Cision Social Journalism-Studie 2014/15 – Top-Ergebnisse für Finnland

Cision Social Journalism-Studie 2014/15 - Top-Ergebnisse für Finnland

Die nun schon vierte jährliche internationale Social Journalism-Studie von Cision in Kooperation mit der Canterbury Christ Church University untersucht wie Journalisten soziale Medien im Beruf und in der Kommunikation mit PR-Profis nutzen und bewerten. Heute präsentieren wir Ihnen die Top-Ergebnisse der Studie für Finnland. Die Ergebnisse für Deutschland, Großbritannien, Schweden und den internationalen Report sowie Trendprognosen veröffentlichen wir demnächst im Cision-Blog.

Dieses Jahr bleibt kein Zweifel mehr, dass soziale Medien zu den Standardwerkzeugen für viele verschiedene Aufgaben im journalistischen Berufsalltag gehören. Nun arbeiten Journalisten immer fokussierter mit sozialen Medien, anstatt viel Zeit auf eine große Bandbreite von Tools zu verwenden. Hier dominieren Facebook und Twitter und Journalisten verbringen nur wenig Zeit damit, für bestimmte Aufgaben mit spezialisierteren Netzwerken zu experimentieren.

Viele Journalisten sind davon überzeugt, dass sie ohne soziale Medien gar nicht arbeiten könnten. In Finnland ist man weitgehend der Meinung, dass soziale Medien die Produktivität steigern, aber den Workload nicht mindern. Im Grunde helfen sie also dabei, mehr Content zu produzieren.

Journalisten nutzen soziale Medien meist zur Recherche, sie verlassen sich aber auch weiterhin auf traditionelle Quellen wie Experten und andere Journalisten. Dies kann über soziale Medien geschehen, muss es aber nicht. Das deutet darauf hin, dass sie in dieser Hinsicht sehr differenziert arbeiten: Wenn soziale Medien ihre Arbeit unterstützen und erleichtern, werden sie genutzt, ansonsten nicht. Effektivität und Glaubwürdigkeit sind wichtiger als die Verwendung bestimmter Tools.

Die Arbeitsbeziehungen zu PR-Profis werden von den meisten finnischen Journalisten als befriedigend bewertet, obwohl auch hier Verbesserungsbedarf offen kommuniziert wird, gerade wenn es um die Verlässlichkeit bereitgestellter Infos und Daten geht.

Nach wie vor bleibt die E-Mail das wichtigste Instrument in der Kommunikation mit PR-Fachleuten. Eine geringe Anzahl an Journalisten würden jedoch lieber öfter über soziale Medien kommunizieren.

Cision Social Journalism-Studie 2014/15 - Top-Ergebnisse für FinnlandFinnische Journalisten fallen auch in 2014/15 in fünf Nutzertypen sozialer Medien

In unserer Studie ließen sich fünf Nutzertypen sozialer Medien identifizieren, in die Journalisten geordnet werden können: Architekten, Promotoren, Jäger, Beobachter und Skeptiker. Jede dieser Gruppen unterscheidet sich von den anderen durch eigene Merkmale, wie z.B. Verhaltensweisen, Nutzung und persönliche Einstellung gegenüber sozialer Medien. Finnische Journalisten bewegen sich immer mehr von den Skeptikern weg, hin zu einer differenzierten Verwendung von und positiveren Haltung zu sozialen Medien.

Cision Social Journalism-Studie 2014/15 - Top-Ergebnisse für FinnlandFinnische Journalisten nutzen soziale Medien hauptsächlich zur Recherche

Journalisten in Finnland benutzen soziale Medien am häufigsten zur Recherche von Storys oder Informationen. Insgesamt werden die Tools aber gleichzeitig für eine Vielzahl von Aufgaben genutzt. Mehr als zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie für alle beruflichen Hauptaufgaben soziale Medien verwenden: Für die Veröffentlichung und Promotion ihrer Storys ebenso wie zum Netzwerken, zur Verifizierung von Fakten und zur Medienbeobachtung. Soziale Medien sind in Finnland also vollständig in den journalistischen Arbeitsalltag eingebettet. Besonders auffällig sind aber die Veränderungen in den letzten vier Jahren: Die Anzahl an Journalisten, die soziale Medien zur Recherche und Verifizierung verwenden, hat sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt.

Einer der größten Unterschieden zwischen den Nutzertypen, welche die Social Journalism-Studie identifierte, ist der Grund, warum sie soziale Medien nutzen. Die so genannte Gruppe der Architekten integriert soziale Medien in alle Aufgaben der Arbeitswelt, Beobachter und Skeptiker dagegen nutzen die Tools hauptsächlich zur Recherche. Journalsiten, die in die Kategorie Jäger gehören, nutzen soziale Medien oft und viel zur Recherche, Promotoren zur Veröffentlichung, Promotion und Beobachtung der Inhalte, die sie selbst erstellt haben.

Cision Social Journalism-Studie 2014/15 - Top-Ergebnisse für FinnlandFinnische Journalisten sind nicht immer auf Social Media online

Fast alle finnischen Journalisten nutzen regelmäßig soziale Medien; der größte Teil von ihnen (75%) verwendet darauf 2 Stunden am Tag. Nur wenige sind “immer online” und nutzen die Tools 4 oder mehr Stunden täglich. Mit anderen Worten: Soziale Medien sind zwar ein unerlässlicher Teil der journalistischen Arbeit, aber sie werden nicht ständig genutzt. Finnische Journalisten schauen eher mehrmals am Tag kurz hinein, um spezifische Aufgaben zu bearbeiten. Die Anzahl der Journalisten, die Social Media mehr als 4 Stunden am Tag nutzen, ist seit 2012 von 14% auf 5% gesunken. Auch der Anteil der Journalisten, die soziale Medien gar nicht nutzen, sank stark ab, nämlich von 17% (2012) auf 4%. Die anfängliche Trennung zwischen Nutzern und Nichtnutzern sozialer Medien beginnt sich also zu konsolidieren. Daraus kann auch geschlossen werden, dass die Neuheit von Social Tools mittlerweile so weit abgeebbt ist, dass sie in den journalistischen Alltag integriert sind und die Nutzungszeit abgenommen hat.

Wie oft und wie ausgiebig soziale Medien genutzt werden wird aber auch durch demografische und professionelle Faktoren beeinflusst. Journalisten in der Architekten-Gruppe nutzen am meisten soziale Medien. Etwa ein Drittel von ihnen nutzt sie mehr als 4 Stunden am Tag. Die Skeptiker wiederum nutzen soziale Medien am wenigsten: 85% nutzen soziale Medien gar nicht oder seltener als einmal am Tag.

Cision Social Journalism-Studie 2014/15 - Top-Ergebnisse für FinnlandFacebook und Twitter sind am beliebtesten, aber finnische Journalisten nutzen eine Vielzahl von Tools

An der Spitze der beliebtesten Social Media-Tools bei finnischen Journalisten stehen Facebook und Twitter, aber auch eine Vielzahl von anderen Tools wird für viele Aufgaben verwendet. Es dominiert also keine einzelne App, da verschiedene Marken unterschiedliche Leistungen bieten und unterschiedliche Bedürfnisse abdecken. 2014 nutzten finnische Journalisten im Durchschnitt 4,5 Social Media-Tools. 2013 waren es 4,51 und 2012 4,18. Der Trend zeigt eine gewisse Saturierung und deutet darauf hin, dass es eine optimale Anzahl an Social Media-Tools gibt, die Journalisten in ihren Alltag integrieren können. Diese optimale Anzahl lag bei zwei Dritteln der Befragten zwischen 3 und 5 verschiedenen sozialen Medien. Die Anzahl derer, die mehr als sechs verschiedene Tools benutzen, ist seit 2013 um 9% gesunken und liegt jetzt bei 31%. Finnische Journalisten haben also, nachdem die anfängliche Neuartigkeit sozialer Medien überwunden ist, kein Bedürfnis nach immer mehr Social Media-Tools. Die Nutzung von Mikroblogs (z.B. Twitter) und professionellen sozialen Netzwerken (z.B. LinkedIn), ist am meisten angestiegen, und zwar jeweils um 52% und um 41%.

Cision Social Journalism-Studie 2014/15 - Top-Ergebnisse für FinnlandFinnische Journalisten nutzen soziale Medien eher reaktiv als interaktiv

Bei ihrer täglichen Verwendung von sozialen Medien sind Journalisten in Finnland eher passiv. Sie reagieren meist auf Inhalte von anderen Nutzern. Die Produktion von eigenem Content und interaktive Tätigkeiten stehen meist nicht täglich auf dem Arbeitsplan. Zum Beispiel fand das Posten eigener Kommentare oder das Schreiben von Blogbeiträgen eher in wöchentlichem Rhythmus oder noch seltener statt. Gleiches gilt für das Beantworten von Kommentaren auf sozialen Webseiten. Allgemein lesen und beobachten finnische Journalisten in den sozialen Medien mehr, als beizutragen oder zu kommentieren.

Auch dieses Verhalten wird von professionellen, persönlichen und demografischen Faktoren beeinflusst.

Cision Social Journalism-Studie 2014/15 - Top-Ergebnisse für FinnlandTraditionelle Informationsquellen sind finnischen Journalisten weiterhin wichtig

Die meisten Befragten gaben an, dass Experten und Akademiker zu ihren wichtigsten Informationsquellen gehören. Darauf folgten Journalistenkollegen und Publikationen. Unabhängig von der zunehmenden Verbreitung sozialer Medien bleiben traditionelle Quellen also weiterhin wichtig. Das trifft auf alle Nutzertypen zu, wenngleich 66% der Architekten sich zunächst an andere Journalisten und Medienkanäle wandten und Experten/Akademiker an zweiter Stelle standen (52%). Nur 23% der Journalisten bevorzugen die Öffentlichkeit und Crowdsourcing als Informationsquelle.

Die Verlässlichkeit von PR-Quellen wird von einigen finnischen Journalisten in Frage gestellt. Nur wenige zählen sie zu den verlässlichsten Informationsquellen. 28% sagten, dass PR-Informationen die Qualität des Journalismus verbessern und 32% halten PR-Profis für eine verlässliche Quelle bei der Recherche. Das ist potentiell ein Problem für die Branche und die PR-Industrie sieht sich der Herausforderung gegenüber, von Journalisten als verlässlich und glaubwürdig wahrgenommen zu werden. Allerdings ist es wohl nur natürlich, dass ein gewisses Misstrauen angesichts der oftmals unterschiedlichen Ziele von PR-Fachleuten und Journalisten aufkommt. Zum Beispiel gaben 95% der Befragten an, die Aufgabe eines Journalisten sei es, aktuelle Themen zu analysieren, und 90% nannten an dieser Stelle die Investigation von Machthabern. Dahingegen waren nur 47% der Meinung, dass es zu den Aufgaben eines Journalisten gehöre, ein kommerziell vertreibbares Produkt herzustellen.

Cision Social Journalism-Studie 2014/15 - Top-Ergebnisse für FinnlandE-Mails bleiben das beliebteste Kommunikationsmittel mit PR-Profis – soziale Medien nehmen zu

Für 92% aller Befragten sind E-Mails das am meisten genutzte Kommunikationsmittel zwischen PR-Profis und Journalisten in Finnland. Diese Zahl hat sich seit 2013 leicht erhöht. Die zweitwichtigste Methose ist das Telefon (etwa 45%), das sich seit letztem Jahr recht stabil gehalten hat. Dahingegen zählen soziale Medien bei 21% der Befragten zu den zwei wichtigsten Kommunikationsmitteln mit PR-Profis (2013 waren es noch 15%).

Die Journalisten wurden auch dazu befragt, welche Kontaktmethode sie in ihrer Kommunikation mit PR-Profis bevorzugen würden. Finnische Journalisten würden gerne häufiger über soziale Medien oder per Post kontaktiert werden, als dies aktuell der Fall ist. Die Mehrheit bevorzugt aber weiterhin Kommunikation per E-Mail. Übers Telefon würden 17% der Journalisten lieber weniger angesprochen werden – das sind mehr als noch 2013. Diese Abneigung gegenüber der telefonischen Kontaktaufnahme sollte von PR-Profis berücksichtig werden. Zur Verbesserung ihrer Beziehungen mit Journalisten sollten PR-Profis unbedingt auch die Präferenzen einzelner Journalisten ermitteln, dokumentieren und berücksichtigen.
Cision Social Journalism-Studie 2014/15 - Top-Ergebnisse für Finnland

Finnische Journalisten sind mit ihren Beziehungen zu PR-Profis zufrieden, es besteht aber noch Verbesserungspotential

Die Art, wie Journalisten und PR-Fachleute kommunizieren, hat sich durch soziale Medien verändert. Das heißt jedoch nicht, dass sich dadurch die Arbeitsbeziehungen verbessert hätten. Nur etwa die Hälfte (54%) der Befragten ist mit der Beziehung zu PR-Profis gänzlich zufrieden. Interessanterweise waren Journalisten, die oft soziale Medien nutzen, mit PR-Fachleuten zufriedener als solche, die wenig oder keine sozialen Medien einsetzen. Bedenklich ist, dass Journalisten von der Verlässlichkeit und Qualität der Informationen, die sie von PR-Profis erhalten, eher einen negativen Eindruck haben. Nur für ein Drittel sind PR-Profis eine verlässliche Informationsquelle.

Die persönliche Einstellung finnischer Journalisten zur Verlässlichkeit von PR-Quellen hat sich seit dem letzten Jahr verschlechtert, und zwar unabhängig davon, wie oft und wie lange die Journalisten zu sozialen Medien greifen.

Viele Journalisten sind davon überzeugt, dass sie sich gerade aufgrund von sozialen Medien weniger auf PR-Fachleute verlassen können. Das deutet darauf hin, dass die PR-Branche nicht nur darüber nachdenken sollte, wie sie sich auf verschiedenen Plattformen präsentiert, sondern vor allem den Content, den sie für soziale Medien erstellt, überdenken sollte.

Cision Social Journalism-Studie 2014/15 - Top-Ergebnisse für FinnlandDie Hälfte aller finnischen Journalisten könnte ohne soziale Medien nicht arbeiten

Insgesamt stehen finnische Journalisten sozialen Medien und deren Einfluss auf ihre Arbeit sehr positiv gegenüber und ihre Einstellung wurde auch in den letzten Jahren immer positiver. 2012 waren zum Beispiel 26% der Ansicht, dass sie ohne soziale Medien nicht arbeiten könnten. 2014 sind es 53%. Die Einbettung sozialer Medien in den journalistischen Arbeitsalltag scheint sich also für Journalisten immer unentbehrlicher zu machen. Auch glauben nun mehr als die Hälfte der Journalisten, dass sich ihre Produktivität dank sozialer Medien verbessert hat. Allerdings scheint die Arbeit dadurch nicht leichter zu werden. Nur 9% der Befragten glauben, dass sich ihre Arbeitslast aufgrund sozialer Medien vermindert hat.

Die Arbeit finnischer Journalisten hat sich alles in allem durch soziale Medien durchaus verändert. Die Ansichten darüber, was sich verändert hat und wie groß diese Veränderungen sind, sind aber unterschiedlich. Soziale Medien scheinen einen großen Einfluss auf den Arbeitsalltag an sich zu haben. 44,45 der Befragten stimmen damit überein. Ein etwas kleinerer Anteil (41%) ist der Ansicht, dass sich die Beziehung zur Zielgruppe durch soziale Medien stark verändert hat. Ganze 50% sagten, die Veränderungen seihen in dieser Hinsicht eher gering. Viel weniger wichtig scheint der Einfluss sozialer Medien auf die Art des Contents zu sein, den Journalisten produzieren. Allgemein hat sich also die journalistische Praxis durch soziale Medien verändert, weniger aber die Inhalte, die veröffentlicht werden.

Cision Social Journalism-Studie 2014/15 - Top-Ergebnisse für FinnlandFinnische Journalisten sorgen sich um traditionelle journalistische Werte

Wenngleich finnische Journalisten die Auswirkungen von sozialen Medien auf ihre Arbeitspraxis positiv sehen, haben sie eine ambivalentere Einstellung dazu, was soziale Medien für ihren Beruf an sich bedeuten. Insbesondere steigen die Bedenken, dass soziale Medien traditionelle journalistische Werte untergraben. 2014 war beinahe die Hälfte der Befragten davon überzeugt, dass Objektivität, Fairness, usw. aufgrund von sozialen Medien gefährdet sind. Ein Drittel stimmte dieser Aussage nicht zu, der Rest blieb unschlüssig. Laut der Mehrheit der Befragten (78%) fördern soziale Medien eine Art des Journalismus, die von persönlichen Meinungen geprägt ist. Dies habe ebenfalls einen negativen Effekt auf journalistische Werte, so einige der Befragten.

Allgemein gehen die Meinungen dazu, wie soziale Medien den Journalismus beeinflussen, auseinander. 46% aller Journalisten in Finnland sind der Meinung, dass sich ihr Beruf durch soziale Medien grundlegend verändert habe, während 47% glauben, dass es nur geringe oder mäßige Veränderungen gegeben habe. 8% sind der Ansicht, dass sich der Journalismus gar nicht verändert habe.