KI-Tools sind keine Randerscheinung mehr, die ARD-Mediathek überholt Netflix und Co., und Social Media verliert erstmals leicht an Reichweite.

Die ARD/ZDF-Medienstudie zeigt jährlich, wie sich die Mediennutzung in Deutschland verändert. Wir ordnen ein, was die Ergebnisse 2026 für Kommunikations- und PR-Profis bedeuten und wo sich gegenüber dem Vorjahr wichtige Verschiebungen zeigen.

 

Mediennutzung: Stabil in der Summe, dynamisch im Detail

Die Gesamtnutzungsdauer verändert sich kaum – 385 Minuten täglich, gegenüber 387 Minuten im Vorjahr. Was sich aber verändert hat, ist das Video weiter Anteile auf Kosten von Audio gewinnt. Dieser Trend zieht sich nun bereits über mehrere Jahre und ist damit keine kurzfristige Schwankung mehr, sondern eine strukturelle Verschiebung.

Besonders auffällig ist dabei das Verhalten der 14- bis 29-Jährigen, denn Ihre Nutzungskurven unterscheiden sich deutlich von der Gesamtbevölkerung. Sie konsumieren weniger Video am Abend, dafür über den ganzen Tag verteilt, Der Anteil von Social-Media- und YouTube-Videos am gesamten Bewegtbildkonsum ist hier besonders hoch.

Für Kommunikationsteams gilt weiterhin: Die klassische „Prime Time" existiert für jüngere Zielgruppen kaum noch. Relevanz entsteht nicht durch den richtigen Sendeplatz, sondern durch den richtigen Moment auf der richtigen Plattform.

 

Bewegtbild: Mediatheken auf dem Vormarsch

Die ARD-Mediathek erreicht 56 % der Bevölkerung und führt damit das Ranking der Videostreaming-Anbieter an (vor Amazon Prime Video, ZDF-Streaming und Netflixmit je 51 %). Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung, die im Vorjahr noch anders aussah.

Gleichzeitig verlieren viele kommerzielle Plattformen leicht an Reichweite oder stagnieren. Einzige Ausnahme: Joyn wächst moderat.

Lineares TV bleibt ein relevanter Massenkanal, aber der Rückgang setzt sich fort. Unter den 14- bis 29-Jährigen sieht weniger als die Hälfte regelmäßig fern. Dabei fällt fast ast 50 % ihrer gesamten Bewegtbildnutzungszeit entfällt inzwischen auf Social-Media- und YouTube.

Für Kommunikationsprofis bedeutet das: Öffentlich-rechtliche Mediatheken sind als Distributionskanal ernster zu nehmen als bisher. Gleichzeitig bleibt Social Video der dynamischste Wachstumsbereich bei jungen Zielgruppen. Videokommunikation muss konsequent für beide Welten gedacht werden.

 

Audio: Radio stabilisiert sich, Podcasts verliert leicht an Reichweite

Nach Jahren des Rückgangs stabilisiert sich das Radio 2026 und gewinnt sogar leicht Anteile an der Gesamthördauer zurück. Das klingt zunächst überraschend, liegt aber daran, dass non-lineare Audioangebote wie Podcasts und Radiosendungen auf Abruf ihre Vorjahresgewinne nicht halten konnten.

Podcasts verlieren leicht an Tagesreichweite, nachdem sie zuletzt gewachsen waren. Das ist kein Einbruch, aber ein Signal, dass der Hype sich normalisiert und Qualität sowie Relevanz nun entscheidender werden.

Spotify bleibt meistgenutzter Musikstreaming-Anbieter, gefolgt von YouTube Music. Bei den unter 30-Jährigen macht Musikstreaming weiterhin rund die Hälfte der gesamten Hördauer aus.

Für PR-Teams gilt: Radio bleibt ein starker Reichweitenkanal, besonders für Zielgruppen ab 30. Podcasts sind weiterhin relevant für inhaltlich tiefgehende Markenkommunikation. Die Auswahl der richtigen, etablierten Formate wird wichtiger.

 

Text: Digital stabil, Print unter Druck

90 % der Bevölkerung lesen mindestens einmal pro Woche mediale Texte. Die Wochenreichweiten sind im Vergleich zu 2025 weitgehend stabil, sowohl für digitale als auch für gedruckte Angebote. Print bleibt vor allem bei der Altersgruppe 50+ relevant, während jüngere Zielgruppen fast ausschließlich digital lesen.

Für die Kommunikationsarbeit ändert sich hier wenig Grundsätzliches. Text bleibt ein Kernelement jeder Kommunikationsstrategie. Entscheidend ist die kluge Kombination aus Artikeln, Newslettern, Social-Media-Posts und kurzen digitalen Formaten.

 

KI-Tools und Social Media: beide so relevant wie nie

Das wichtigste neue Thema 2026 sind KI-Tools wie ChatGPT. Diese sind längst in der Breite der Gesellschaft angekommen – mit einem extremen Altersgefälle: Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 68 %, die sie täglich nutzen, bei den über 70-Jährigen nur 8 %.

Wenn fast zwei Drittel der jungen Zielgruppe regelmäßig KI-Tools zur Informationsrecherche und Inhaltskonsumption einsetzt, verändert das fundamental, wie Inhalte gefunden, bewertet und weiterverbreitet werden. SEO, Auffindbarkeit und die Qualität von Inhalten bekommen eine neue Dimension.

Bei Social Media zeigt sich 2026 erstmals eine breitere Stagnation oder leichter Rückgang. Fast alle Plattformen verlieren leicht an Reichweite. Instagram hält sich stabil an der Spitze, Facebook fällt weiter zurück, TikTok bleibt auf Rang drei.

Social Media bleibt unverzichtbar, aber die Zeit des automatischen Wachstums ist vorbei. Qualität, Community und Relevanz werden wichtiger als bloße Präsenz. Wer auf Social Media erfolgreich kommunizieren will, muss Mehrwert liefern.

 

 

Internetnutzung: Fast alle sind online

97 % der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren nutzen das Internet mindestens gelegentlich. Nur bei den über 70-Jährigen sind noch 15 % komplett offline – ein Wert, der sich aber ebenfalls weiter verringert.

Medieninhalte bleiben der wichtigste Grund für die Internetnutzung (noch vor Kommunikation und sonstigen Anwendungen). Das unterstreicht, wie zentral Content für die digitale Präsenz von Marken und Organisationen ist.

Für Kommunikationsprofis bedeutet das: Das Internet ist kein Zusatzkanal, sondern die primäre Bühne für nahezu alle Zielgruppen. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie präsent man dort ist.

 

Gerätenutzung: Smartphone dominiert

Smartphone und Fernsehgerät bleiben die meistgenutzten Geräte im Tagesablauf. Klassische Radiogeräte verlieren in den letzten Jahren kontinuierlich an Tagesreichweite – ein Trend, der sich 2026 fortsetzt.

Bei den über 70-Jährigen ist die Smartphone-Tagesreichweite mit Abstand am geringsten, während das Fernsehgerät in dieser Gruppe dominiert. Bei den 14- bis 29-Jährigen ist es genau umgekehrt: Das Smartphone ist allgegenwärtig, das TV-Gerät spielt eine deutlich kleinere Rolle.

Für Kommunikationsteams heißt das konkret: Mobile-first ist für junge Zielgruppen keine Option, sondern Pflicht.

 

Kommunikation 2026 braucht Tiefe, Qualität und KI-Bewusstsein

Die ARD/ZDF-Medienstudie 2026 bestätigt viele bekannte Trends, aber sie schärft auch den Blick für neue Prioritäten. Drei Entwicklungen sollten Kommunikations- und PR-Profis besonders im Blick haben:

1. KI verändert die Informationslandschaft grundlegend. Wenn junge Zielgruppen mehrheitlich KI-Tools zur Recherche nutzen, müssen Inhalte nicht nur für Suchmaschinen, sondern auch für KI-Systeme auffindbar und glaubwürdig sein. Thought Leadership, klare Positionierungen und hochwertige Inhalte werden noch wichtiger.

2. Öffentlich-rechtliche Mediatheken sind unterschätzte Kanäle. Die ARD-Mediathek als reichweitenstärkstes Streaming-Angebot Deutschlands ist eine Botschaft an alle, die Videokommunikation ausschließlich auf Netflix-Werbung oder YouTube-Ads reduzieren. Kooperationen, Pressekontakte und Inhalte für öffentlich-rechtliche Formate lohnen sich – auch strategisch.

3. Fragmentierung macht hybride Strategien unverzichtbar. Kein einzelner Kanal erreicht alle relevanten Zielgruppen. Erfolgreiche Kommunikation kombiniert lineare und digitale Formate, setzt auf Bewegtbild ebenso wie auf Text, und denkt Radio und Podcast gemeinsam.

Kommunikationsprofis, die diese Verschiebungen verstehen und ihre Strategien entsprechend anpassen, sind 2026 klar im Vorteil.

➡️Hier geht's zur gesamten Studie von ARD/ZDF

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