“Lieber Blogger? Nichts ist schlimmer!” – Interview mit Vlogger Christoph Pfaff

"Lieber Blogger? Nichts ist schlimmer!" - Interview mit Vlogger Christoph Pfaff

Cision setzt die Interviewserie mit Deutschlands führenden Reisebloggern fort – Nach Interviews mit Reisefreunde & JustTravelous sprechen wir heute mit Herrn Christoph Pfaff vom Reisevlog VON UNTERWEGS. Nach der freien Mitarbeit und einem Volontariat bei delta radio, moderierte Herr Pfaff von 2005 bis 2010 jeden Tag die Radiosendung ‘Chris am Vormittag / Nachmittag’ und begann im Jahre 2009 zu Themen rund um Reise & Tourismus zu bloggen – im selben Jahr gewann er auch den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten. Seit 2011 arbeitet Herr Pfaff als freier Reisejournalist, Autor und moderiert jeden Samstag zwei Shows auf delta radio.

VON UNTERWEGS wird noch im März 2013 als reiner Vlog neu lancieren – einen exklusiven Screenshot des Looks der neuen Seite finden Sie am Ende dieses Posts. 

WON UNTERWEGS - Christoph Pfaff
Wie sind Sie auf die Idee mit dem Videoblog gekommen?

Im Januar 2011 habe ich mich als Reiseautor selbständig gemacht. Seitdem schreibe ich für verschiedene Reisemagazine und Tageszeitungen – und weil ich von da an eh viel unterwegs war, habe ich zeitgleich meinen Reiseblog VON UNTERWEGS gestartet. Wie es immer so ist, wenn man in der Ausprobierphase steckt: Man macht erstmal alles, um nicht irgendwo hinterher zu hängen. Also habe ich für den Blog geschrieben, fotografiert, Audiopodcasts angefertigt und auch Videos gedreht. Dabei hat sich dann ziemlich schnell herauskristallisiert, dass ich auf meiner Seite etwas Anderes machen wollte als für meine klassischen Abnehmer, für die ich ja rund um die Uhr in die Tasten haue und Fotos bearbeite. Und an der Stelle haben sich die Videos recht schnell zu dem entwickelt, was sie heute sind: das Herzstück meines Blogs.

Wie kommen Ihre Videos bei Ihrem Publikum an?

Ich halte mich nicht für besonders eitel, muss aber zugeben, dass der Zuspruch meiner Zuschauer mir geschmeichelt und mich darin bestärkt hat, dass die Videos mein Hauptelement sein müssen. Deshalb gehe ich mit meiner Seite auch gerade einen wichtigen Schritt und baue sie zu einem reinen Videoblog um. Wo es bisher doch immer nochmal kleine Anekdötchen oder Fotoserien gab, wird sich schon bald – so in circa zwei Wochen – alles nur noch um meine Filme drehen, sowohl vom Design als auch von der technischen Umsetzung. Spätestens dann werden sie der eindeutige Mittelpunkt auf VonUnterwegs.com werden und darauf freue ich mich sehr!

VON UNTERWEGS auf FacebookBei Ihnen geht es ja ziemlich aktiv zu – was war das wohl beste Highlight auf einer Ihrer Reisen?

Ja, ziemlich aktiv – auch das ist eine Entwicklung, die ich bei meinen Projekten sehr wohl beobachtet habe. Es gab eine Zeit, in der diese Actionsucht bei mir ziemlich rasch gestiegen ist. Wenn man Videos produziert, die kurzweilig und unterhaltsam sein sollen, dann muss – zumindest in meinen Drehbuch- und Regieaugen – auf Reisen mehr passieren, als dass man eine schöne Landschaft zeigt. Zum Beispiel muss man sich in dieser schönen Landschaft mehrere Hundert Meter in die Tiefe stürzen (natürlich mit einem Paragliding-Schirm auf dem Rücken). Oder man muss in der wunderschönen, -17 Grad kalten Winterlandschaft Nordfinnlands in ein Eisloch springen (natürlich ohne Neoprenanzug). Oder man versucht einfach mal, beim Karneval in Panama die frischgekürte Karnevalskönigin anzubaggern. All das sind einige meiner Reisehighlights. Was ich allerdings nie wieder machen möchte, ist der sogenannte EdgeWalk, eine Außenumrundung des CN-Towers in Toronto mit 356 Meter Luft unterm Hintern. Dabei habe ich als Höhenangsthase echt meine Actiongrenze kennengelernt.

Wenn man so reist wie Sie, was sind die wichtigsten Gadgets die man im Gepäck haben sollte?

Wenn ich beruflich reise, sind die berühmten drei Dinge, die immer mit dabei sein müssen: Videokamera, Laptop, Spiegelreflex – in dieser Reihenfolge. Wenn ich privat unterwegs bin, freue ich mich aber inzwischen auch sehr, die Videokamera mal zu Hause lassen zu können. Das wird im Juni endlich mal wieder soweit sein. Dann werde ich zum ersten Mal nach Island reisen und meine kleine Familie einpacken. Und auch wenn meine Zuschauer vielleicht gerne ein paar Bewegtbilder aus Island hätten – sorry, ich brauche auch mal Urlaub.

Inwiefern unterscheidet sich VON UNTERWEGS von anderen Reiseblogs?

Das ist zum Glück schnell beantwortet, ohne dass ich meinen Blog qualitativ mit anderen vergleichen muss. Es ist eindeutig die bereits angesprochene Videonische. Man muss mit Superlativen zwar vorsichtig sein, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass VON UNTERWEGS der einzige reine ReiseVlog im deutschsprachigen Raum ist. Und ich finde es auch unheimlich wichtig, seine Nische zu finden. Man muss auf seinem Blog nicht sämtliche Medien und Reisethemen anbieten, nur um möglichst viele Menschen zu erreichen. Ganz und gar nicht. Nicht jeder herausragende Fotograf kann gut schreiben – und muss es auch nicht. Ein Reiseblog mit großen, hochauflösenden Fotos und nur wenig Text kann genauso inspirierend sein. Oder: Was bringt mir ein urbaner Lifestyleblogger, der jetzt meint, das Thema Wandern in seinen Blog zu integrieren, nur um sich thematisch zu verbreitern? Man sollte sich einfach auf das konzentrieren, was man kann – das schafft Authentizität und Expertise. Und es schafft ein mündiges Publikum, das einem glaubt und gerne regelmäßig auf den Blog zurückkommt.

ReiseVlog Von Unterwegs

Welche sozialen Netzwerke verwenden Sie und wie helfen diese bei Ihrem Job?

Auch hier können wir beim oben erwähnten Thema anknüpfen. Ich muss um Himmels Willen nicht überall dabei sein, nur weil: Das macht man halt so! Nein, danke. Ich habe überhaupt nicht die Zeit, mich in jedes neue soziale Netzwerk einzuarbeiten und frage mich, wie einige Leute das schaffen. YouTube ist in meinem Fall natürlich ein Muss, weil ich darüber meine Videos hochlade. Außerdem nutze ich Facebook und Twitter. Diese beiden Kanäle sind perfekt, um meine Videos zu promoten. Vor allem das Feedback über meine Facebook-Seite ist gigantisch, darauf möchte ich nicht verzichten. Aber dann hört es auch schon ganz schnell auf. Ja, bei Instagram bin ich angemeldet und ich füttere den Account auch regelmäßig mit Handyfotos. Aber hier hört die Relevanz für meine Nische eigentlich schon wieder auf – ich nutze Instagram eher als Blick hinter die Dreharbeiten, sozusagen als “Making-of-Kanal”. Bei StumbleUpon, Pinterest und den anderen Netzwerken bin ich nicht mal angemeldet.

Welche Tipps geben Sie PR-Profis, die mit Ihnen in Kontakt treten wollen?

Unter anderem den, dass sie mich bitte nicht sofort nach den Followerzahlen auf all diesen Kanälen fragen. Natürlich ist eine möglichst hohe Reichweite wichtig, aber geht es nicht in erster Linie um Relevanz? Ich halte den Druck für unnötig, dass Reiseblogger denken, sie MÜSSEN überall dabei sein. Wir sind gerade in einer Phase, in der sich alles finden muss: der Markt, das Publikum sowie die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Daher bitte den Blog, auf den man ein Auge geworfen hat, genau anschauen. Wer ist der Blogger, der dahinter steckt? Was ist seine Nische? Hat er bereits erfolgreiche Kooperationen durchgeführt? Und dann gezielt anschreiben, sodass man merkt, dass da eine Vorrecherche stattfand. Nichts ist schlimmer als die Anrede “Lieber Blogger”.

Wie bedanken uns herzlich bei Herrn Pfaff und wünschen alles Gute für den Vlog-Relaunch!

Besuchen Sie Herrn Pfaff auf seinem Blog VON UNTERWEGS oder verbinden Sie sich mit ihm auf FacebookXingTwitter oder Instagram – den RSS Feed finden Sie hier und hier sein delta radio Moderatorenprofil.

Die Top 3 Videos von VON UNTERWEGS finden Sie hier.