YouTube hat den Kanal noch lange nicht voll

YouTube hat den Kanal noch lange nicht voll

YouTubeGoogles Internet-Videoportal, feierte erst dieses Jahr seinen siebten Geburtstag. Schwer zu glauben, wenn man sich überlegt, wie grundlegend diese Video-Streaming Seite unsere Art und Weise Online Medien zu konsumieren verändert hat. Kann man sich denn das Internet ohne YouTube heute überhaupt
noch vorstellen?
Gelauncht in den letzten Tagen der schmalbandigen Interneteinwahl, hat uns YouTubes innovative Instant-Streaming-Plattform einen Vorgeschmack auf die Vorzüge der kommenden Breitband-Ära gegeben. Die Übernahme der Plattform durch Google in 2006 sicherte die Position weiterhin als die führende Online-Video-Seite. Und so hat heute YouTube dieselbe Bedeutung für das Video-Streaming wie Tempo für Taschentücher. [Foto von Flickr]

Die Fähigkeit zur Innovation, aber auch sich selbst neu zu erfinden, erklärt einen Teil des Erfolgs von YouTube. Ende 2011 überraschte uns die Organisation mit seinem bisher größten Redesign, denn es erlaubte eine wesentlich größere Sichtbarkeit für Content-Ersteller und redaktionelle Markeninhalte.

“Im Kern ging es uns bei dem Redesign darum, den damals bestehenden Fokus weg von den einzelnen Videos – die typischerweise auf YouTube angeschaut und geteilt wurden – auf die sie beheimatenden Kanäle umzulenken”, erklärt ein Sprecher von YouTube.
Der neue Ansatz sich auf Content Kanäle zu konzentrieren, sicherte kleineren Producers sowie führenden Verlegern zugleich eine verbesserte Sichtbarkeit in ihren Zielgruppen und in der Folge haben verschiedene Mediengiganten Partnerschaften mit YouTube abgeschlossen, um exklusiv entwickelten Content auf YouTube zu veröffentlichen.

Im Gegensatz zu den nutzergenerierten Clips auf YouTube, ähneln die Programme, die zum Beispiel von Hearst und Rodale in den USA produziert werden, in keiner Weise Amateurfilmen oder Low-Budget-Produktionen. In der Tat sind viele dieser Shows kaum von traditionellen Fernsehproduktionen zu unterscheiden. So streamen YouTubes Original-Kanäle Inhalte aus den Bereichen Musik, TV, Film und Sport von mehr als 100 Organisationen. Wie Meedia berichtet, plant YouTube die bestehenden deutschen Kanäle bis zum Endes des Jahres zu verdoppeln und so sind Programme mit der UFA, Endemol, IDG und der MV Verlag geplant. Wie in den Cision Media Updates am 20. September berichtet, startet mit Sky mit ‘Sky Sport’ einen ersten eigenen Sport-Kanal bei “YouTube”. Der Launch von YouTube-Movie, und damit die Möglichkeit auch Spielfilme auf dem Video-Portal anzuschauen, hat nicht nur Befürworter.

Channeling YouTubeEines der erfolgreichsten Beispiele dieser Strategie ist die Wiederbelebung von Hearst’s Car and Driver Magazin in einem YouTube-Kanal – basierend auf ein im Jahre 2005 eingestelltes Spike TV Programm. Die YouTube-Only-Shows decken verschiedene Themen rund ums Auto ab: von Reality-Shows bis hin zu informativen Testfahrer-Bewertungen. Zunehmend werden auch bekanntere Moderatoren eingesetzt, so zum Beispiel Sherrod Small, Cousin von Komödiant Chris Rock, der Full Hoon zusammen mit Jim Florentine moderiert. Bei Full Hoon werden unterhaltsame Videos zum Thema Auto präsentiert.

Ein anderes Magazin – Slate, präsentiert vom Slate News Channel – ist vielleicht weniger ehrgeizig, aber dafür sehr den Bedürfnissen von beschäftigten Websurfern angepasst. Slate bietet kurze, visuell ansprechende Videos und interessante Schlagzeiten des Tages, Nachrichten aus der Populärkultur, Neuigkeiten aus der Wissenschaft und andere tagesaktuelle Themen.

Weitere amerikanische Publikationen mit exklusiven YouTube-Angeboten sind Everyday HealthBleacher ReportPitchforkeHow sowie Vice.

Technisch gesehen sind alle angebotenen Inhalte nur direkt von YouTube zu beziehen. “Aber Teil des Erfolges ist die Fähigkeit YouTube Content frei im Web und über mobile Geräte teilen zu können werden”, sagt YouTube, “denn es geht bei der YouTube Experience nicht um Exklusivität”.

Sicherlich gibt es noch einen weiteren Grund, warum sich große Verlage dafür entscheiden, Inhalte auf YouTube anstatt auf einer eigenen Plattform zu veröffentlichen. Nicht nur wegen der über 800 Millionen YouTube-Nutzer, sondern auch wegen der einfachen Veröffentlichungtechnik und anderen infrastrukturellen Vorteilen wie zum Beispiel YouTubes Fähigkeiten beim Vertexten von Fotos und der Einarbeitung in eine Bilddatenbank, der Untertitel- und Übersetzungstechnologie sowie der innovativen Werbe- und Verkaufsmethoden. YouTube testet gerade weitere Verbesserungen im optischen Aufrtitt sowie in der Navigation.

Obwohl führende Publikationen neue und originale Inhalte für YouTube produzieren ist die Strategie von YouTube sich nicht nur auf bereits etablierte Unternehmen zu konzentrieren sondern auch mit kleineren Unternehmen zusammenzuarbeiten.

“Manche dieser Kanäle werden von uns finanziell unterstützt und entwickeln sich prächtig, wachsen seit Jahren und werden dieses rasante Tempo auch beibehalten”, sagte ein YouTube Sprecher.

Einige der Personalveränderungen in der Medienbranche scheinen diese Einschätzung über den wachsenden Erfolg innerhalb der YouTube-Welt zu bestätigen: Kristina Dechter, ehemalige Chefredakteurin beim FOAM Magazin, hat so manche überrascht als im April bekannt wurde, dass sie die Publikation verlassen hatte, um für TheStylish zu arbeiten. TheStylish ist ein nur auf YouTube verfügbarer Channel co-produziert vom InStyle Magazin.

Ein YouTube Sprecher kommentiert diesen Jobwechsel mit einem Schmunzeln: “Ich glaube, Führungskräfte traditioneller Medienunternehmen fangen an zu verstehen, dass in online Medien ein grösserer Grad an schöpferischer Freiheit und Experimentierfreudigkeit besteht. Und das macht diese sehr interessant.”