionenspezifisch

Social Journalism 2012 - Regionenspezifische Nutzungsmuster sozialer MedienDie Social Journalism Studie ergab auch regionenspezifische Nutzungsmuster sozialer Medien. So gibt es ein Nutzungsmuster von Journalisten in Ländern auf dem europäischen Festland und ein zweites in Nordamerika.
Es gibt nur wenige statistisch signifikante Unterschiede zwischen Finnland, Deutschland, Schweden oder Frankreich – zum Beispiel bei der Anzahl von verschiedenen social Tools die beruflich genutzt werden. Ähnliches gilt auch innerhalb Nordamerika: Statistisch betrachtet gibt es keine signifikanten Unterschiede in der beruflichen Nutzung von sozialen Medien durch Journalisten in den USA im Vergleich zu Kanada.

Deutschland jedoch hob sich aber in einem Punkt ab: In direktem Vergleich zu den europäischen Nachbarn haben deutsche Journalisten eine deutlich negativere Einstellung zu sozialen Medien und den erwarteten langfristigen Auswirkungen auf den Berufsstand. Diese Einstellung ist getrieben von der grossen Gruppe an Skeptikern – mit 35% nicht nur die grösste Guppe unter deutschen Journalisten. Sie liegt auch über dem Durchschnitt der 8 Länder in dieser Studie.

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[Pics courtesy of http://geekandpoke.typepad.com/]

Hier finden Sie eine Übersicht der Berichterstattung in deutschen Medien sowie eine Zusammenstellung von Teilen der Berichterstattung in englisch-sprachigen globalen Medien. Weitergehende Hintergrundinfos, die Reporte, Infografiken, Interviews, Download Links und vieles mehr finden Sie hier.

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‘Social Journalism Studie’ – Das Team: 

Falk Rehkopf
 (MBA, BA) – Geschäftsführer, Cision Germany GmbH
Dr Ágnes Gulyás – Leitende Dozentin, Fachbereich Medien, Canterbury Christ Church University
Kristine Pole – Hauptdozent Marketing, Fachbereich Medien, Canterbury Christ Church University