“Ein Wort: Fokus” – Max Borges im Interview über den Erfolg von PR-Agenturen

"Ein Wort: Fokus" - Max Borges im Interview über den Erfolg von PR-Agenturen

Für erfolgreiche PR gibt es keine festgelegte Methode. Viele Wege führen ans Ziel. Manchmal kann es sogar nützlich sein, sich Branchentrends bewusst entgegenzustellen. Auch Perspektiven von Außenstehenden können eine große Hifle sein.

Max Borges baute seine Agentur, die Max Borges Agency, von Grund auf, ohne akademischen Abschluss oder Erfahrung in der PR. Stattdessen verließ er sich auf seinen scharfen Blick für die Nachfrage im Markt, sein unternehmerisches Talent und seine Leidenschaft.

In unserem Gespräch erzählt Borges von seinem ungewöhnlichen Weg zum Erfolg, von strategischem Wachstum, Kundenbeziehungen und mehr.

"Ein Wort: Fokus" - Max Borges im Interview über den Erfolg von PR-AgenturenDie Max Borges Agency wurde sieben Jahre in Folge vom Business-Magazin Inc. als eine der am schnellsten wachsenden privaten Firmen bezeichnet.  Worauf führen Sie Ihren Erfolg zurück?

Ein Wort: Fokus. Wir entschlossen uns früh dazu, uns auf eine einzige Sache zu konzentrieren, in der wir die besten sein konnten: Media Relations für Verbraucherunternehmen in der Technologiebranche. Das war auch ein Bereich, von dem viele Agenturen sich eher wegbewegen. Während andere Agenturen den Tod der Pressemitteilungen verkündeten, verdoppelten wir unsere Bemühungen und unser Unternehmen wuchs um das Fünffache an.

Wir blieben so lange wie möglich diszipliniert und arbeiten auch jetzt noch exklusiv mit Verbraucherunternehmen im Technologie-Bereich, obwohl wir nun eine Full Service-Agentur geworden sind. Unser Fokus ist weiterhin ein wichtiger Teil unserer Geschäftsstrategie, weil wir eine der wenigen Agenturen sind, die von sich behaupten können, dass sie in einem Bereich die besten sind.

Wie haben sich Ihr Fokus und Ihre Strategie verändert, als die Agentur weiter wuchs?

Unsere Strategie war schon immer, uns auf eine Sache zu konzentrieren, die wir am besten machen können und diesen Fokus nur dann auszuweiten, wenn es absolut notwendig ist, weil der Markt die Wachstumsrate, die wir uns wünschen, nicht mehr finanzieren kann.

Vor einigen Jahren bemerkten wir, dass der Markt von Verbraucherunternehmen im Technologie-Bereich, die ausschließlich an Media Relations interessiert sind, bald gesättigt sein würde. Also fingen wir an, unsere digitalen, kreativen und strategischen Kapazitäten auszubauen, und zwar genau zur richtigen Zeit. Jetzt können wir viel größere Kunden betreuen und dabei die gleiche Expertise anbieten, denn wir haben ein großes Repertoire an Experten in allen Bereichen der Kommunikation, die wir auf eine einzige Branche ausrichten können. Unsere Agentur ist nicht sehr groß, aber wir können uns mit jeder noch so großen Agentur messen, wenn es um Verbrauchertechnologie geht.

Sie begannen Ihre Karriere in der Musikindustrie und gingen dann in den Bereich PR für Verbrauchertechnologie über. Was hat Sie zu diesem Wandel motiviert?

Ich wünschte, ich könnte sagen, dass das Absicht war. Vor 15 Jahren war ich arbeitslos und beinahe obdachlos. Ich war vergeblich auf Arbeitssuche, aber fand einen Kunden, der Hilfe beim Marketing für ein Event brauchte. Ich beschloss, nach einem anderen Kunden zu suchen, und begann, Mitarbeiter einzustellen. Ein paar Jahre später war ich in der Lage, unsere Geschäftsstrategie festzulegen, und das Unternehmen wurde sehr profitabel.

Ich hätte nie gedacht, dass ich dies irgendwann zu meinem Beruf machen würde, aber ich konzentriere mich einfach darauf, ein erstklassiges Unternehmen aufzubauen, das für Kunden überragende Erfolge einbringen kann. Da ich nicht der PR-Typ bin, kann ich meine Zeit dem Aufbau der Firma widmen. Als Einzelperson kann man nicht Dutzenden von Kunden effektiv helfen. Deshalb haben auch so wenige PRler, die alleine arbeiten, wenig Erfolg. Sie wissen oft nicht, wie man von einem PR-Typen zum Unternehmertypen wird.

Was ist das Wichtigste, das Sie während Ihrer PR-Karriere gelernt haben?

Das Wichtigste, das ich gelernt habe, ist Teil meiner Geschäftsstrategie und ein wohl gehütetes Geheimnis. Das Zweitwichtigste ist aber, dass das Wort “Kunde” immer im Plural steht. Der Kunde ist immer eine Gruppe von Leuten, die sich vom CMO über den CEO zum PR-Assistenten erstreckt, und man muss sie alle in gleicher Weise als Partner behandeln. Jede einzelne Person in dieser Gruppe könnte potentiell die Beziehung zerstören.

Welche Gewohnheiten halten Sie auf Trab?

Ich glaube, dass es genauso wichtig ist, den Geist zu ernähren, wie den Körper. Deshalb lese ich jeden Tag, um zu lernen und mich inspirieren zu lassen.

Wie stellen Sie sich die Zukunft der PR vor?

"Ein Wort: Fokus" - Max Borges im Interview über den Erfolg von PR-Agenturen

Im Bereich Verbrauchertechnologie überschneidet sich die Rolle der PR-Agentur immer mehr mit der Rolle der Werbeagentur. Dieser Trend wird sich auch fortsetzen und immer mehr Agenturen werden Marketing in seiner gesamten Bandbreite abdecken.

Welchen Rat haben Sie für Karriereeinsteiger in der PR?

Es ist wichtiger, mehr über das Unternehmen Ihrer Kunden zu erfahren als über Kommunikation. Wenn Sie das Unternehmen verstehen, ergibt sich das Marketing fast von selbst. Andersherum ist es schwieriger.

Max Borges persönlich

1. Mein liebstes Gadget ist im Moment…die Laufapp Strava. Ich trainiere mehr, wenn ich weiß, dass Andere mich im Blick haben!

2. Ich kann es nicht leiden wenn…jemand den Status Quo akzeptiert – und das kommt meistens vor.

3. Mein liebstes soziales Netzwerk ist…Facebook. Ich folge nur meiner Familie, meinen Mitarbeitern und einer Handvoll guter Freunde, also lässt es sich ganz gut managen und so bleibe ich immer auf dem Laufenden.

4. In einer Karaokebar singe ich…The Final Countdown!

5. Das Interessanteste an mir ist…dass ich eine höchst erfolgreiche PR-Agentur aufgebaut habe, ohne einen Hochschulabschluss oder Erfahrung in der PR zu haben. So schwer ist es anscheinend nicht! Aber im Ernst: Mein größter Vorteil war, dass ich keine Erfahrung hatte. So konnte ich eine Agentur gründen, die sich von anderen unterschied, weil ich nie gelernt hatte, wie man es “richtig” macht.

6. Ich bin in meinem Element, wenn…ich Anderen helfe, ihr wahres Potential zu entdecken. Ich glaube, dass die Menschen viel mehr Potential haben, Großartiges zu schaffen, als sie es selbst merken. Ein Teil unseres Erfolgs kommt aus der Erwartung heraus, dass unsere Leute Dinge tun können, von denen sie nie geglaubt hätten, dass sie es können. Darin habe ich mich noch nie geirrt.