PR & Medien in Ägypten – Ein Gespräch mit Waseem El Tanahi von Media Republic

Medien, Einfluss und PR in Ägypten - Ein Gespräch mit Waseem El Tanahi von Media Republic

Ob durch seine archäologischen Schätze oder aktuelle Nachrichten – als das arabische Land mit der größten Bevölkerung macht Ägypten mit seiner Gesellschaft und Kultur immer wieder von sich reden.

Ein prominentes Beispiel dafür ist die politische und gesellschaftliche Revolution im Land, die in vergangenen Jahren international Aufmerksamkeit erregte. Man könnte meinen, die sich dadurch aufbauenden Spannungen brächten internationale Unternehmen eher davon ab, dort zu kommunizieren oder Medienkampagnen zu lancieren. Allerdings zeigen Unternehmen wie Samsung, Lenovo und Coca-Cola, dass sie weiterhin zuversichtlich sind, im ägyptischen Markt erfolgreich sein zu können. Diese Unternehmen investieren Summen in Millionenhöhe, um ihre lokalen Geschäfte in Ägypten voranzutreiben.

Waseem El Tanahi, Gründer und Geschäftsführer der Werbeagentur Media Republic, sprach mit Cision und erzählte uns, warum er davon überzeugt ist, dass Marketing und PR-Möglichkeiten in Ägypten ganz und gar nicht der Vergangenheit angehören.

Waseem El TanahiWarum haben Sie Media Republic gegründet?

Ich lebte für einige Jahre in Großbritannien und habe dort für verschiedene Kommunikationsagenturen gearbeitet. 2007 bin ich dann nach Ägypten zurückgekehrt. Beim Planen meines Umzuges fiel mir auf, wie begrenzt das Angebot an digitalen Inhalten in Ägypten war. Aufgrund dieser Erfahrung habe ich Cairo360.com – Ägyptens ersten Online-Guide – gegründet.

Durch meinen Hintergrund in der Werbung und PR hielt ich Rücksprache mit mehreren großen Unternehmen und entschied zuletzt, Media Republic in zwei unterschiedliche Abteilungen einzuteilen: Die Online-Medienabteilung und die kreative Werbeagentur.

Heute unterstützen wir mehr als 150 Kunden, die auf Cairo360 und Cairo Gossip werben – einer neuen Nachrichtenwebseite, die sich auf Lifestyle- und Society-Themen konzentriert – und arbeiten mit verschiedenen multinationalen Unternehmen wie zum Beispiel Google, Pirelli, Allianz, Heineken und UNIDO.

Bestehen Unterschiede und Ähnlichkeiten (z. B. bezüglich Branding, integriertem Marketing und Kommunikation) zwischen den Ländern, in denen Sie bisher gearbeitet haben? Wie lassen sich diese mit Ägypten vergleichen?

Grundsätzlich gelten die gleichen Grundsätze und Prinzipien des Marketings, ganz egal in welchem Land man sich befindet. Die Unterschiede zeigen sich in der praktischen Anwendung in spezifischen Situationen – so werden zum Beispiel Kommunikationskanäle und -Tools sicherlich sehr unterschiedlich in verschiedenen Ländern genutzt. Während sich ein Kanal in einem Land perfekt eignet, eine bestimme Zielgruppe zu erreichen, kann derselbe Kanal in einem anderen Land wesentlich weniger effektiv sein. Mit den Tools verhält es sich ähnlich. Zum Beispiel ist man in Großbritannien in der strategischen Planungsphase von Kampagnen richtigerweise sehr marktforschungsorientiert. In den Vereinigten Arabischen Emiraten oder auch Ägypten ist die Marktforschung allerdings weitaus weniger fortschrittlich und man verlässt sich bei der Auswahl von Kanälen zur Ansprache von Zielgruppen zu einem höheren Grad auf Intuition und Erfahrung.

Können Sie uns ein typisches Beispiel einer Ihrer PR-Kampagnen beschreiben?

Wir arbeiten gut mit Anderen zusammen, um wirklich integrierte Kampagnen zu fahren.

Einer unserer Kunden, ERC, ist ein Entwickler von Megacitys und hat einen Urlaubsort im roten Meer namens Sahl Hasheesh. Diese Anlage ist größer als Manhattan und setzt sich aus 5-Sterne-Hotels, privaten High-End-Projekten und einem gesunden Mix aus Shopping, Essen und Getränlen sowie Möglichkeiten zum Abenteuerurlaub zusammen. Unser Auftrag als Agentur bestand darin, Sahl Hasheesh bekannter zu machen und es als führenden Badeort in Ägypten zu positionieren, während wir harte Konkurrenz von anderen lokalen Anbietern bekamen und mit sinkenden Touristenzahlen aufgrund der ägyptischen Revolution zu kämpfen hatten.

Wir entwarfen einen integrierten Ansatz, in dem traditionelle Kommunikationsmethoden durch PR, eine starke Social Media-Präsenz und eine Vielzahl an Vor-Ort-Maßnahmen unterstützt wurden. Dieser Mix machte Sahl Hasheesh zu einer der größten Erfolgsstories des Jahres 2014.

Unsere Kommunikation basiert auf einem einzigen zentralen Konzept: Wenn wir die Verbraucher beteiligen und sie Sahl Hasheesh erfahren lassen, werden aus ihnen die stärksten Fürsprecher unserer Marke. Zusätzlich zu groß angelegten Werbeaktionen arbeiteten wir also mit anderen führenden Agenturen zusammen, um hochkarätige Journalisten auszuwählen, die für ein Wochenende nach Sahl Hasheesh kommen sollten. Wir entwickelten eine starke Social Media-Präsenz in einer Zeit, als ägyptische Firmen noch keine Expertise in sozialen Medien hatten, und entwickelten einen Kalender mit nie endenden Events am Urlaubsort, um ihn das ganze Jahr mit aufregenden Ereignissen attraktiver zu machen. Zu den Veranstaltungen gehörten Feiern, Konzerte, große Beachpartys mit DJ und hochkarätige Sportevents sowie Kunstausstellungen.

Die Kampagne sorgte nicht nur für mehr Besucher am Urlaubsort, sondern für eine 90%ige Auslastung in den Hotels von Sahl Hasheesh sowie einem erhöhtem Interesse seitens kleiner und mittelständischer Unternehmen, die die Megacity für ihr nächstes Firmenevent oder Projekte vor Ort nutzen wollten.

Es ist für mich eine große Befriedigung, zu sehen, wie alles zusammenkommt und die Marke immer stärker wird, nachdem ich während der turbulentesten Zeiten in Ägypten und in Kooperation mit so vielen Agenturen daran gearbeitet habe.

Wie steht es um die digitale Medienlandschaft in Ägypten auch im direkten Vergleich zu Printmedien?

Digitale Medien wachen in Ägypten exponentiell. Mit dem Beginn der ägyptischen Revolution und dem Arabischen Frühling im Allgemeinen hat es in Ägypten – und im gesamten Nahen Osten – so etwas wie ein “digitales Erwachen” gegeben.

Soziale Schichten, die sich früher niemals Computer leisten konnten, haben gleich eine Generation von Geräten übersprungen und nutzen nun mit erschwinglichen Smartphones schnelles Internet. Diese Nutzer sind sich dessen bewusst, dass ihnen nun ein Massenmedium zur Verfügung steht, um ihre Ansichten zu kommunizieren und sogar zum ersten Mal ohne weitreichende Konsequenzen die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Auch Marketer sind in den vergangenen vier Jahren massiv auf den Zug aufgesprungen und das habe ich auch mit Cairo360 aus erster Hand erfahren. Zu Beginn mussten wir Agenturen bei der Lancierung einer Webseite noch einfache IT-Fachbegriffe beibringen, wie zum Beispiel den Unterschied zwischen Unique Users, Visitors, Klicks und was eine CPC (Cost-Per-Click)-Kampagne ist.

Es klingt seltsam, wenn man darauf zurückblickt, aber damals schienen die digitale Branche und die Werbebranche zwei sehr unterschiedliche Industrien zu sein und Werbende über die Vorteile von digitalen Kampagnen aufzuklären gehörte einfach zur Routine. Heute ist digitale Kommunikation ein entscheidender Bestandteil jeder Kampagne und jeder unserer Kunden hat entweder ein erfahrenes Team für digitale Medien oder ein hundertprozentiges Schwesterunternehmen.

Während dieser Zeit haben die Auflagen für Printmedien gelitten und einige ehemals führende Printmagazine sind ganz vom Markt verschwunden. Viele sehr bekannte Premiummagazine, die einst als unbesiegbar galten, wurden in die Knie gezwungen und viele mussten sogar schließen.

Welche Social Media-Plattformen werden am meisten in Ägypten genutzt?

Wie auch anderswo in der Welt ist Facebook auch in Ägypten die populärste Plattform, gefolgt von Twitter und Instagram. Und obwohl das Land immer noch sehr von Printausgaben geprägt ist und in vielerlei Hinsicht die digitale Revolution noch nicht miterlebt hat, ist die Marktdurchdringung sozialer Medien außergewöhnlich hoch und wächst rapide an. Dies hat wiederum mit dem Arabischen Frühling zu tun.

Das Interesse an sozialen Medien stieg sehr stark an, als die Menschen sie als Hauptmethode entdeckten, um sich in der ganzen Region zu organisieren und die Massen in Echtzeit über aktuelle Ereignisse zu informieren. In den Monaten nach der Revolution schossen die Anmeldungen zu sozialen Netzwerken in die Höhe und noch heute wachsen sie sehr schnell bei den Nutzern, die sich mit anderen verbinden und informiert bleiben wollen.

Dieser plötzliche Anstieg im Interesse an digitalen Medien zeigt sich auch in der großen Menge an Startups, die kürzlich in Ägypten auftauchten. Täglich hört man in Ägypten vom Launch einer neuen App oder einem neuen digitalen Service. Die meisten überstehen ihr erstes Jahr nicht, aber einige Produkte sind durchaus gereift und sind nun führend in der ägyptischen Startup-Szene, auf die wir alle sehr stolz sind.

Wie sieht die Schnittstelle zwischen Kultur und Medien aus?

Die Medien sind Ausdruck unserer Kultur und Kultur braucht Medien, um die breite Masse zu erreichen. Also sind die beiden untrennbar miteinander verbunden. Alles, was wir in den Medien lesen oder sehen, ist letztlich die Kultur unserer Zeit oder spiegelt das wider, das unserer Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt wichtig ist, seien es Nachrichten, Kunst, Musik oder Informationen.

Ebenso würde ein kulturelles Ereignis oder eine kulturelle Eigenschaft aufhören zu existieren, wenn sie nicht mit Anderen geteilt wird. Kultur kann zwar auch direkt mit Einzelpersonen geteilt werden, aber ohne die heutige Medienlandschaft würde sie heute keine weitläufige Verbreitung finden.

Welche Empfehlungen haben Sie für Marketing- und PR-Profis, die in Ägypten aktiv und mit spezifischen demographischen Gruppen interagieren wollen?

Sie sollten Ihre Zielgruppe und auch die Medien kennen. Das kommt einem ganz einfach vor, aber ich sehe jeden Tag Kommunikationsprofis, die ihre Message der falschen Zielgruppe präsentieren oder die falschen Medien nutzen, um eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu erreichen. Im Falle von Cairo360.com, einer zweisprachigen Webseite, verhalten sich Englisch- und Arabisch-sprachige Nutzer ganz unterschiedlich in der Art, wie sie Content konsumieren, die Seite navigieren und mit uns und einander interagieren.

Wenn wir diese Unterschiede schon bei einer einzelngen Webseite mit einer einzigen Variable wahrnehmen, können Sie sich vorstellen, dass es drastische Unterschiede zwischen sozialen Medien, TV, Radio und Print gibt. Wenn Sie diese Verhaltensunterschiede nicht selbst kennen, holen Sie sich Hilfe von jemandem mit mehr Erfahrung oder von Forschungsergebnissen. Das ist keine Schande – tatsächlich entscheidet sich hier der Unterschied zwischen erfolgreicher und gescheiterter Kommunikation.

Herzlichen Dank an Waseem El Tanahi für das interessante Gespräch! Welche Erfahrungen haben Sie in Ägypten gemacht? 

[Bild: Tim Kelley via Flickr]