Im letzten Dezember kündigt News Corp. an, The Daily nach nur zwei Jahren zu schließen. The Daily war die erste rein digitale Tageszeitung des Unternehmens, die exklusiv für Tablets produziert wurde. In einer Stellungnahme sagte Rupert Murdoch, dass der Erfolg der Zeitung unter anderem ausblieb, da diese es „nicht schnell genug geschafft hat, eine ausreichend grosse Leserschaft aufzubauen und auch nicht von der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells überzeugen konnte.”

Man kann in der Tat einiges von der turbulenten Existenz von The Daily lernen – wesentlich scheint aber die Erfahrung, dass es in einer sehr fragmentierten Onlinewelt vielleicht besser ist, sich nicht als One-Stop-Shop, als zentrale Anlaufstelle etablieren zu wollen. Eine Nische zu besetzen und diese zu kultivieren, kann ein erfolgsversprechender Weg für neue, rein digitale Publikationen sein.

Matter hat einen komplett anderen Ansatz als The Daily gewählt und – als rein digitales Magazin –  konzentriert sich das Team auf Artikel mit Themen aus der Welt der Wissenschaft, Technologie sowie auf “Ideen, die mit der Gestaltung unserer Zukunft zu tun haben”. Während The Daily viel Geld bei dem Versuch verspielte, eine rein digitale, überregionale und allgemeine Tageszeitung aufzubauen, hat Matter sich erfolgreich mit der Spezialisierung auf investigativen Wissenschaftsjournalismus etabliert. Und Matter bietet genau dieser Art des langsam aus den Printmedien verschwindenden Journalismus eine neue Heimat: Für einen geringen Abopreis kann man eine umfangreiche und hochwertige Story pro Monat zu einem speziellen Thema genießen. Zur Zeit läuft das Projekt allerdings nur mit einem sehr kleinen Budget.

Für seine erste Story hat Matter über Body Integrity Identity Disorder (Körperintegritätsidentitätsstörung) geschrieben und ist in die Welt derer eingedrungen, die freiwillige Amputationen als letzte Hoffnung auf Heilung sehen. Des Weiteren will Matter über biotechnische Innovationen, Cyber-Kriminalität und Umwelt-Whistleblower (Hinweisgeber) schreiben.

Vor zwei Jahren begannen Bobbie Johnson und Jim Giles – die Gründer von Matter – damit, das Konzept einer sich auf investigativen Wissenschaftsjournalismus fokussierenden Webseite zu entwickeln.

What's the matter?„Zuerst haben wir das Ganze als Möglichkeit gesehen, genau die Art von Journalismus zu machen, die wir mögen, die aber immer schwieriger zu produzieren ist,” sagt Johnson. „Trotz der vielen positiven und interessanten Dinge, die derzeit im Digital Publishing passieren, ist es kommerziell betrachtet, sehr schwer, an den Themen zu arbeiten und die Geschichten zu erzählen, die uns interessieren.”

Um das Interesse an ihrem Projekt zu testen, wandten sich die erfahrenen Journalisten – beide haben für namhafte Publikationen gearbeitet – mit diesem Video an die Schwarmfinanzierungsseite Kickstarter:

„Wir haben das ganze eigentlich mehr als einen Test gesehen, um festzustellen, wie der Markt auf unser Projekt reagiert. Das war der eigentliche Grund, sich an Kickstarter zu wenden und nicht etwa um Geld oder Aufmerksamkeit zu bekommen. Wir wollten einfach herausfinden, ob wir unsere Idee umsetzen können,” sagte Herr Johnson. “Glücklicherweise war das Interesse riesig und am Ende der Kampagne wurden über $140.000 in unsere Idee investiert. Damit war unser Projekt das bis dahin erfolgreichste Verlagsprojekt auf Kickstarter. Zudem haben wir auch 2,000 Abonnements abschließen können.”

What's the matter?„Unser Anfangsziel lag bei $50.000 und das haben wir auch in weniger als zwei Tagen erreicht. Genau über dieses Interesse wurde dann auch in anderen Medien berichtet und hat in der Folge zu einer größeren Medienaufmerksamkeit geführt,” erklärte Herr Johnson.

Interessanterweise hatte die Schwarmfinanzierung von Matter auch einen direkten Einfluss auf die redaktionelle Seite des Projektes. Ab einem Betrag von $25 wurden Spender dazu eingeladen, der Redaktionsleitung beizutreten, was ihnen ein Stimmrecht bei der Auswahl der nächsten Reportagen geben würde.

Seit der Erscheinung des ersten Artikels Ende 2012, konnte Matter seine Popularität durch eine Partnerschaft mit der Pocket App (früher Read It Later) weiter ausbauen. So können Matter Leser nun die Artikel direkt auf ihrem Handy zu lesen. Zudem hat Matter einen Teil des ersten Artikels auch an den Guardian lizensiert. Nebenbei kuratiert das Matter Team auch eine Seite auf Longreads – eine weitere “Longform Journalism“-Webseite -.

Als wir Herrn Johnson auf das wachsende Interesse am Longform Journalism ansprachen, sagte er, dass hier wirtschaftliche Betrachtungen wohl die Hauptrolle spielen.

„Es hängt am Wechselspiel des Angebots und der Nachfrage. Aber ich denke auch, dass es gleichzeitig eine grundlegende Veränderung in den Erwartungen und Regeln des digitalen Journalismus in den letzten zehn Jahren gegeben hat. Eines ist aber sicher – die Leser da draussen verlieren das Interesse an aufregenden und informativen Geschichten nicht,” sagt er.

„Aber, leider ist die Zahl der Printmedien mit einem Fokus auf investigativen Journalismus sehr zurückgegangen und daher ist das das Angebot an solchen Geschichten sehr viel kleiner geworden. Der Druck unter dem Zeitungen heutzutage stehen, führt in der Folge dazu, dass weniger Geld in investigativen Journalismus gesteckt wird,” erklärte er. „Bei Magazinen haben wir eine vergleichbare Problematik, obwohl sich die Entwicklung mit einiger Verzögerung vollzieht.”

Making the Pitch: Was für Geschichten sucht Matter?

„Im weitesten Sinne berichtet Matter über Wissenschaft und Technologie; dazu gehören aktuelle Forschungsprojekte, existierende Produkte, die in der Zukunft wichtig werden und über die nicht ausreichend oder nur sehr unkritisch berichtet wurde. Solche Themen schauen wir uns dann ganz genau an und versuchen die damit zusammenhängenden Entwicklungen in der Welt zu verstehen,” erklärte Herr Johnson.

Laut Johnson muss eine Story – um überhaupt für Matter in Betracht zu kommen – eine von einer guten Handlung getriebene, überzeugende, fesselnde Geschichte aufweisen. Diese Story muss Nachrichtenwert haben, eine einzigartige Perspektive einnehmen und der thematische Schwerpunkt muss im Bereich Wissenschaft oder Technologie (oder in einer vergleichbaren Disziplin) liegen.

Kontaktinfo

Besuchen Sie Matter auf der Webseite oder verbinden Sie sich mit dem Team auf Twitter oder auf dem Matter Blog.

Herr Bobbie Johnson ist einer der Gründer von Matter – verbinden Sie sich mit ihm auf Twitter.

[Photos courtesy of MATTER – Video courtesy of Kickstarter]

 

About Falk Rehkopf

Ehem. Geschäftsführer Cision Germany GmbH