Warum Condé Nast den Sprung in den Fernsehmarkt wagt

Ein Gastbeitrag von Paulina Wojcik, Media Researcher ‘Broadcast’ bei Cision Germany.
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Wenn ein Bild mehr sagt als tausend Worte, welche Aussagekraft und welchen (kommerziellen) Wert haben dann tausend Bilder? Condé Nast Entertainment investiert derzeit einiges an Zeit und Mühe, um eine Antwort auf genau diese Frage zu finden.

In den USA arbeitet das Unternehmen daran, mit Vanity Fair und Vogue den Sprung ins bewegte Bild im Fernsehen zu wagen und so kündigte Condé Nast das Erscheinen neuer TV-Shows von Vanity Fair und Vogue an. Vanity Fair und Discovery Communications arbeiten an „Confidential”, einer Crime- und Mystery-Show, basierend auf einer Artikelserie des Magazins. Einer Vereinbarung mit Vogue gemäß wird „Fashion Fund“ auf dem Sender Ovation Cable Network laufen. Die Serie dreht sich um einen Designerwettbewerb und lief auf Hulu und Vogue.com bereits zwei Staffeln lang.

Diese Verlagerung hin zum Fernsehen ist sicherlich keine Überraschung für diejenigen, die die Entwicklung von Verbrauchermedien mitverfolgen. „Her mit den Shows!”, fordern auf Video-Webseiten surfende Verbraucher. Mit dem Wachstum an Smartphones steigt auch der Appetit auf digitale Inhalte, die über Computer, Tablets und andere mobile Geräte abrufbar sind. Cross-Media gehört fast schon zur Norm – zumindest in den USA. Condé Nast-Vorsitzender Bob Sauerberg sieht die kommerziellen Chancen, die sich bieten, wenn man publizierten Print-Content auch über andere Medien veröffentlicht, und setzt nun einiges daran, zumindest einen Teil des aufstrebenden Print-to-Television-Marktes für sein Unternehmen zu gewinnen: „Ich habe eine Marktlücke [für Inhalte] gesehen; das ist der eigentliche Grund dafür, dass wir damit angefangen haben“, erzählte Herr Sauerberg dem Wall Street Journal.

Condé Nast gibt aktuell 18 Verbrauchermagazine, vier Business-to-Business-Publikationen, 27 Webseiten und über 50 verschiedene Apps für mobile Geräte und Tablets heraus. Der erste Abschnitt einer – aller Voraussicht nach – beträchtlichen Verschiebung der eigenen Inhalte von den bisherigen auf neue, andere Kanäle erlaubt vielfältige neue Möglichkeiten in der Weiterverwertung von Inhalten.

Fashion Fund - CNE + Ovation TVNachdem der Verlag begann, sich verstärkt auf Entertainment-Themen zu konzentrieren, wurde im Oktober 2011 Condé Nast Entertainment (CNE) gegründet. In der Folge hat der Verlag nun in den letzten zwei Jahren einige neue digitale Kanäle gegründet – allein in diesem Jahr wurden an digitalen Videokanälen zum Beispiel Glamour, GQWired, Vogue, Vanity Fair und Teen Vogue eingeführt – und scheint nun entschlossen, den nächsten Schritt hin zum Fernsehen zu wagen. Wie viele andere Verlage auch sucht das Unternehmen nach einem geeigneten Einstieg in den Fernsehmarkt, um die seit Langem bestehende Kluft zwischen dem gedruckten Papier und dem Bildschirm zu überbrücken.

Das Kommando hierbei übernimmt Dawn Ostroff, die Vorsitzende von Condé Nast Entertainment (CNE). Mit demselben Erfolg, den sie auch beim CW Television Network hatte, arbeitete Frau Ostroff an der Einführung neuer digitaler Inhalte auf Webseiten, in Magazinen aber auch auf Videostreaming-Webseiten wie HULU und Youtube. Seit ihrem Einstieg ist es Frau Ostroffs Absicht, CNE zu einem der wichtigsten Player auf allen Plattformen zu machen und dadurch zumindest einen Teil des Profits für das Unternehmen zu sichern, der in der Vergangenheit an andere ging. Genau diese Absicht bringt allerdings die Urheber dieser Inhalte in eine schwierige Lage, da die zunehmend restriktive Vertragsgestaltung die Weiterverwertung von Inhalten – zum Beispiel für das Fernsehen oder das Kino – erschwert und in der Folge eine Umverteilung der Profite zugunsten Condé Nasts stattfindet.

dddKurz nachdem Condé Nast die Einführung neuer digitaler Videokanäle und den Eintritt in den TV-Markt bekanntgab, berichtete die New York Times, dass der Verlag nun mit neuen Verträgen für Autoren, deren Inhalte in Condé Nast-Magazinen erscheinen, arbeitet. Anhand dieser Verträge geben Autoren ihre Weiterverwertungsrechte entweder komplett auf oder zumindest werden derlei Rechte für einen gewissen Zeitraum ausgesetzt (zwischen 30 Tagen und einem Jahr) – all dies bevor ein Artikel überhaupt veröffentlicht wird. (Foto: Bob Sauerberg und Dawn Ostroff. Photo courtesy of Zimbio.com.)

In der Vergangenheit hat Condé Nast einige Chancen verpasst, Profit aus Artikeln, die in größeren TV- und Filmproduktionen weiterverwendet wurden, für sich selbst zu sichern. Die besten Beispiele hier sind wohl die Condé Nast-Artikel, aus denen so erfolgreiche Filme wie „Argo” (bis dato $166 Millionen Bruttoeinnahmen), „Eat Pray Love” (bis dato $204 Millionen Bruttoeinnahmen) und „Brokeback Mountain” (bis dato $178 Millionen Bruttoeinnahmen) wurden. Daher ist es also nur eine Frage der Logik, dass Frau Ostroff und CNE sich Inhalte mit einem hohen Weiterverwertungspotenzial selbst sichern wollen.

Genau aus diesem Grund hat das im Wettbewerb zu Condé Nast stehende Unternehmen Hearst einen anderen Ansatz zur Weiterverwertung von Film- und Fernseh-Inhalten eingeschlagen. Unter anderem gründete das Unternehmen Hearst Television, Inc., kaufte Anteile am TV-Sender ESPN und ging auch eine neue Partnerschaft mit A+E Networks ein. Condé Nast hingegen verzichtet auf solche Übernahmen oder Partnerschaften, um eine direkte Auseinandersetzung mit etablierten Technologie-Firmen und TV-Netzwerken zu vermeiden. Stattdessen bemüht sich das Unternehmen darum, die Wertschöpfung der eigenen Inhalte zu maximieren, indem es sich weitgehende Rechte an Premium-Inhalten sichert.

Der TV-Launch von Vanity Fair und Vogue ist sicherlich problematisch für Autoren, die die Rechte an ihren Inhalten behalten wollen, auf der anderen Seite aber auf die Verlage angewiesen sind, um diese zuerst in Print-Medien zu publizieren. Die neue Strategie, die Condé Nast derzeit konsequent umsetzt und im TV-Markt zunehmend etabliert, bringt auf jeden Fall neue Spielregeln für die zur Produktion der Inhalte notwendigen Autoren mit sich. Gerade solche Autoren mit einem Eigeninteresse an einer Weiterverwertung ihrer Inhalte werden sich wohl bald entscheiden müssen, ob sie mit CNE weiterhin zusammenarbeiten wollen oder einen anderen Weg zur Veröffentlichung ihrer Inhalte gehen müssen.

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