Diese Veranstaltung fand statt am Mittwoch, 24. Februar 2016.

Können Sie uns einen kurzen Überblick zu FONDS professionell geben?

Unser Heft erscheint pro Jahr vier Mal, was sehr angenehm ist, weil man sich für einen Artikel entsprechend Zeit nehmen kann. Der Verlag ist 1999 von zwei Redakteuren aus Wien gegründet worden, die es von Anfang an als Kombination aus Kongress, Online- und Printversion konzipiert haben. Diese Kombination ist sehr erfolgreich. Der Kongress ist mittlerweile Branchenevent Nummer 1, also wirklich Pflichtprogramm, und wir machen nur in unseren Heften und online Werbung für den Kongress, was wiederum zeigt, dass unsere Medien offensichtlich die Zielgruppe gut erreichen. Dann kamen sie 2001 hierher nach Deutschland, was rückblickend sicherlich kein leichtes Jahr für den Anfang war, aber trotzdem gut funktioniert hat. Der Kongress hat in Deutschland 6.000 Besucher am Tag, plus von den Ausstellern 2.000 oben drauf. Aussteller haben wir etwa 220, mehr könnten wir aus Platzgründen gar nicht nehmen.

Das gibt ein offensichtlich attraktives Paket für die Anzeigenkunden. Wenn man zum Kongress geht und 4 Anzeigen im Jahr hat, ist das als Gesamtkonstrukt sehr schön und erfolgreich und so kommt es, dass wir 130 oder mehr bezahlte Anzeigen in den Heften haben.

Erzählen Sie uns ein bisschen über Ihre Zielgruppe.

Die ursprüngliche Zielgruppe unseres Verlags sind unabhängige Fonds-Vermittler. Diese sind als Zielgruppe aus unserer Perspektive total ausgeschöpft. Wir erreichen darüber hinaus Honorarberater und einige KWG-Institute. Interessant sind natürlich die Versicherungsvermittler, wobei man da berücksichtigen muss, dass viele von ihnen als Zielgruppe nicht so spannend sind, weil sie Produkte von einem einzigen Haus anbieten und wir darum unseren Anzeigenkunden da nichts großartig liefern können. Im Bankenbereich wollen wir stärker expandieren.

Kommunizieren Sie mit Ihrer  Zielgruppe auch über soziale Medien?

Ich bin bei XING halbwegs aktiv, bei anderen sozialen Medien nicht. XING finde ich deshalb spannend, weil man dort auch einzelne Gruppen ansprechen kann. Ich bekomme dort wirklich viel Feedback, was über die Website direkt gar nicht kommt. Auf Twitter sind wir aktiv, das machen die Kollegen aus Wien, wobei ich da nicht weiß, ob man mit Twitter jetzt unsere spezielle Zielgruppe tatsächlich ansprechen kann. Da bin ich auch eher skeptisch. Viel Feedback bekomme ich auch über persönliche Gespräche.

Aus welchen Quellen bekommen Sie Ihre Themen? Gibt es da Unterschiede zwischen der Print- und der Onlineversion?

Die Printversion von FONDS ist tatsächlich ein rein von Redakteuren geschriebenes Blatt. Gastbeiträge haben wir da überhaupt nicht. Wir haben sehr wenige Geschichten, die nur eine Quelle haben. Es ist also wirklich ausführlich recherchiert und darum ist es zum Teil für PR-Leute schwierig, reinzukommen. Als Quelle, Zitat oder Experte zu einem Thema kommen PRler aber sicher in Frage.

Online ist es ein bisschen anders, da stützen wir uns sehr stark auf Pressemeldungen. Ganz früher war FONDS Professionell Online auch quasi eine Abdrucken von Pressemeldungen wenn man mal ganz ehrlich ist. Das haben wir in den letzten Jahren doch stark geändert, denn heute wird alles redigiert. Die Klickzahlen sind immer dann am höchsten, wenn es die Zielgruppe direkt betrifft. Wir stellen uns die Frage, was aus Sicht des Lesers für ihren Job relevant ist.

Wie sieht ein typischer Tag in der Online-Redaktion aus?

Wir haben eine morgendliche Konferenz, immer um 09:15 Uhr, da schalten wir uns mit den Kollegen aus Wien zusammen und produzieren täglich zwischen 15 und 20 News. Alle Absprachen hinterher finden quasi auf direktem Wege statt. Wenn etwas Spannendes reinkommt, bringen wir das auch gleich. Wenn Sie also das Ziel haben, dass die Geschichten auch am gleichen Tag bei uns zu sehen sind, ist es gar nicht schlecht, das auch entsprechend früh zu schicken. Ansonsten geht auch bei uns wenig verloren, es bleibt dann halt liegen. Im täglichen Newsletter ist es dann aber tatsächlich auch erst am nächsten Tag dabei.

In Köln sind wir inzwischen sechs festangestellte Redakteure plus zwei, die frei für Print arbeiten. Als ich 2013 dazukam, war ich der vierte Redakteur in Köln.

Haben Sie bei FONDS professionell Auswirkungen der Printkrise erlebt?

Die Printkrise ist hauptsächlich ein Phänomen der Publikumsmedien. Fachmedien sind da ein Stück weit außen vor. Unsere Zielgruppe braucht die Infos einfach für den Job und ich glaube, dass es ihnen im Zweifelsfall egal ist, woher sie diese bekommen. Der Markt für diese Fachinfos wird ja wegen der Printkrise nicht kleiner. Ich glaube, uns kommt auch zugute, dass wir mit einer quartalsweisen Erscheinung relativ entspannt unterwegs sind. Unser Heft wird nicht am Kiosk gekauft, es liegt dann auf dem Schreibtisch und bleibt dann auch liegen und man erstickt nicht so an dem Wust, wie wenn regelmäßig etwas käme. Im Print haben wir außerdem exklusiv recherchierte Geschichten, die man online nur zum Teil finden kann.

Wie können PR-Leute am besten zu Ihren Themen beitragen?

Wir nehmen sehr gerne Themen von PRlern, auch gerne Gespräche. Dazu der Hinweis: Fonds-Manager, die man nicht unbedingt kennt, die sich zum Markt äußern wollen – das trifft auch bei unserer speziellen Zielgruppe auf recht wenig Resonanz. Interviews mit Top-Leuten führen wir gerne, aber unbekanntere Leute zu interviewen lohnt sich in der Regel schlicht nicht.

Am liebsten möchte ich per E-Mail kontaktiert werden. Wenn ich für jede E-Mail einen Anruf kriegen würde, wäre das allerdings sehr schlecht. Auf andere Kanäle schaue ich nicht so. Die E-Mails schaue ich immer durch und dass wir einmal etwas Meldenswertes übersehen, kommt nicht oft vor.

Die Folien zu unserem Gespräch mit FONDS professionell finden Sie hier.

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Bernd Mikosch, Chefredakteur FONDS professionell