„Soziale Medien sind unverzichtbar, aber man muss sich an die Regeln halten“ – Interview mit Mama arbeitet

„Soziale Medien sind unverzichtbar, aber man muss sich an die Regeln halten“ – Interview mit Mama arbeitet

In den vergangenen Wochen veröffentlichten wir zwei Rankings deutscher Mütter-Blogs: Die Top 15 deutschen Mütter-Blogs auf Twitter und die Top 10 Mütter-Blogs in Deutschland. In einer Interviewserie wollen wir nun die Bloggerinnen hinter den Rankings näher kennen lernen. Den Anfang macht Dr. Christine Finke mit ihrem Mutter-Blog “Mama arbeitet“. Darin widmet sie sich Themen wie Erziehung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie sozialen und politischen Fragen. Im Gespräch erklärt uns Dr. Finke, warum sie ihr Blog werbefrei hält, welche Hindernisse es bei Kooperationen zwischen Unternehmen und Bloggern gibt und was ihr persönliches Blogger-Highlight ist.

Was macht Ihr Blog besonders?

„Soziale Medien sind unerlässlich, man muss sich aber an die Regeln halten“ – Interview mit Mama arbeitet

In meinem Blog dreht sich alles um das Leben als alleinerziehende Mutter mit drei Kindern. Mein Blog ist thematisch breit aufgestellt und ich versuche eine Vielzahl an Lesern zu erreichen. Es erscheinen beispielsweise Artikel zum Kinderalltag, zur Familienpolitik und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

 

Welche Neuerungen haben Sie kürzlich in Ihr Blog eingeführt?

Was technische Neuerungen angeht, bin ich eher konservativ eingestellt. Diesbezüglich werde ich aber von einem Freund sehr gut unterstützt und beraten. Ich bin mir auch bewusst, dass bestimmte technische Entwicklungen und Änderungen mit einfließen müssen. Allerdings muss ich dafür immer über meinen eigenen Schatten springen.

Wie messen Sie den Erfolg Ihres Blogs?

Den Erfolg meines Blogs messe ich nach verschiedenen Faktoren. Bei mir spielt also nicht nur ein spezifischer Wert eine Rolle. Um beispielsweise die Unique Visitors per Month  zu erhalten, nutze ich Google Analytics. Außerdem beobachte ich die Interaktionen auf Facebook und Twitter. Wie oft wurde ein Artikel geteilt oder geliked? Wurde mein Tweet favorisiert oder retweetet? Sehr wichtig sind für mich ebenfalls die Kommentare direkt auf meinem Blog zu einem jeweiligen Artikel. Anhand dieser Faktoren beurteile ich dann den Erfolg meines Blogs.

Wie nutzen Sie soziale Medien? Welche Schwierigkeiten sehen Sie dabei?

Die Nutzung von sozialen Plattformen ist für mich von elementarer Bedeutung. Ich konzentriere mich dabei allerdings ausschließlich auf Twitter und Facebook, wobei ich Twitter noch regelmäßiger nutze als Facebook und mich sogar selber als Twitter-süchtig  bezeichnen würde. Für mich ist das Tweeten oder Posten auch keine lästige Pflichtaufgabe. Ich tue dies einfach gerne und beide sozialen Netzwerke dienen für mich auch als Nachrichtenquelle. Auf Twitter hatte ich noch nie Probleme. Auf Facebook gab es schonmal ein Problem mit einigen Kommentaren. Ich kann für mich selber sagen, dass man vorsichtig im Umgang mit anderen Usern auf Facebook sein sollte. Am Ende macht Facebook die Regeln und daran sollte man sich halten.

Haben Sie ein Lieblingsblog?

Einen bestimmten Lieblingsblog habe ich nicht. Wie bei anderen vielleicht das Radio den ganzen Tag läuft, ist bei mir der Twitter-Feed den ganzen Tag an. Dadurch werde ich zum einen immer auf dem Laufendem gehalten und zum anderen kann ich mir selber aussuchen, welche Artikel für mich interessant sind.

Nutzen Sie andere Blogs als Inspiration?

Ich versuche immer, meine Themen für den Artikel selber zu finden, sei es durch soziale Netzwerke oder Printmedien wie Zeitungen. Für mich gilt aber immer der Grundsatz, wenn mich ein Artikel auf einem anderen Blog inspiriert hat, dass ich diesen in meinem Beitrag erwähne oder darauf verweise. Das ist sozusagen ein ungeschriebenes Gesetz in der Bloggerszene.

Auf welche Erfolgserlebnisse oder welches Highlight mit Ihrem Blog sind Sie besonders stolz?„Soziale Medien sind unerlässlich, man muss sich aber an die Regeln halten“ – Interview mit Mama arbeitet

Da muss ich gar nicht lange überlegen. Das war ein Artikel über Armut im Dezember 2014. Der Artikel hatte am Ende eine Reichweite von mehr als 100.000 Besuchern. Ich bekam ein unglaubliches Feedback auf allen möglichen Ebenen. Sei es persönlich, per Brief oder auf den sozialen Kanälen. Ich bekam am Ende sogar Pakete zugeschickt. Besonders stolz war ich, dass gestandene Printmedien wie die Brigitte an mich herangetreten sind und ich für sie anschließend journalistisch tätig sein durfte.

Wie sehen Sie Kooperationen mit Marken auf Blogs? Können Sie diese Anderen Bloggern empfehlen?

Ich finde Kooperationen auf den Blogs nicht schön. Für mich ist das wie ein schmutziges Hemd. Besonders Gewinnspiele und die zahlreichen Produkttests finde ich nicht sehr sinnvoll. Deswegen ist mein Blog auch werbe- und bannerfrei und ich lehne Kooperationen in diesem Sinne grundsätzlich ab.

Sie veröffentlichen in Ihrem Blog auch Buchrezensionen?

Das ist vollkommen richtig. Allerdings ist eine Buchrezension kein Arbeitsauftrag für mich, sondern das ist meine Freiheit als Bloggerin. Die Buchkritiken sind eine Art kleiner Nebenzweig meines Blogs. Zum einen habe ich Freude daran und zum anderen möchte ich Bücher über Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Alleinerziehende meinen Lesern empfehlen. Die Rezensionen sind immer unabhängig geschrieben und ich verdiene damit kein Geld. Weder bei generierten Verkäufen bei Buchhändlern noch anderswo.

Haben Sie für Unternehmen und PR-Profis, die mit einem Blogger zusammenarbeiten möchten, ein paar Best Practice-Tipps?

Die Unternehmen und PR-Agenturen sollten konkret wissen, was sie von einem Blogger wollen. Wichtig ist, dass sie dem Blogger ein konkretes Angebot machen. Man sollte Blogger auf gar keinen Fall für dumm verkaufen, sprich mit einem lächerlichen Angebot abspeisen. Ein absolutes No-Go ist das mehrmalige Nachfragen mit einer gleichzeitigen Forderung.

CEB (Chief Executive Blogger) Patrick sieht in seinem Post “Die Mainzelmännchen mögen keine Blogger” einen Konflikt zwischen traditionellen und neuen Medien. Wie stehen Sie dazu?

Für mich sind Blogs eine Bereicherung und eine sehr gute Ergänzung zu den traditionellen Medien. Der Unterschied ist natürlich, dass Blogs vor allem schneller und unabhängiger sind und dadurch einen Standortvorteil haben. Doch es gibt in der Bloggerszene noch viel Luft und Spielraum nach oben. In den letzten Jahren hat die Anzahl an Blogs schon stark zugenommen. Doch gerade gibt es eine gefühlte Explosion, was das Wachstum anbelangt. Mittlerweile wurde ich sogar schon auf der Straße angesprochen, was ich natürlich sehr cool fand. Das zeigt also, dass Blogs in Zukunft immer interessanter werden. Sowohl für Unternehmen als auch für Leser.

Gibt es Ihrer Meinung nach noch ehrliche Produktbewertungen?

Produktbewertungen sind für mich eine hohe Kunst. In meinen Augen ist es sehr schwierig, bei diesen Bewertungen immer objektiv und neutral zu bleiben.

Welche Trends sehen Sie in der Mamablogoszene?

Trends auszumachen ist sehr schwierig. Dafür wechseln die Themen einfach zu schnell. Zumal die Anzahl an Blogs weiter zunimmt und dadurch wieder unterschiedliche Interessen hinzukommen.

Unter Reisebloggern gibt es Reisetreffs und –events. Gibt es so etwas auch für Mamablogger?

In unserer Szene gibt es die ebenfalls. Allerdings konnte ich aufgrund meiner familiären Situation noch an keinem teilnehmen. Das ist aber mein absoluter Wunschtraum für die Zukunft, irgendwann mal an einem Mamablogger-Treffen teilzunehmen.

Herzlichen Dank an Dr. Finke und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Ihrem Blog!

Verbinden Sie sich mit Dr. Christine Finke auf Twitter und Facebook.

[Bild: Patrick Pfeiffer Photodesign]