Studie der Universität Leipzig belegt geringes Vertrauen in Vorstände, PR- und Marketingverantwortliche in Deutschland – Bevölkerung vertraut externen Fürsprechern mehr als Journalisten

Repräsentative „Trust in Communicators“ Studie (TiCS) wurde veröffentlicht

  • Nur 17 Prozent der deutschen Bevölkerung vertrauen Journalisten bei ihrer Berichterstattung über Unternehmen und andere Organisationen; die Aussagen von externen Experten wie Beratern, Wissenschaftlern (37%) und Kunden/Klienten oder Fans/Unterstützern (18%) sind vertrauenswürdiger.
  • Das Vertrauen in Vorstände und andere Top-Manager ist in Deutschland besonders gering (9%). Annähernd jeder zweite Bundesbürger (47%) misstraut ihren. Normale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die vertrauenswürdigsten internen Botschafter für eine Organisation (15% Vertrauen).
  • In Deutschland wird professionellen Kommunikatoren wie Marketing- und Vertriebsmitarbeitern (49% Misstrauen) und PR-Fachleute (42% Misstrauen) besonders kritisch begegnet. Nur jeder zwölfte Bundesbürger vertraut ihren Aussagen (8-9% Vertrauen). In Großbritannien ist das deutlich anders (16% Vertrauen).
  • Ein Grund dürfte das geringe Wissen in der Bevölkerung über Kommunikationsprofis sein: es gibt kein klares Bild über Aufgaben und Bedeutung. Umgekehrt haben Kommunikationsverantwortliche eine falsche Vorstellung vom Bevölkerungsvertrauen, wie ein Vergleich der Befragungsdaten aus beiden Gruppen zeigt

Brüssel/Leipzig, 23. Oktober 2019 – Eine in Brüssel vorgestellte Studie unter Leitung von Professor Ansgar Zerfaß von der Universität Leipzig offenbart ein hohes Maß an Misstrauen der Bevölkerung in großen europäischen Ländern gegenüber denjenigen, die das Bild von Unternehmen und anderen Organisationen in der Öffentlichkeit prägen. Im Vergleich zu Italien und Großbritannien genießen Journalisten in Deutschland weiterhin einen Vertrauensvorschuss gegenüber den formalen Vertretern von Organisationen wie Top-Managern oder PR- und Marketingverantwortlichen. Jedoch vertrauen gerade jüngere Menschen zunehmend den Aussagen von externen Unterstützern wie beispielsweise Fachexperten, Kunden oder Fans. Wenn Aktivisten und andere Organisationen mit eigenen Zielen oder normale Mitarbeiter über ein Unternehmen sprechen, ist dies sogar vertrauenswürdiger, als wenn offizielle Sprecher dies tun. Dies hat Konsequenzen für die Positionierung von Unternehmen im öffentlichen Diskurs die gesellschaftliche Kommunikationskultur insgesamt – insbesondere deshalb, weil Kommunikationsverantwortliche in den untersuchten Ländern bislang offenkundig eine falsche Vorstellung vom Bevölkerungsvertrauen in verschiedene Akteure haben.

Die wissenschaftliche Studie wurde von Kommunikationsforschern der Universität Leipzig gemeinsam mit Kollegen der Leeds-Beckett-Universität sowie der IULM Universität Mailand im Rahmen des pan-europäischen Forschernetzwerkes EUPRERA durchgeführt. Unterstützt wurde die aus zwei Befragungen basierende Studie durch den Kommunikationsdienstleister Cision Insights, London/Frankfurt, und die Kommunikationsagentur Fink & Fuchs, Wiesbaden. Einerseits wurde eine repräsentative Bevölkerungsbefragung in Deutschland, Italien und Großbritannien durchgeführt um ein Bild davon zu erhalten, inwieweit Bürger den unterschiedlichen Sprechern einer Organisation vertrauen – seien es die Leitung und professionelle Kommunikationsexperten, normale Mitarbeiter oder Kunden sowie externe Experten im Vergleich zu Journalisten, die über eine Organisation berichten. Andererseits führte das Forscherteam eine Befragung unter Kommunikationsverantwortlichen in den gleichen Ländern durch, um die Ergebnisse mit den Erwartungen der Kommunikationsexperten zu spiegeln.

Professor Ansgar Zerfaß und Dr. Markus Wiesenberg vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig betonen entsprechend: „Unsere Studie verdeutlicht den Vertrauensverlust in professionelle Sprecher von Organisationen ebenso wie den Vertrauensverlust in Journalisten, die über Organisationen berichten. Dass gerade in der jüngeren Bevölkerungsgruppe andere Botschafter wie Kunden und normale Mitarbeiter an Vertrauen gewinnen, ist eine nicht umkehrbare Konsequenz der digitalen Kommunikation. Nichtsdestotrotz sind Journalisten- und Kommunikationsverbände in Deutschland aufgefordert, das Bewusstsein für die Leistungen und den Wert professioneller Kommunikationsarbeit zu stärken, damit der Vertrauensverlust nicht weiter zunimmt. Das ist eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass gesellschaftliche Gräben überwunden und eine offene Meinungsbildung ermöglicht werden.“

Zum zweiten Teil des Blog-Beitrags geht es HIER

Über die Studie

Die “Trust in Communicators”-Studie basiert auf zwei Teilen: Einerseits wurden in einer repräsentativen Omnibusbefragung in Deutschland, Italien und Großbritannien durch Kantar TNS im Frühjahr 2019 die Einstellungen der Bevölkerung gegenüber unterschiedlichen Kommunikatoren sowie zur Öffentlichkeitsarbeit abgefragt. Andererseits wurden im selben Zeitraum durch das Forscherteam der EUPRERA Kommunikationsfachkräfte in den gleichen Ländern online befragt, was sie denken, wie die Bevölkerung die unterschiedlichen Kommunikatoren in ihren Ländern vertraut.

Basierend auf wissenschaftlicher Literatur sowie Vertrauensstudien zu Kommunikationsfachkräften wurden den Befragten Item-Batterien vorgelegt, die sie ausfüllen mussten. Die Omnibusumfragen repräsentieren die deutsche, italienische und britische Bevölkerung zwischen 16 und 64 Jahre. Die Kommunikationsfachkräfte wurden im Zuge der pan-europäischen Panel-Befragung – dem European Communication Monitor – im selben Zeitraum befragt. Die gesamten Studienergebnisse gibt es HIER

Kontakt:

EUPRERA und Universität Leipzig

Name:             Prof. Dr. Ansgar Zerfaß & Dr. Markus Wiesenberg

Adresse:          Universität Leipzig, Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft,
Nikolaistr. 27-29, 04109 Leipzig

Email:              tics19@euprera.org

Tel:                  0341-97-35816 / 0152-2456-9249

Herausgeber:

EUPRERA European Public Relations Education and Research Association, Brüssel, www.euprera.org

Ermöglicht wurde die Studie durch Cision Insights und Fink & Fuchs

Zitation:

Zerfass, A., Wiesenberg, M., Tench, R., & Romenti, S. (2019). Trust in communicators. How the general population trusts journalists, public relations professionals, marketeers and other communicators: A comparative study in Germany, Italy and the United Kingdom. Brüssel: EUPRERA.

Kurzzitation (Charts/Grafiken):

Quelle: Trust in Communicators Studie 2019 (www.euprera.org)

 

 

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