Realer Rundgang: Virtual Reality auf der dmexco 2016

Meinen ersten dmexco-Besuch (… darf man das überhaupt sagen?) hab ich hinter mich gebracht. Es war – erfolgreich? Auf jeden Fall lehrreich und sehr interessant. Neben alten Bekannten habe ich zahlreiche neue Unternehmen kennen gelernt. Außerdem habe ich lernen dürfen, dass auch die dmexco als “wichtigster Treffpunkt der globalen digitalen Wirtschaft” durchaus Probleme hat, bei der Umsetzung einer vernünftigen App, der WLAN-Verfügbarkeit und auch beim Onlineticket-Vorverkauf. Hier ist noch reichlich Luft!

Es ist unmöglich, DEN Trend rauszupicken – dazu bietet die dmexco zu viele neue und innovative Lösungen, aber auch so manch „alte“ Lösung im neuen, mehr oder minder optimierten Kleid. Ich habe deshalb die Gelegenheit genutzt und mir das Thema VR ein wenig genauer angeschaut, selbstverständlich auf immersive Art und Weise.

VR wurde auf der dmexco auf vielfältige Weise beleuchtet. Aus Perspektive der „Hardware“-Hersteller; aus der Perspektive der Software- & App-Anbieter oder aus Sicht digitaler (Full-Service-) Agenturen, die VR für komplexe, virtuelle Projekte nutzen, um eine intensivere Nutzererfahrung hervorzurufen. Hier ein kurzer Überblick über drei immersive Erfahrungen mit VR auf der dmexco

Runtastic: der österreichische Anbieter von Fitness-Apps nutzt die VR-Technik, um seinen fitnessbegeisterten Nutzern eine intensivere App-Erfahrung anzubieten. So konnte ich mit der VR-Brille die Umgebung auswählen, in der ich eine vorher ausgesuchte Übung machen konnte. In einem virtuellen Landhaus-Kaminzimmer stand mir gegenüber eine ebenso virtuelle, durchtrainierte Fitnesstrainerin, die die Übungen vormachte. Eine kleine Anzeige in der rechten oberen Ecke gab mir zudem Auskunft darüber, ob ich bei meiner Kniebeuge auch tief genug in die Knie ging. Für jene, die bevorzugt zu Hause und alleine ihre Fitness-Übungen machen, sicherlich interessant – gerade die letztgenannte Kontrollfunktion bietet etwas, was Fitness-DVDs bspw. nicht können. Und vielleicht finden VR-Brillen auch in Fitness-Centern zukünftig ihre Verbreitung, um die doch eher einseitige Umgebung eines Fitnessraumes auszublenden und in die Umgebung der Wahl einzutauchen.

Stand: , Halle 8

Bildquelle: dmexco.

Valtech: die digitale Full-Service-Agentur zeigte an ihrem Stand eindrucksvoll, wie man VR kreativ nutzen kann, für eine „räumlichen Malerei“. Ja – natürlich war viel Spielerei dabei – effektreiche Pinselspitzen, mit denen man Sterne versprühende und fluoriszierende Farben auftragen oder Regenbogen nachahmen kann. Aber lässt man die Effekte mal außen vor, so bietet sich Kreativen wie Architekten, Ingenieuren oder Designern die Möglichkeit, dreidimensionale Räume schnell und einfach zu skizzieren und Kunden bereits im frühen Stadium eines Projektes einen räumlichen Eindruck zu vermitteln. Das habe ich auch gleich testen dürfen, anhand eines virtuellen Campingzeltes, welches Valtech für einen Zelthersteller kreiert hat. Nach Auswahl einer typischen Umgebung (Wald oder Gebirge) konnte ich mir das Zelt von allen Seiten betrachten und auch hineingehen. Hier ist VR eindeutig die konsequente und logische Fortführung, wo es darum geht, digitale, dreidimensionale Räume dem Menschen näherzubringen. Gerade in den Bereichen Architektur und Innenarchitektur, in der Ausstattung von Autos oder auch im Tourismus und Hotellerie dürfte die VR-Technologie schon sehr zu einer gebräuchlichen Technologie werden, mit der man Kunden die Möglichkeit gibt, Produkte und Angebote individuell zusammenzustellen oder vorab zu erleben.

Komplexe, neue Technologien sind teuer. Bei VR ist das nicht anders. Einen preiswerten Einstieg in die VR-Welt bilden die Cardboard-Brillen. In die zusammenfaltbaren Brillen aus Karton kann man sein Smartphone einsetzen, auf das man zuvor eine VR-App heruntergeladen hat. VR-fähige Videos, Spiele etc. gibt es bereits in den gängigen App-Stores. Dann Brille aufsetzen und das VR-Erlebnis genießen. Zugegeben: es ist kein endgültiger Genuß – aber es reicht für ein erstes, durchaus beeindruckendes immersives Erlebnis. Für Marketer dürfte interessant sein, dass man Cardboards branden kann und dass Smartphones diverser Hersteller eingesetzt werden können.

Einen interessanten Anbieter solcher Cardboards habe ich auf der dmexco im Start-up-Village getroffen. Mr. Cardboard ist ein Startup aus Berlin, das sich auf die Herstellung von Cardboards spezialisiert hat. Bereits in übersichtlichen Auflagen und zu erschwinglichen Preisen können gebrandete Cardboards produziert werden. Der Kunde muss nicht umständlich seine Brille zusammenbauen. Das “Faltprinzip” ist denkbar einfach und erspart einem den Ärger, den ich bereits beim Zusammenbauen billiger Cardboard-Varianten aus dem fernen Osten hatte. Zudem wird das Cardboard in einer mailingfreundlichen Verpackung geliefert, die man ebenfalls branden lassen kann.

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Bildquelle: mrcardboard.eu. Auf Mr. Cardboard wird erklärt, wie eine cardboard Brille funktioniert.

Das Thema VR steckt noch in den Kinderschuhen. Doch bereits jetzt gibt es eindrucksvolle Umsetzungen im Bereich Marketing. Einen Eindruck davon habe ich bei einer interessanten Panel-Diskussion auf der dmexco erhalten. Dazu werde ich aber einen eigenen Blogbeitrag verfassen. Kennen Sie interessante, eindrucksvolle oder ansonsten erwähnenswerte Beispiele, wo die VR-Technologie zum Einsatz kommt? Dann freue ich mich auf Ihre Hinweise in den Kommentaren.

* (Bildquelle Titelbild: dmexco)