Im State of the Media Report 2026 nennen 43 Prozent der Journalist:innen KI als eine der größten Herausforderungen der Branche im vergangenen Jahr – gegenüber 30 Prozent im Vorjahresbericht.
Es ist nachvollziehbar, dass Redaktionen, deren Kernkompetenz im geschriebenen Wort liegt, der Technologie skeptisch gegenüberstehen und Fragen haben, wie sie ihre Branche und die eng mit ihr verbundene PR-Welt verändert. Mit diesem Hintergrund haben wir die Daten des State of the Media Reports ausgewertet, um ein Bild davon zu bekommen, wo Journalist:innen in Sachen KI-Nutzung im Journalismus stehen und was das für die Medienarbeit bedeutet.
Wie nutzen Journalist:innen KI?
Trotz aller Vorbehalte greifen Journalist:innen zunehmend auf generative KI zurück, um ihre Arbeit zu unterstützen.
48 Prozent setzen sie für Brainstorming ein, 43 Prozent für Recherchezwecke. 41 Prozent geben an, KI zur Transkription oder Zusammenfassung von Interview-Audiodateien zu nutzen, und 27 Prozent verwenden sie zur Content-Erstellung.
Allerdings geben 21 Prozent an, generative KI-Tools überhaupt nicht zu nutzen – ein deutlicher Rückgang gegenüber 2025, als noch 33 Prozent diese Aussage machten.

Im Rahmen unserer Befragung haben wir Journalist:innen auch gebeten, weitere Einsatzbereiche zu nennen. Die Antworten reichten von Lektorat und Korrektorat bis hin zur Workflow-Unterstützung. Eine Auswahl:
KI im Journalismus: Lektorat und Textverbesserung
- Internes Redaktionstool zur Überarbeitung von Texten
- Kreative Unterstützung bei der Headline-Entwicklung
- Abgleich mit dem unternehmenseigenen Styleguide
KI im Journalismus: Recherche und Informationsbeschaffung
- Nutzung eines internen, maßgeschneiderten LLMs für Recherchen
- Unterstützung bei der Suche nach öffentlichen Dokumenten
- Auffinden von Presse- und Quellenkontakten
KI im Journalismus: Multimedia-Content-Erstellung
- Erstellung von Bildern für Artikel
- Gestaltung von Grafiken und Memes
- Komposition von KI-generierter Musik
KI im Journalismus: Organisation und Workflow
- Redaktionssysteme (CMS) mit integrierten KI-Funktionen
- Nutzung unternehmenseigener KI-Tools
- Beantwortung von Anfragen
KI und Journalismus: Regionale Unterschiede in der Nutzung
Um regionale Unterschiede in der KI-Nutzung von Journalist:innen besser zu verstehen, haben wir unsere Befragungsdaten in die Segmente Nordamerika, EMEA und APAC aufgeteilt – und dabei deutliche Unterschiede festgestellt.
Nordamerikanische Journalist:innen sind am zurückhaltendsten: 36 Prozent geben an, die Technologie nicht zu nutzen, verglichen mit 19 Prozent in EMEA und nur 6 Prozent in APAC. Diese Werte spiegeln die regionalen Adoptionsmuster aus unserer 2025-Studie wider – allerdings gaben damals noch fast jede zweite nordamerikanische Journalist:in (49 %) an, KI zu meiden. Dieser Rückgang um 13 Prozentpunkte deutet auf einen deutlichen Anstieg der Nutzung innerhalb von zwölf Monaten hin – selbst in der Region mit der stärksten KI-Skepsis.
Brainstorming ist in allen drei Regionen der häufigste Anwendungsfall. Besonders auffällig: In APAC nutzen mehr als die Hälfte der Journalist:innen (54 %) KI zur Content-Erstellung – deutlich mehr als in jeder anderen Region.
Was denken Journalist:innen über KI in der PR?
Da immer mehr PR-Fachleute KI zur Erstellung von Pressemitteilungen und Pitches einsetzen, wollten wir wissen, wie Journalist:innen auf der Empfängerseite dieser Inhalte darüber denken.
Die Ergebnisse sind gemischt: 53 Prozent stehen dem ablehnend gegenüber. Ein Viertel hat keine ausgeprägte Meinung dazu, 21 Prozent sind dafür.

Die Botschaft der Journalist:innen ist kein pauschales „Nein" gegenüber KI-gestützter Medienarbeit, aber sie signalisiert eine geringere Toleranz und weniger Vertrauen gegenüber Pitches, die keinen menschlichen Touch erkennen lassen.
Diese Ablehnung hängt oft damit zusammen, wie leicht KI-generierte Pitches zu erkennen sind. Mike Moore, Deputy Editor beim B2B-Medium TechRadar Pro, brachte es in einem Cision-Webinar auf den Punkt: „Es ist unglaublich leicht zu erkennen, wenn jemand null Aufwand betrieben und einfach einen Pitch von ChatGPT oder Copilot generiert hat."
Moore nennt typische Merkmale: generische, detailüberladene Produktankündigungen oder Pitches, bei denen offensichtlich das LinkedIn-Profil der Journalist:in ausgelesen und in einen Eröffnungsabsatz eingebaut wurde – als Versuch einer persönlichen Verbindung, der das Gegenteil bewirkt.
Auch hier zeigen sich regionale Unterschiede: 39 Prozent der nordamerikanischen Journalist:innen – die Gruppe mit der geringsten eigenen KI-Nutzung – geben an, dem Einsatz von KI durch PR-Fachleute stark ablehnend gegenüberzustehen. Am anderen Ende der Skala stehen Journalist:innen in APAC: Als Gruppe mit der höchsten eigenen KI-Nutzungsrate sind sie am offensten gegenüber KI-gestützter PR-Kommunikation.
3 wichtige Erkenntnisse für PR-Profis
KI bietet vielfältige Chancen für PR- und Kommunikationsteams – aber diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig ein durchdachter und gezielter Einsatz ist: sowohl bei öffentlich sichtbaren Inhalten als auch in der direkten Kommunikation mit Journalist:innen.
Drei Kernpunkte, die Kommunikationsfachleute im Blick behalten sollten:
1. Transparenz beim KI-Einsatz
Im State of the Media Report 2026 nennen 50 Prozent der Journalist:innen Genauigkeit, Faktenprüfung und die Bekämpfung von Desinformation als eine ihrer größten Herausforderungen. Wenn Redaktionen diesen Wert hochhalten, gilt das erst recht für deren Publikum.
Klar zu kommunizieren, wenn KI eine wesentliche Rolle in der eigenen Arbeit spielt, sollte für PR- und Kommunikationsfachleute selbstverständlich sein.Ein guter Ausgangspunkt ist die Entwicklung eines KI-Ethikkodex für das eigene Team. Das zeigt ein klares Bekenntnis zu Transparenz beim Einsatz von KI in Recherche, Entwicklung und Kommunikation – und schafft Vertrauen bei Journalist:innen und Zielgruppen gleichermaßen.
2. KI in der Medienarbeit mit Bedacht einsetzen
KI kann bei der Erstellung von Medienarbeitsinhalten wie Pitches oder Pressemitteilungen unterstützen. Aber die Technologie ist weit davon entfernt, fehlerfrei zu sein. KI-generierte Inhalte sind oft leicht zu erkennen, und angesichts der bekannten Skepsis vieler Journalist:innen wird ein Pitch, der offensichtlich vollständig von KI erstellt wurde, kaum auf offene Ohren stoßen.
Wer KI-generierte Inhalte nicht sorgfältig überarbeitet und redigiert, riskiert nicht nur schlechte Resonanz, sondern auch inhaltliche Fehler. KI produziert nachweislich ungenaue, mitunter schlicht falsche Informationen. Jeder KI-Output muss deshalb kritisch geprüft und validiert werden.
Auch wenn KI PR-Aufgaben in großem Maßstab beschleunigen kann: Personalisierte, menschlich formulierte, validierte und relevante Medienanfragen bleiben der entscheidende Faktor für das Vertrauen von Journalist:innen.
3. Von den Medien lernen
Viele Journalist:innen stehen generativer KI skeptisch gegenüber und experimentieren dennoch zunehmend damit. Sie wissen, dass die Technologie nicht verschwinden wird und sich ständig weiterentwickelt. Aber sie wissen auch, dass sie noch fehlerhaft ist und menschliche Expertise nicht ersetzen kann.
Wie Moore es formuliert: Beziehungsaufbau in der PR sei „so wichtig und gleichzeitig unglaublich fragil" – eine Erinnerung daran, dass kein KI-Tool damit betraut werden sollte, diese Aufgabe zu übernehmen.
Übertragen Sie denselben Ansatz auf Ihren eigenen KI-Einsatz und suchen Sie die Gemeinsamkeiten mit Ihrem gemeinsamen Publikum. Die Geschichten, die Sie und Journalist:innen erzählen wollen, überschneiden sich – überlegen Sie, wie Sie diese am besten für menschliche Augen aufbereiten und welche Rolle KI dabei spielen sollte.
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