Diese Veranstaltung fand statt am Dienstag, 19. April 2016.

Können Sie uns einen kurzen Überblick zu DAS INVESTMENT geben?

DAS INVESTMENT wurde 1999 aufgelegt – eine recht wilde Zeit damals, kurz vor dem Platzen der Tech Bubble. Das hieß damals noch Der Fonds und widmete sich vom Kernthema her dem Investmentfonds und den Asset Management-Gesellschaften in Deutschland und UK. Wir haben damals als Reaktion auf die Tech Bubble und die Schwierigkeiten auch nach 2003 beschlossen, das nicht mehr so monothematisch zu benennen und haben es dann umbenannt in DAS INVESTMENT. Der Titel trägt den Inhalten auch stärker Rechnung, denn wir widmen uns allen Belangen der Finanzbranche. Das sind eben auch Versicherungen, das können Beteiligungen sein, das sind auch damals gerade hier in Hamburg diese klassischen Beteiligungen an Schiffen und Immobilien gewesen.

Wir richten uns an Finanzberater, Finanzmakler, Versicherungsmakler, den klassischen Bankberater. Wir erscheinen zwölfmal im Jahr und haben eine Auflagen von 46.000 Exemplaren, größtenteils im Abo. Das bringt uns einen guten Cashflow, denn eine Zeitung verdient natürlich mehr am Abonnenten als am Kioskverkauf. Wir haben eine recht stabile Abonnentenstruktur und sind auch in Kooperation mit verschiedenen Maklerpools – das sind Beratungsgesellschaften für Finanzberater. An diese Pools sind die Finanzberater angeschlossen und wir haben dahingehend Kooperationen, dass die Makler und Finanzberater, die über diese Pools ihre Geschäfte abwickeln uns auch monatlich erhalten. Das ist dann quasi in der Jahresgebühr für diese Pools mit enthalten.

Erzählen Sie uns ein bisschen über Ihre Zielgruppe.

Mit unserem Haupttitel DAS INVESTMENT zielen wir auf Finanzberater, auf Versicherungsmakler und Bankberater ab und wir haben auch nichts dagegen, wenn uns ein versierter Privatanleger liest, der ein bisschen mehr Input haben möchte als er es aus den Tageszeitungen ziehen kann. Aber wir stellen uns schon als B2B-Titel auf. Unsere Leserschaft ist im Schnitt etwas älter als wir hier im Raum – Ende 40, Anfang 50, zumindest im Print-Bereich, gut ausgebildet und sicherlich auch recht vermögend.

Ich glaube, zumindest bei unserem nutzerwertigen Titel und im Special Interest-Markt sowieso zielen wir auf eine sehr schmale, aber genau definierte Zielgruppe ab. Darum geht es. Wir wollen nicht verwässern, wir wollen nicht in irgendwelchen Flugzeugen oder 5-Sterne-Hotels herumliegen, wir wollen genau wissen, wer uns auf dem Schreibtisch liegen hat. Wir verdienen natürlich ganz gut durch Abonnenten, aber das Magazin hält sich erst so richtig durch Anzeigenkunden. Und da wollen wir keinen Streuverlust.

Wie kommunizieren Sie mit Ihrer  Zielgruppe?

Ganz unterschiedlich. Wir gehen natürlich unsere Leserschaft direkt an, zum Beispiel die Finanzberater. Wir sehen uns in der Redaktion eher als Generalisten denn als Spezialisten, das heißt wir brauchen den Input von Spezialisten und suchen da auch den Kontakt zu unserer Leserschaft. Wir stehen auch über die klassischen Social Media-Kanäle im Dialog mit den Lesern, größtenteils über Facebook, weniger über Twitter. Auch über die Business-Netzwerke XING und LinkedIn. Außerdem haben wir zwei größere Kongresse, einmal den Private Banking Kongress im April in München und im September hier in Hamburg. Wir haben also Veranstaltungen, wo die Leser direkt mit uns zusammentreffen. Wir veranstalten auch in unregelmäßigen Abständen hier kleine Kaminabende. Wir haben eine Eventagentur an die Redaktion angedockt. Im Endeffekt finden wir im Digitalen statt, auf Papier, und man kann uns auch live sprechen.

Wie suchen Sie Ihre Themen aus?

Wir sind ganz nah am Markt. Wir wissen, welche Themen bespielt werden. Die Frankfurtbesuche, die wir machen, dienen zum Beispiel auch der Themenfindung. Wir sprechen mit den großen Banken und den Asset Managern in Frankfurt und London. Wir schauen, was die für Themen haben, sprechen mit den Lesern, den Verbänden. Was wir nicht haben und was ich auch nicht für sinnvoll halte, sind statisch gesetzte Themen. Natürlich kann ich bei einer Zeitung wie Essen und Trinken verstehen, dass sie im März und April über Spargel schreiben muss, wann denn auch sonst? Sowas sieht man bei uns aber nicht. Wir müssen ja zum Beispiel auch auf die Entwicklung der Börse Acht geben.

Wie sieht bei Ihnen der typische Arbeitstag aus?

Den gibt es eigentlich nicht. Wir sind nicht so durchdekliniert, dass gesagt würde wir fangen alle um 9 Uhr an und dann um 5 Uhr nochmal eine Konferenz und dann geht’s nach Hause. Wir sind viel unterwegs, wir sind ja auch mit dem Standort Hamburg nicht gerade im Epizentrum der Finanzindustrie. Ich bin in der Regel eineinhalb Nächte die Woche nicht in Hamburg. Ich bin viel in Frankfurt, den Rest der Zeit in London, ich fahre dieses Jahr in die USA – ich habe etwas 60-80 Flüge im Jahr. Wir sind natürlich als Botschafter der Verlage und Magazine viel in der Welt unterwegs. Das erwarte ich auch von den Redakteuren. Daher ist ein typischer Arbeitstag recht schwer zu skizzieren. Wir haben auch viele Abendessen, wo wir uns mit Partnern treffen. Wenn Sie es ein bisschen eingrenzen wollen, kann man sagen: Ab 9 Uhr geht es in der Regel bei uns los, meist bis 19 Uhr. Wir haben für den Monatstitel eine große Konferenz. Online hat täglich Konferenzen. Bei der Themenkonferenz, wie es im Mediengeschäft ganz üblich ist, teilen wir uns die Themen ein, setzen den Seitenplan auf; ich stehe in einer direkten Beziehung mit unserer CVD, das heißt wir machen den Plan. Wir besprechen mit dem Vertrieb, welche Anzeigen geplant sind. Und dann entwickelt sich daraus die ganz klassische redaktionelle Arbeit.

Gibt es bei Ihnen so etwas wie die ideale Story?

Eigentlich nicht. Man könnte aber auch sagen, wir haben zwölfmal im Jahr die ideale Story. Denn wir sind nicht das manager magazin. Wir buddeln nicht irgendwo rum und sagen wow, VW macht dies und jenes. Wir achten auf Nutzwert, also ganz platt gesprochen. Wir sind das Heft, links sitzt der Finanzberater, rechts sitzt der Kunde. Und wenn wir es mit unseren Inhalten schaffen, links und rechts ein Stück näher zusammenbringen, dann haben wir eine ideale Geschichte. Ich habe wie gesagt drei Jahre bei der BILD-Zeitung viele Themen beackert und da ist mir nichts Menschliches mehr fremd. Sind das ideale Geschichten? Ich weiß es nicht, die sind auf jeden Fall richtig aus dem Leben. Was wir jetzt mit DAS INVESTMENT machen, ist, dass wir ein Stück weit Hilfestellung geben. Gerade im Private Banking Magazin sind das recht komplexe Geschichten, seien es Veränderungen im Erbrecht oder Stiftungsgeschichten oder das, was in Panama passiert ist. Unsere idealen Geschichten entstehen, wenn wir komplexe Sachverhalte runterbrechen können, sodass sie von unseren Lesern verstanden werden.

Wie können PR-Profis Ihnen dabei helfen, Content zu finden?

Der gemeine Redakteur ist faul. [Lacht] Ich glaube, wir ticken heute viel visueller, und was ich von vielen PR-Agenturen bekomme ist sehr viel Text, und dann auch noch in einer gewissen PR-Sprache geschrieben. Ich habe jüngst einen Gastbeitrag darüber geschrieben. Da wird immer „lanciert“, da kommt eine „Offerte“ daher, und das ist nicht mein Deutsch. Ich sage ja nicht, wenn ich mit Freunden und einer Flasche Wein zu Hause sitze, „Darf ich dir noch ein paar Chips offerieren.“ Ich will mich nicht verklausulieren, nur weil ich für ein Finanzmarktmagazin schreibe.

Ich will Geschichten haben. Ich glaube, dass PR-Agenturen natürlich stets den Kunden haben, der in dem Teilbereich auch superinformiert ist und sicherlich auch eine Topstellung hat. Das mal vorausgesetzt, glaube ich, dass man Geschichten braucht. Ich brauche Case Studies und möchte wissen, in welchem Fall dieses Know-How des Kunden wirklich maßgeblich und sehr ausgeprägt. Das brauche ich nicht immer schwarz auf weiß zu lesen. Ich würde auch ganz gerne sehen, wie eine tagesaktuelle Entwicklung oder ein längerer Prozess seitens des Kunden bewertet wird. Das heißt auch, dass in kurzen Sätzen etwas dargestellt werden muss. Dazu hätte ich auch immer gern eine Grafik, die eine gewisse Exklusivität hat, neu und nett aufbereitet ist. Und alles bitte im gleichen Paket schicken. Der Redakteur hat nicht die Zeit, dann auch noch ein Bild anzufragen oder sich etwas zusammenzusuchen. Ich glaube, so wird man viel eher wahrgenommen. Ich bekomme am Tag bestimmt 300 bis 400 PR-Mitteilungen.

Die Folien zu unserem Gespräch mit DAS INVESTMENT finden Sie hier.

Sprecher war

Malte Dreher

Malte Dreher, Chefredakteur DAS INVESTMENT