Die Popularität digitaler Medien und des E-Commerce haben Blogs und Blogger in das Zentrum des Interesses solcher Marketingleute katapultiert, die persönliche Empfehlungen und Produktbesprechungen von sogenannten Durchschnittsverbrauchern im Verkausprozess gewinnbringend einsetzen wollen. Marketer – ganz egal ob diese für produzierende Unternehmen, Einzelhändler oder Restaurants arbeiten – haben verstanden, dass Blogger zu den wesentlichen Influencern im Web gehören. Auch für Blogger ist das Geldverdienen im Netz sicherlich ein heißes Thema und so widmete SPIEGEL ONLINE dem Thema eine ganze Artikelreihe.

Aber was bedeutet diese Entwicklung für die Blogger selbst? Ist dadurch ihre Integrität gefährdet? Gehen sie sogar das Risiko ein, dass ihre Posts zu Advertorials und ihre Fotos zu Werbeplakaten werden? Cision nahm dies zum Anlass, eine Reihe von deutschen und internationalen Bloggern zum Thema zu befragen. Wir begannen unsere Serie mit den englischen Bloggerinnen Jane Cunningham und Amber McNaught. Heute sprechen wir mit Hayley Carr – der treibenden Kraft hinter dem führenden Beauty-Blog London Beauty Queen – über die Frage, ob ehrliche Produktrezensionen in Blogs bald der Vergangenheit angehören:

Teil 3 der Blogger-Interviewserie: Gibt es noch ehrliche Produktbewertungen?“Natürlich gibt es ehrliche Produktbewertungen immer noch und es wird diese auch weiterhin geben. Eine Veränderung gibt es allerdings – heutzutage muss man schon genau wissen, an wen man sich wendet und wem man vertraut. Die Blogosphäre hat mittlerweile sicherlich einen großen Einfluss und so können einige wenige positive Bewertungen schon mal aus einem Produkt ein Kultprodukt machen, den totalen Ausverkauf eines Produktes herbeiführen oder eine neue Marke aus dem Nichts kreieren. Aber, wie sagt man doch so schön: große Macht zu haben bedeutet auch eine große Verantwortung zu haben. Blogger an sich sind bestimmt ehrlich in der Kommunikation, aber dann passiert es auch hin und wieder, dass man einen nicht begründeteten Hype um ein Produkt herum erzeugt. Gerade vielen jüngeren oder unerfahreneren Bloggern ist es wichtig zu gefallen, Beziehungen aufzubauen und zu erhalten und dann passiert es, dass diese durch eine Überzahl an Besprechungen die eigene Glaubwürdigkeit in Frage stellen – und das zum Nachteil der Leser. Ich selber bin sehr stolz auf, dass ich persönlich die Dinge so anspreche, wie ich sie sehe (manchmal auch zu meinem eigenen Nachteil) und die Bedürfnisse meiner Leser über denen von Marken oder PR-Agenturen stelle, die sicherlich eine von mir geschönte Darstellung bevorzugen würden. Ich finde es einfach wichtig, Produkte einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und dann auch ehrlich zu bewerten, denn Bloggern wird vertraut und werden für ihre unparteiische Einstellung respektiert.

Es stimmt aber auch, dass ich im letzten Jahr einen neuen Trend sehe und einige Blogger einen Hype um Produkte erzeugen, die sich dann später für mich und Andere als wahre Blindgänger entpuppen. Daher habe ich begonnen mich zu fragen, ob es Bloggern mittlerweile so wichtig ist, als Erster oder Erste über ein Produkt zu schreiben, von SEO-Vorteilen zu profitieren oder als Fürsprecher von beliebten Marken wahrgenommen zu werden, dass wir dabei den Blick auf das große Ganze nicht mehr wahren. Liegt es vielleicht daran, dass es so viele neue Blogger gibt und der Wettbwerb wesentlich an Intensität zugenommen hat und wir daher bereit sind ein Produkt als das “nächste große Ding” zu positionieren nur um sich weitere Produktmuster zu sichern? Sollte dieser Trend andauern, setzen wir als Blogger-Community unsere Glaubwürdigkeit und das in uns gesetzte Vertrauen aufs Spiel – uns genau das hat uns ja von Anfang an von Anderen unterschieden.”

About Falk Rehkopf

Ehem. Geschäftsführer Cision Germany GmbH