Mark Frankel BBCDie BBC News ist eine der führenden Social Media-Publisher in Großbritannien und ihre Nachrichten gehören zu den am häufigsten auf Twitter geteilten Inhalten.

Mark Frankel – stellvertretender Redaktionsleiter ‘Social News’ bei der BBC – ist für den über 9 Millionen Follower zählenden Twitter-Account @BBCBreaking verantwortlich. Im exklusiven Interview spricht er mit Cision über die Pläne der BBC in Bezug auf soziale Medien, nennt die für ihn wichtigsten Social Media-Trends und gibt einige Tipps, wie PR-Fachleute die neuen Medien effektiver für die Kommunikation mit Journalisten nutzen können.

Was gibt es Neues bei der BBC in Bezug auf soziale Medien?

Im November 2013 haben wir unseren neuen Instagram-Kanal vorgestellt, für den wir maßgeschneiderte Inhalte produzieren – zumeist 15 Sekunden lange Videos. Der Kanal richtet sich in erster Linie an jüngere Zielgruppen, die an kurzformative Videoinhalte gewöhnt sind. Dieser Kanal hieß früher einmal Ceefax – das Teletextsystem der BBC TV – welches wir nach 38 Jahren Ende 2012 eingestellt haben. Wir haben uns dann entschieden diese Dienstleistung unter dem Namen “Instafax” auf Instagram wiederzubeleben. Die kurzen Videos werden dort in Verbindung mit Texten veröffentlicht.

Wir haben auch unseren Ansatz in Bezug auf Twitter weiterentwickelt und pflegen jetzt mehrere offzielle Twitter-Accounts klassifiziert nach Sendungen, Marken und Korrespondenten.

Zudem haben wir auch unsere Aktivitäten auf Facebook verstärkt. Facebook ist ja eigentlich eine der eher traditionellen Social Media-Plattformen, wir versuchen hier aber einen innovativeren und eher visuellen Ansatz zu implementieren, welcher insgesamt zu einem besseren Engagement führen soll.

Was sind die drei wichtigsten Trends in Social Media?

Der größte und wichtigste Social Media-Trend ist sicherlich die vermehrte Nutzung von mobilen Endgeräten anstelle von Desktop Computern. Daher wird es immer wichtiger maßgeschneiderte und responsive Inalte zu entwickeln. Viele Medienorganisationen haben sich leider dieser Veränderung nur zögernd gestellt und sehen sich daher jetzt in der vermehrten Nutzung mobiler Geräte einer großen Herausforderung ausgesetzt.

Chat Apps sind sicherlich ein zweiter wichtiger Trend. Facebook hat WhatAapp aus guten Gründen gekauft – und das ist erst der Anfang. Apps, die elektronische Kommunikation in Echtzeit ermöglichen, werden die Social Media-Landschaft sehr bald dominieren. Viele Plattformen versuchen gerade ihren möglichen Rückstand in diesem Zusammenhang aufzuholen, zum Beispiel durch die Integration bestimmter Chat-Funktionen, durch den Aufkauf von Anbietern oder das ‘Kopieren’ erfolgreicher Ansätze .

Drittens geht es darum, wie soziale Medien die traditionellen Medien – einschließlich Radio und TV – beeinflussen und damit nachhaltig verändern. Eine der Grundsatzfragen hier ist, inwieweit soziale Medien die über traditionelle Medien stattfindende Nachrichtenübermittlung verändern werden? Wie werden sich diese Veränderungen auf die gesamte TV- und Rundfunkbranche auswirken? Wird der kontinuierliche Strom an TV-Nachrichten insgesamt an Bedeutung verlieren oder sich sozialen Medien lediglich anpassen? Spannend ist auch die Frage, wie sich die wechselseitige Beeinflussung zwischen Radio/TV und sozialen Medien ausdrücken wird. Diese Fragen bestimmen meiner Meinung nach die derzeitigen Trends in entscheidender Weise.

BBC News auf Instagram

Wie arbeitet die BBC mit PR-Leuten zusammen?

Ab und zu arbeiten wir mit PR-Agenturen an neuen Ansätzen, um das Engagement mit unserem Publikum zu verbessern, aber auch an Strategien, wie wir unseren Content effektiver nutzen können. Für die BBC-Plattformen, für die wir Rundfunkgebühren bekommen, haben wir kein Werbebudget. Zusammen mit unseren Kollegen von BBC News Global arbeiten wir aber an zielgerichteten Kampagnen – zum Beispiel anhand gesponserter Tweets und anderen Social Media-basierten Events.

Wie kann die Zusammenarbeit mit PR-Leuten weiter verbessert werden?

Es ist sicher wichtig, den Unterschied zwischen Marken auf der einen und Nachrichten auf der anderen Seite zu verstehen, denn die BBC ist ja beides – eine Marke und eine Nachrichtenorganisation. In erster Linie geht es bei uns aber um unser Publikum und wie dieses unsere Nachrichten liest – und genau da gibt es einen großen Unterschied im Vergleich zur Vermarktung eines Verbraucherprodukts. Eine Nachrichtenorganisation – aber auch der Prozess der Nachrichtenübermittlung – funktioniert nämlich ganz anders. Wenn es um Nachrichten geht, müssen manche PR-Leute einfach umdenken.

About Falk Rehkopf

Ehem. Geschäftsführer Cision Germany GmbH