Pressefrühstück mit Sebastian Matthes

 

Unsere Veranstaltungsreihe »Cision Meets… « vernetzt namhafte und relevante Journalisten mit PR- und Kommunikationsschaffenden aus allen Branchen.

 

Am 18. Oktober 2018 stand uns Sebastian Matthes, stellvertretender Chefredakteur und Head of Digital vom Handelsblatt, Rede und Antwort. Das Interview führte von der Struktur der Redaktion über die präferierte Ansprache durch PR-Schaffende bis hin zur Digitalisierung des Journalisten-Berufs und deren Auswirkungen. In dieser Zusammenfassung möchten wir einige der Fragen und Antworten an und von Herrn Matthes vorstellen.

 

Herr Matthes, wie hat sich Ihr Berufsbild über die Jahre verändert?

Im Kern hat sich erstaunlich wenig verändert. Wir wollen vor allem fundierte Nachrichten und Hintergrundanalysen liefern und die relevantesten, exklusiven Wirtschaftsinformationen bieten. Im redaktionellen Alltag hat sich natürlich der Fokus verschoben, hin zu den digitalen Kanälen. Das Handelsblatt ist mittlerweile eine rund um die Uhr arbeitende News-Organisation mit Reportern in aller Welt, die zunehmend »digital first« arbeiten.

Wir fragen uns vor allem: Zu welcher Zeit ist eine Information für unsere Leserinnen und Leser am relevantesten? Der Fokus auf die digitalen Kanäle ist nur logisch, weil wir schon seit vergangenem Jahr deutlich mehr Digitalabonnenten haben als Printabonnenten.

 

Welche Herausforderungen bringt die weitere digitale Ausrichtung des Handelsblatts mit sich und vor allem: wie innovativ ist so ein Traditionshaus?

Das Handelsblatt war schon immer eine besonders innovative Redaktion. Schauen Sie sich allein an, wie sich die Zeitung verändert hat: Seit einigen Jahren entwickelt sie sich weiter in ein investigatives Tagesmagazin. Im Digitalen hat sich ebenfalls viel getan. Die Print- und Onlineredaktionen wurden längst verschmolzen, und seit vergangenem Jahr haben wir die strengste Paywall aller deutschen Tageszeitungen. Mittlerweile gewinnen wir in guten Monaten brutto bis zu 7000 zahlende Nutzer hinzu.

 

Was macht Sie so erfolgreichund was machen Sie anders als andere, nicht nur ausgehend von Design und Format, sondern auch inhaltlich?

Es war eine gute Idee, die Zeitung zu einem täglichen Magazin weiterzuentwickeln – und das kleinteiligere Nachrichtengeschäft vor allem digital zu machen. Da gehört es hin. Und auf allen Kanälen versuchen wir exklusiv und exzellent zu sein.

 

Wen sehen Sie als Wettbewerber oder Konkurrent in diesem Feld?

Einerseits natürlich alle überregionalen tagesaktuellen Medien aus Deutschland und dem englischsprachigen Raum, die sich an wirtschaftliche Interessierte richten.

Im Digitalen gehört zudem alles zum Wettbewerb, was Aufmerksamkeit bindet: Apps, Soziale Netzwerke, Netflix … Unsere Zahlen zeigen: Wir müssen jeden Tag im Leben unserer Leser für ein paar Minuten eine Rolle zu spielen – dann sinkt die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass sie ihr Abo kündigen.

 

Was geht denn gerade um 8:45 Uhr in der Redaktion vor sich?

Ein großer Teil des Tages ist schon abgehakt: Der Nachtdienst in New York hat die Nachrichten aus Asien und den USA gecovert. Um sechs Uhr übernimmt der Newsroom in Düsseldorf. Um neun Uhr beginnt die News-Konferenz für den laufenden Tag, in der wir die wichtigsten Geschichten planen. Dabei schauen wir auch auf die Zahlen: Was lief gut? Welche Texte haben Leser besonders lange gelesen? Welche Videos haben viele Menschen interessiert? Daraus versuchen wir, Muster abzuleiten. Danach schauen wir auf die Heft-Planung und gleichen schließlich die Zeiten: Wann ist der beste Zeitpunkt, ein Thema zu veröffentlichen?

Am späten Vormittag beginnt die Zeitungsproduktion, die Seiten werden aufgerissen, Layout-Besprechungen finden statt, die Fotoredakteure suchen Bilder zu den Geschichten. Interessant ist hier, dass viele Geschichten, die dann in die Zeitung gehen zu diesem Zeitpunkt bereits digital erschienen sind. Oft erscheint um 6 Uhr morgens eine Geschichte online, die dann der Zeitungsaufmacher oder Ressortaufmacher erst am, nächsten Tag in der Zeitung wird. Die Geschichten werden für das Heft nochmal angepasst und wenn nötig auch aktualisiert.

 

Lesen Sie das gesamte Interview mit Sebastian Matthes. Jetzt kostenfrei als PDF herunterladen.

 

Wir danken Sebastian Matthes rechtherzlichen für diesen Austausch.

 

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