Wie "social" sind die Medien? Der Schnittpunkt zwischen Journalismus und Social Media

Nahezu jeder Berufstätige scheint heutzutage beruflich auf den sozialen Medien aktiv zu sein - sei es, um die eigenen Leistungen zu präsentieren, sich über neue Möglichkeiten zu informieren oder sich zu vernetzen. Journalisten bilden dabei keine Ausnahme. Deshalb haben wir Journalisten in unserer diesjährigen State of the Media Umfrage danach befragt, ob und wie sie die sozialen Netzwerke für ihre Arbeit einsetzen und welche Plattformen sie am häufigsten nutzen.

 

Was machen Journalisten auf sozialen Medien?

Auf die Frage, wie wichtig soziale Medien für verschiedene Aspekte ihrer Arbeit sind, gaben 20 Prozent der Journalisten an, um Inhalte zu veröffentlichen oder zu bewerben. Diese am häufigsten genannte Antwort dürfte auch für PR- und Kommunikationsprofis nachvollziehbar sein.

PR-Profis, die versuchen Themenvorschläge bei Journalisten über die sozialen Medien zu platzieren, sollten folgendes beachten: Wenn Journalisten soziale Medien nutzen, ist es unwahrscheinlich, dass sie Themenvorschläge erwarten. Hingegen nutzen sie soziale Medien, um sich zu vernetzen, um Inhalte zu veröffentlichen oder um Informationen zu beschaffen und zu verifizieren. Das macht soziale Plattformen zu brauchbaren Kanälen für PR-Profis, um Journalisten zu folgen, mehr über ihre Arbeit zu erfahren und um eventuell einen Dialog zu beginnen, aus dem sich Möglichkeiten ergeben.

Mit dem Wissen, dass Journalisten die sozialen Medien vor allem dazu nutzen, Inhalte zu veröffentlichen und zu bewerben, können die Socials dahingehend von Interesse sein herauszufinden, ob Journalisten über Themen berichten, die auch für die eigenen Kunden bzw. die eigene Marke relevant sind.

 

 

Was Journalisten davon halten, wenn PR-Profis sie über die sozialen Medien ansprechen

Wenn es darum geht, wie (oder ob) sie es vorziehen, über soziale Medien kontaktiert zu werden, gehen die Meinungen der Journalisten weit auseinander. Während fast ein Viertel (23 Prozent) der Journalisten dies für akzeptabel halten und vier Prozent es gegenüber allen anderen Methoden bevorzugen, sagen mehr als ein Drittel (34 Prozent) ausdrücklich, dass sie es nicht bevorzugen. Zwölf Prozent würden sogar so weit gehen, einen PR-Profi zu sperren, der versucht, mit ihnen direkt über die sozialen Kanäle in Verbindung zu treten. Für mehr als ein Viertel der Journalisten (27 Prozent) hängt der Erfolg oder Misserfolg einer erfolgreichen Vernetzung über die sozialen Medien von der Herangehensweise ab.

 

 

 

TIPP 

Wie Sie die Aufmerksamkeit von Journalisten erlangen

Vielleicht nutzen Sie bereits Suchmaschinen oder eine Mediendatenbank, um relevante Medien, Redakteure und Journalisten zu finden, mit denen Sie in Kontakt treten können. Die Nutzung sozialer Medien als zusätzliches Recherche-Tool könnte Sie aber einen Schritt näherbringen, in einem überfüllten E-Mail-Posteingang Aufmerksamkeit zu erhalten. Sehen Sie sich an, was Journalisten teilen, kommentieren und posten, und nutzen Sie diese Erkenntnisse, um Ihre Botschaft zu personalisieren. Wenn Sie Journalisten zeigen, dass Sie ordentlich recherchiert haben, werden sie aufmerksam.

 

Mit den Worten der Journalisten

Wir haben Journalisten in unserem Netzwerk befragt, wie PR-Profis sie über soziale Medien erreichen können. Hier sind einige ihrer Antworten:

 

“Wenn man einen Journalisten nie zuvor getroffen oder mit ihm gesprochen hat und er auch auf E-Mails nicht reagiert, dann ist die Möglichkeit hoch, dass man als PR-Person ignoriert wird, wenn man versucht seine Aufmerksamkeit auf Instagram zu erhalten.”

 

“Ich reagiere nicht auf allgemeine Aufrufe in sozialen Medien. Wenn es sich um eine individuelle Anfrage handelt, die nur an mich gerichtet ist, dann spielt es keine Rolle, dass es eine Social-Media-Nachricht ist.”

 

“Ich mag das nicht... ehrlich gesagt würde ich lieber eine E-Mail bekommen. Ich denke, wenn Sie bereits eine Beziehung zu dem Journalisten haben und ihn nicht erstmalig ansprechen, und er dafür empfänglich ist, dass Sie ihm folgen und über diese Social-Media-Plattform kommunizieren, ist das in Ordnung.”

 

Diese Social-Media-Plattformen nutzen Journalisten am häufigsten aus beruflichen Gründen

Im globalen Vergleich liegt Facebook mit 63 Prozent an der Spitze, wenn es darum geht, welche Social-Media-Plattform Journalisen am häufigsten aus beruflichen Gründen nutzen. Dahinter reihen sich Twitter (59 Prozent), LinkedIn (56 Prozent), Instagram (44 Prozent), sowie YouTube und WhatsApp mit jeweils 28 Prozent ein. 

Regionale Unterschiede bei Social Media

Auch wenn Facebook insgesamt die bevorzugte Social- Media-Plattform ist, zeigt eine genauere Betrachtung, wie die sozialen Medien in Nordamerika, Europa und im asiatisch-pazifischen Raum genutzt werden, ein differenziertes Bild. So ist in Nordamerika Twitter noch vor Facebook, die am häufigsten genutzte Plattform, während der Kurznachrichten- Dienst gemeinsam mit LinkedIn in Europa an zweiter Stelle steht. Anders hingegen im asiatisch-pazifischen Raum, wo Instagram die am zweithäufigsten genutzt Plattform nach Facebook ist und Journalisten LinkedIn und WhatsApp gleichermaßen nutzen. Zudem ist WhatsApp bei Journalisten in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum gleichermaßen beliebter als bei den Kollegen aus Nordamerika.

Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, bei der Planung einer multinationalen Kommunikationsstrategie kulturelle und regionale Unterschiede zu berücksichtigen.

 

 

Fazit

Die Ergebnisse aus der State of the Media Umfrage zeigen, dass immer mehr Journalisten die sozialen Medien für ihre berufliche Arbeit nutzen. Dabei sind die Gründe der Nutzung so facettenreich, wie die Kanäle selber. Sei es um neue Inhalte zu veröffentlichen oder zu bewerben, zu Netzwerken oder auch um Informationen zu beschaffen. Durch die heutige Technologie haben die Journalisten außerdem die Möglichkeit dabei zu sehen, was ihre Leser interessiert, welche Themen sie verstehen und noch viel wichtiger: welche Themen sie noch nicht verstanden haben. Dadurch können sie selber lernen und nachvollziehen, welche Punkte ihrer Berichterstattung sie vielleicht noch besser ihrer Leserschaft erklären müssen.
 
Für die PR ergeben sich dadurch ebenfalls neue Möglichkeiten die Socials für ihre Pressearbeit zu nutzen, wenn auch nur in einem begrenzten Rahmen. Dabei gilt es sich die veröffentlichten Inhalte, sowie das Verhalten der Journalisten genau anzuschauen und entsprechend zu reagieren. 
 
 
 

Den gesamten globalen State of the Media Report 2022 können Sie sich unter folgendem Link kostenfrei herunterladen.