Diese Veranstaltung fand statt am Donnerstag, 10. Dezember 2015.

Können Sie uns einen kurzen Überblick zur Auflage der ZEIT geben?

• die Auflagenzahlen sind seit Jahren stabil bei gut 500 000 Exemplaren

• circa 70 Prozent der Leser sind Abonnenten

Wie sieht die Redaktionsstruktur der ZEIT aus?

• in Hamburg gibt es 100 Redakteure, die vor allem für die ZEIT (Print) schreiben

• in Berlin sitzen ebenfalls rund 100 Redakteure, davon rund 60 für ZEIT Online, der Rest für ZEIT Magazin und Parlamentsredaktion

• es gibt gut 15 Büros im In- und Ausland

• ZEIT (Print) und ZEIT Online sind getrennte Redaktionen, verstehen sich aber als ein Haus und arbeiten regelmäßig zusammen

• es gibt keine Pflicht, als Printredakteur für die Online-Ausgabe zu schreiben, aber es kommt vor wo sinnvoll, wie häufig ist dem Einzelnen überlassen

• größere Themen: zunehmend orchestrierte Auftritte in Print und Online

Gibt es eine redaktionelle Philosophie?

• es ist uns wichtig Themen verständlich und anschaulich darzustellen

• wir erklären Fachausdrücke – “Übersetzungsfunktion”

• wir versuchen uns von der Aufgeregtheit anderer Medien fernzuhalten

Wer sind Ihre Hauptwettbewerber?

• DER SPIEGEL

• Süddeutsche Zeitung

• Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, WAMS

Wie ist die Berichterstattung im Wirtschaftsressort anders als beim HB oder der FAZ?

• stärkeres Denken in größeren Geschichten, größeren Themen, eigenen Schwerpunkten

• anderer Rhythmus: wir planen die Woche ab Mittwoch, produzieren dann den Dienstag drauf, erscheinen am Donnerstag und werden in der Regel erst am Wochenende gelesen

• das erfordert eine andere, vorausschauendere, eigenständigere Planung

• trotzdem gilt es natürlich wichtige Aktualitäten zu berücksichtigen; Aktuelles und Langfristiges parallel zu stemmen ist die Herausforderung

Wie stark ist momentan die Abwanderung Ihrer Leserschaft von der Print-Ausgabe hin zu Ihrem Internet-Auftritt?

• DIE ZEIT und DIE ZEIT online: es sind separate Redaktionen, insofern wird eigenständig berichtet, teils auch über unterschiedliche Themen

• es gibt eine bestimmte (begrenzte) Anzahl von Artikeln aus der ZEIT (Print), die im Onlinebereich übernommen wird

• unsere Auflagezahlen im Printbereich sind in den vergangenen Jahren gestiegen und derzeit stabil über 500 000

• Online-Medien gewinnen an Bedeutung; es gibt positive und negative Impulse

• der ZEIT Verlag entwickelt ständig neue Projekte (zB neue Magazine, neue Regionalausgaben, neue Ressorts), stellt sich immer breiter auf und probiert vieles aus

Können Sie beschreiben, wie PR’s idealerweise Kontakt mit der Redaktion aufnehmen sollten?

• Kontaktaufnahme am Dienstag ist nicht zu empfehlen: Produktionstag

• Kontaktaufnahme sonst gern auf allen Wegen (Email, Telefon)

• Treffen sind wichtig, um sich persönlich zu kennen und auszutauschen

• es sollte inhaltliche Anknüpfungspunkte geben, ich bin zuständig für Banken, Versicherungen und Finanzthemen, nicht für Frankfurt generell; ggfs stelle ich natürlich gerne intern den Kontakt mit den richtigen Kollegen in Hamburg her

Der typische Tagesablauf

• morgens: Medienschau; was hat sich entwickelt

• Gesprächsaustausch mit Hamburg, Themen planen, dann Termine und Recherchen

• Mittwoch: Planung neuer (langfristiger) Themen

• Montag und Dienstag können weitere aktuelle Themen dazukommen

• Dienstag: Produktionstag

• Recherche: Themen gilt es zu durchdenken und zu verstehen, um es dann für den Leser zu “übersetzen”

• ich beschäftige mich sowohl mit langfristigen Themen als auch mit aktuellen Themen: beide Ebenen müssen vereinbart werden

Sprecher war

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Arne Storn, Frankfurt Korrespondent